Tier erhält 250 Millionen von Softbank: Haben die E-Tretroller doch eine Zukunft nach Corona?

  • Die mächtige Softbank aus Japan investiert eine Viertel Milliarde Euro in den deutschen E-Tretrollervermieter Tier.
  • Das heizt den harten Kampf gegen die US-Konkurrenten Bird und Lime an.
  • Mit der neuen Finanzspritze wird das Berliner Unternehmen zu einem der wertvollsten deutschen Start-up-Firmen.
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Das dürfte zum Überwintern reichen: Der E-Tretroller-Vermieter Tier hat bei Investoren in einer neuen Finanzierungsrunde 250 Millionen Euro eingesammelt. Nun setzt auch der schillernde japanische Investor Masayoshi Sen auf das Berliner Start-up. Sein Unternehmen habe nun die Voraussetzungen für eine nahtlose und nachhaltige Mobilität geschaffen, betonte Lawrence Leuschner, Chef und Mitgründer des Scootervermieters. „Unsere Vision ist ein komplett neuer Weg, wie wir uns in den Städten zukünftig fortbewegen werden.“

Voll elektrisch soll’s werden, Teilen das Prinzip sein, und zwar bei bezahlbaren Preisen. Leuschner setzt auf verschiedene Fahrzeuge, die über Ladenetzwerke mit Energie versorgt werden sollen. Die Firma hat seit einiger Zeit nicht nur 60.000 Tretroller in 80 Städten, sondern auch E-Mopeds – allerdings in deutlich geringerer Zahl – im Angebot.

Tier gehört zu den wertvollsten deutschen Start-up-Unternehmen

Mit der neuen Finanzspritze wird Tier zu einem der wertvollsten deutschen Start-up-Firmen. Das Unternehmen gewinnt im harten Konkurrenzkampf in der sogenannten Mikromobilität an finanzieller Stabilität. Hauptrivalen sind hierzulande die Ableger der US-Scootervermieter Bird und Lime.

Investor Masayoshi Sen wiederum gilt als reichster Japaner. Er kontrolliert den Tech-Investor Softbank, der mit zahlreichen spektakulären Deals für Schlagzeilen gesorgt hat. Einst hatte er das Sagen beim US-Mobilfunker Sprint, der inzwischen von der Telekom-Tochter T-Mobile übernommen wurde. Er hat in die chinesische Firma Bytedance investiert, die die Video-App Tiktok betreibt. Mit dem Engagement beim Büroraumvermittler We Work hat Sen viel Geld verbrannt.

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Der Softbank-Manager Yanni Pipilis betont nun: Mit der Mikromobilität werde in den Städten die große Lücke zwischen Pkws und den traditionellen Beförderungssystemen gefüllt. Tier könne langfristige Partnerschaften mit Kommunen und Regulierungsbehörden nachweisen. Hinzu käme ein technologiegestütztes Konzept, um Kundenbedürfnisse zu erfüllen.

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E-Scooter sollten revolutionieren, wie wir uns umweltbewusst in Großstädten fortbewegen. Doch das Konzept geht nicht auf.  © dpa
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Staatsfonds von Abu Dhabi mit von der Partie

Bei der neuen Finanzierungsrunde haben auch bisherige Investoren wieder mitgemacht. Dazu zählen unter anderem mehrere international aktive Risikokapitalgeber sowie der Staatsfonds von Abu Dhabi. Nach Hochrechnungen der Financial Times kommt das Unternehmen nun auf eine Bewertung von 850 Millionen Euro. Es würde damit kurz davor stehen, die Milliardengrenze zu erreichen und ein sogenanntes Einhorn zu werden – was in der Start-up-Szene als wichtigster Meilenstein auf dem Weg zum Börsengang gilt.

Laut Leuschner operiert seine Firma bereits profitabel. Detaillierte Geschäftszahlen wurden bislang allerdings nicht publik gemacht. Nach Informationen des Portals Business Insider hat das Unternehmen im dritten Quartal schwarze Zahlen geschrieben – jedoch ohne Berücksichtigung von Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Der Fachdienst Deutsche Start-ups taxiert Tier indes nur auf 700 Millionen Euro. Neben zusätzlichem Eigenkapital will das Tier-Management sich zusätzliches Geld über einen Bankkredit besorgen.

Scootervermieter kämpfen mit Problemen

Fest steht: Die Scootervermieter hatten in den vergangenen Monaten massive Probleme – Branchenkenner sagten bereits Pleiten vorher. Leuschner räumte ein, dass Tier beim ersten Lockdown im Frühjahr innerhalb weniger Tage 80 Prozent seiner Einnahmen verloren hat. Ein Großteil der Belegschaft musste in Kurzarbeit gehen. Hierzulande wurden die Rollerflotten zeitweise massiv reduziert, anderswo sogar komplett aus dem Verkehr genommen.

Auch in normalen Zeiten haben die Firmen zu kämpfen, die die E-Scooter im vorigen Jahr in großem Stil in die Städte brachten. Hauptproblem sind die Personalkosten fürs Einsammeln, Batterieladen und Verteilen der Fahrzeuge. Tier will hier neue Wege gehen und die Kunden dazu bringen, selbst das Aufladen zu übernehmen. Dafür ist die neueste Generation der Roller mit austauschbaren Akkus ausgestattet. Sind diese leer, sollen Nutzer sie an Ladestationen, die sich beispielsweise in Geschäften befinden, gegen volle Stromspeicher auswechseln.

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Zur Belohnung gibt es Freifahrten. Das frische Kapital soll vor allem zum Aufbau des dafür nötigen Ladenetzwerks genutzt werden. Zudem will das Management seine Flotten vergrößern. Allerdings machen Tier und den anderen Scooterverleihern derzeit die neuen Lockdowns und das nasskalte Herbstwetter zu schaffen.

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