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Ein System ist aus dem Takt geraten: Warum die Corona-Krise der Frachtschifffahrt so zusetzt

  • Vor zwei Monaten blockierte die „Ever Given“ eine Woche lang den Suezkanal.
  • Auf einmal blickte die Welt voller Sorge auf Schifffahrt und Lieferketten.
  • Längst ist das Containerschiff freigeschleppt worden, doch in der Frachtschifffahrt führen Pandemie und Produktionausfälle zu Problemen.
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Zwei Monate ist es her, dass die Ever Given zum Symbol des stockenden Welthandels wurde: Das riesige Containerschiff blockierte eine Woche lang den Suezkanal, und auf einmal blickte die Welt voller Sorge auf Schifffahrt und Lieferketten. Längst ist die „Ever Given“ freigeschleppt worden – doch auf See, im Maschinenraum der globalisierten Weltwirtschaft, ächzt und knirscht es seit Beginn der Pandemie.

Normalerweise gleicht die Frachtschifffahrt einem Uhrwerk: Wo und wann etwas geladen ist, wird auf Monate im Voraus geplant, auf dass es weder in Shanghai noch in Hamburg an Schiffen, Containern oder Crews mangelt. Lange wirkte es, als sei das System perfekt getaktet. In den vergangenen Jahren stagnierten die Frachtraten auf niedrigem Niveau, Reedereien in der ganzen Welt trennten sich von älteren Schiffen. Doch jetzt, in der Pandemie, gibt es gleich zwei große Herausforderungen auf einmal: „Die sehr hohe Nachfrage und die sich ständig verändernden Restriktionen wegen der Pandemie“, sagt Ralf Nagel, Präsidiumsmitglied beim Reedereiverband VDR.

Schifffahrt in der Krise: Reedereien kämpfen mit den Problemen der Corona-Pandemie

Denn zu Beginn der Pandemie stornierten nicht wenige Unternehmen Lieferungen aus Asien. Kurze Zeit später konnte es nicht schnell genug gehen, Lockdown-Europa dürstete es nach Sportgeräten, Fahrrädern, Unterhaltungselektronik oder Möbeln. „Container sind knapp, so gut wie alle verfügbaren Schiffe im Einsatz, es gibt Staus vor vielen Häfen auf der Welt“, beschreibt Nagel die Folgen des Nachfragebooms, der die Frachtraten für Container deutlich stiegen ließ.

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Zugleich ist die Schifffahrt darauf angewiesen, dass Crews regelmäßig ausgetauscht werden – und das klappt wegen zahlreicher Reiserestriktionen seit mehr als einem Jahr nur leidlich gut. Zuletzt durften etwa Inder, die 240.000 der 1,6 Millionen Seeleute weltweit ausmachen, in viele Länder nicht einreisen. „Die Blockade des Suezkanals im März sei „nichts im Vergleich zu dem, was die Störung der Lieferketten durch die ausbleibenden Crewwechsel mit sich bringt“, warnte prompt Mark O’Neil, Präsident des internationalen Shipmanager-Verbands Intermanager in der „Financial Times“.

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An den Turbulenzen werde sich kurzfristig wenig ändern, glaubt man bei deutschen Reedereien. Mittelfristig dürften Impfungen aber wieder reibungslose Crewwechsel ermöglichen, heißt es allerdings bei der Hapag Lloyd. Ob dann auch die Frachtraten wieder fallen, ist ungewiss – und nicht zwangsweise wünschenswert. „Nach mehr als zehn schweren Jahren brauchen die Reedereien jetzt ein auskömmliches Geschäft, um Investitionen für die Zukunft, etwa in den Klimaschutz, finanzieren und im harten globalen Wettbewerb bestehen zu können“, findet Nagel.

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