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  • E-Mobilität Studie: Umstieg kostet bis zu 410.000 Jobs in der Autoindustrie

Umstieg auf E-Mobilität kostet bis zu 410.000 Jobs

  • Die Autoindustrie ist eine Schlüsselbranche in Deutschland - und mitten in einem grundlegenden Umbruch.
  • Untersuchungen im Auftrag der Bundesregierung zeigen, dass der Umstieg auf E-Mobilität bis zu 410.000 Arbeitsplätze kosten könnte.
  • Nun schlagen Gewerkschaften Alarm - und fordern mehr Hilfe des Bundes.
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Berlin. In Deutschland könnten in absehbarer Zeit hunderttausende Arbeitsplätze in der Automobilindustrie verloren gehen - denn der Strukturwandel in der Autoindustrie mit dem Umstieg auf die Elektromobilität gefährdet nach der Analyse einer Expertenkommission zahlreiche Jobs in der Branche. In einem Extremszenario sind demnach bis zu 410.000 Stellen in Gefahr, wie eine Arbeitsgruppe der "Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität" nun errechnet hat.

Die Zahlen der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission liegen deutlich höher als in anderen Studien. Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) hatte 2018 noch 75.000 Arbeitsplätze gefährdet gesehen. Das Duisburger CAR-Institut prognostizierte im September, bis zu 234.000 Jobs könnten wegfallen.

Arbeitsplätze sind auf jeden Fall gefährdet

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Die neuen Zahlen sind laut der Expertenkommission allerdings ausdrücklich Maximalwerte. Doch grundsätzlich gehen die Fachleute von einem Stellenabbau aus. "Auch wenn dieses Extremszenario aufgrund einer besseren Entwicklung inländischer Angebote von Elektrofahrzeugen und inländischer Produktion von Batterien abgewendet werden kann, gilt: In keinem Fall werden die Automobilhersteller weiterhin im selben Maße für eine solche Wertschöpfung und Beschäftigung entlang der Zulieferketten sorgen können, wie es heute der Fall ist."

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Der Leiter der Arbeitsgruppe, IG Metall-Chef Jörg Hofmann, sagte, der Markthochlauf der Elektromobilität bis 2030 aufgrund der europäischen und auch nationalen Klimaschutzregelungen und weitere Effizienzsteigerungen durch eine zunehmende Automatisierung in der Produktion wirkten sich immer stärker auf die Beschäftigungsstrukturen aus.

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Im Vergleich zu bisherigen Ergebnissen gehe der Personalbedarf in den neuen Elektromobilitätsszenarien weiter zurück, auch weil die Produktivität durch eine höhere Automatisierung in Zukunft weiter steigen werde. Die Herstellung von Elektrofahrzeugen sei stärker automatisierbar.

Hofmann forderte konkrete Schritte von Betrieben und Politik. Knapp die Hälfte der Unternehmen im Organisationsbereich der IG Metall - insbesondere kleine und mittlere Zulieferer - habe keine Strategie für den Strukturwandel. "Das gefährdet Hunderttausende von Arbeitsplätzen", sagte Hofmann dem "Handelsblatt". Nötig seien Zukunftstarifverträge und verbindliche Zusagen für Investitionen in neue Geschäftsmodelle, Produkte und Entwicklungsaufträge.

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Der IG Metall-Chef hatte bereits im Dezember gesagt, viele kleine Zulieferer hätten Finanzierungsprobleme beim Übergang vom Verbrennungsmotor zu alternativen Antrieben. Dazu kämen Auftragsrückgänge. Hofmann hatte sich für Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld ausgesprochen, außerdem seien "dringend" arbeitsmarktpolitisch begleitende Maßnahmen nötig.

Mitte der Woche soll deshalb auf höchster Ebene über Lösungen gesprochen werden: Am Mittwoch kommt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt mit Vertretern von Gewerkschaften sowie des Auto-Branchenverbands VDA zusammen. Schwerpunkt dürfte der Umbruch in der Branche sein.

RND/dpa