Brüssel macht Ernst: Handynutzer dürfen auf Ende des Kabelsalats hoffen

  • Die EU-Kommission will, dass von 2024 an nur noch USB-C-Ladestecker verwendet werden.
  • Das soll helfen, den Müllberg aus Elektroschrott abzutragen.
  • Die Europa-Grünen sagen zum Vorschlag der EU-Behörde: „Das schont unsere Nerven, den Geldbeutel und auch die Ressourcen unseres Planeten.“
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Brüssel. Handynutzer können auf ein Ende des Kabelsalats in ihren Schubladen hoffen. Die EU-Kommission will an diesem Donnerstag einen Vorschlag für einheitliche Ladestecker bei Smartphones und anderen mobilen Endgeräten wie Tablets machen. Dem Vernehmen nach sollen die Hersteller verpflichtet werden, von Mitte 2024 nur noch Stecker des Standards USB-C zu verwenden. Die Verordnung aus Brüssel richtet sich vor allem gegen den US-Techkonzern Apple, der sich seit mehr als zehn Jahren gegen eine Vereinheitlichung der Ladestecker wehrt.

Neben Smartphones und Tablets sollen auch Kopfhörer, Kameras und Lautsprecher künftig mit einem einheitlichen Stecker aufgeladen werden können. EU-Industriekommissar Thierry Breton will die Verordnung, der noch die 27 EU-Mitgliedsstaaten und das EU-Parlament zustimmen müssen, am Donnerstagmittag in Brüssel vorstellen.

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Teil des Plans soll sein, dass die Hersteller nicht mehr jedes neue Endgerät zusammen mit einem Ladekabel verkaufen dürfen. Kunden sollen ausdrücklich die Wahl haben, beim Kauf eines neuen Smartphones auf ein Ladekabel zu verzichten und ihren alten Stecker zu verwenden. Spätestens Mitte des Jahres 2024 soll auch auf allen Geräten ein Softwareprotokoll laufen, mit dem sich die Smartphones verschiedener Hersteller schnell aufladen lassen.

Europaparlament signalisiert Zustimmung

Das Europaparlament signalisierte bereits grundsätzlich Zustimmung zu den Plänen der EU-Behörde. „Ich begrüße, dass die Kommission endlich einen Vorschlag für einheitliche Ladekabel vorlegt. Mit Kabelsalat in der Technikschublade und immer dem falschen Ladekabel im Rucksack für das Gerät, das man gerade bei sich trägt, muss endlich Schluss sein“, sagte Anna Cavazzini, die Vorsitzende des Binnenmarktausschusses, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Seit zehn Jahren warten Verbraucherinnen und Verbraucher darauf, dass auf dem Binnenmarkt alle Handys und Tablets mit dem gleichen Ladekabel aufgeladen werden können“, sagte die Grünen-Abgeordnete. „Das schont unsere Nerven, den Geldbeutel und auch die Ressourcen unseres Planeten.“

Strittig ist allerdings offenbar noch, ob auch Geräte wie E-Reader und kabellose Ladegeräte in die Liste aufgenommen werden. Cavazzini kündigte an, das Parlament werde sich dafür einsetzen. „Wir werden darauf drängen, dass alle mobilen Endgeräte wie E-Reader unter die neue Regelung fallen“, sagte die Grünen-Abgeordnete. Die neue Verordnung soll dabei helfen, den Müllberg aus alten Elektrogeräten abzutragen. „Elektroschrott ist der am schnellsten wachsende Müllberg der EU“, sagte Cavazzini.

Pro Kopf mehr als zehn Kilo Elektromüll

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verursachten die Deutschen im Jahr 2018 pro Kopf im Schnitt mehr als zehn Kilo Elektromüll. Darunter fallen allerdings auch Großgeräte wie Waschmaschinen und Elektroherde. Die höchsten Müllmengen in diesem Segment wurden in Schweden und Österreich gemessen, die geringsten in Rumänien. EU-weit lag die Müllmenge bei durchschnittlich 8,9 Kilogramm pro Person.

Die Bemühungen der EU-Kommission, einheitliche Ladegeräte und -kabel durchzusetzen, begannen bereits im Jahr 2009. Der damalige EU-Industriekommissar Günter Verheugen kündigte ein universelles Ladegerät für Handys an.

Hersteller wollten sich einigen

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Führende Hersteller von Mobiltelefonen sagten damals der Kommission zu, eine gemeinsame Lösung entwickeln zu wollen. Doch die Hoffnung, dass schon im Sommer 2010 neue Geräte mit einheitlichem Anschluss auf dem Markt kommen könnten, verflog. 2014 forderte das EU-Parlament in der Funkgeräterichtlinie, einheitliche Ladegeräte für Mobiltelefone und Tablets zu entwickeln. Doch auch diese Forderung lief ins Leere, weil die EU-Kommission darauf setzte, dass sich die Hersteller untereinander einigen.

Mittlerweile gibt es zwar einen einheitlichen Standard für die Netzteile. Auch die Zahl der verschiedenen Anschlussbuchsen ist von mehreren Dutzend auf nur noch drei gesunken. Für Android-Smartphones werden inzwischen hauptsächlich USB-C-Anschlüsse verwendet. Micro-USB-Buchsen, früher Standard bei Android-Mobiltelefonen, kommen langsam aus der Mode.

Nur Apple wehrte bis zuletzt gegen Harmonisierungsversuche. Der Konzern setzt auf einen eigenen Anschluss, die sogenannte Lightning-Buchse. Der Techgigant aus Kalifornien argumentiert seit Jahren: Eine Standardisierung der Ladegeräte verhindere Innovationen.

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