Tchibo bietet Tesla-Autos im Abo an

  • Kaffee und den neuen Tesla, bitte: Auch Tchibo folgt dem Trend und bietet online elektrifizierte Pkws im Abo an.
  • In dem jungen Geschäftsfeld sind in Deutschland mehr als ein Dutzend Akteure aktiv.
  • Viele Elektroautokunden inzwischen für das Abonnement.
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Der Weg zum Neuwagen soll so kurz und simpel wie möglich sein. Alles wird am Computer erledigt. „Einfach ab in den digitalen Warenkorb und den Bestellknopf klicken, fertig.“ So beschreibt der Kaffeeröster Tchibo das Ordern eines Tesla Model 3 oder eines Fiat 500E. Die Elektrolimousine aus den USA gibt es für 777 Euro im Monat, den rundlichen Italiener für 289 Euro – bei Ersterem läuft das Abo mindestens zwölf, bei Letzterem 13 Monate.

Tchibo springt auf den derzeit wichtigsten Trend im Pkw-Handel auf. Nach einer Aufstellung des CAR-Instituts von Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer hat sich Anzahl der offerierten Autoabos zwischen Oktober 2020 und März 2021 hierzulande auf insgesamt 380 verschiedene Modelle verdoppelt. Immer handelt es sich um Angebote, bei denen beinahe alles inklusive ist: Wartung, Anmeldung, Reifenwechsel, Vollkaskoversicherung. Nur Strom, Benzin oder Diesel müssen die Nutzer noch selbst tanken und selbst bezahlen.

Dutzende Akteure sind im Aboautogeschäft aktiv

Inzwischen sind in dem jungen Geschäftsfeld hierzulande mehr als ein Dutzend Akteure aktiv. Zu Finanzdienstleistern von Autobauern wie Mercedes, Volvo oder Hyundai kommt eine Reihe von spezialisierten Startups – von Cluno bis Vive La Car. Diese betreiben wiederum vielfach die Aboplattformen bekannter Marken. So hat sich Tchibo mit dem Kölner Unternehmen Like2Drive zusammengetan. Einen „unkomplizierten und risikolosen Einstieg in die Elektromobilität“ wolle man Tchibo-Kunden bieten, sagt Like2Drive-Chef Niels Reimann.

Auch Mercedes begründet sein Abokonzept für den EQA mit den beinahe gleichen Worten. Die Stuttgarter teilten am Mittwoch mit, dass es den Stromer der A-Klasse direkt bei Mercedes für 749 Euro pro Monat gibt. Sein Unternehmen wolle den Kunden ‚sämtliche Vorteile des elektrischen Fahrens‘ bei gleichzeitiger ‚maximaler Flexibilität’ bieten“, so Benedikt Schell Vorstandschef der Mercedes-Benz-Bank. Das bedeutet: Die reguläre Laufzeit eines Vertrages beträgt zwar 24 Monate, aber sie kann mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten auch schon früher beendet werden.

Nutzer wollen E-Autos testen

Der EQA das dritte E-Modell, das der schwäbische Autobauer im Abo anbietet. Hinzu kommen das SUV-Coupé EQC und der Van EQV. Laut Unternehmen entscheidet sich mehr als ein Drittel der Elektroautokunden inzwischen für das Abonnement. Ein Phänomen, das auch bei anderen Marken zu erkennen ist. Die Nutzer wollen testen, wie das mit dem neuen Antrieb funktioniert – schließlich sind die Reichweiten noch immer deutlich geringer als bei Autos mit Verbrenneraggregat. Und insbesondere für Stadtbewohner kommt die Frage hinzu, wie und wo und zu welchem Preis die Batterien aufgeladen werden können. Auch Volkswagen geht in diese Richtung und will von Sommer an, in sechs deutschen Städten den Aboonlinevertrieb des elektrischen ID3 testen.

Doch hinter der neuen Vertriebsform – zwischen Leasing und Carsharing angesiedelt – steckt mehr als nur eine Promotionstrategie für Batterieautos. Ohnehin ist ein Großteil der Pkw auf Abruf noch immer mit Verbrennern ausgestattet. „Wir sind sehr davon überzeugt, dass jeder Mensch im Leben Situationen hat, die eine besondere Flexibilität erfordern – ein Umzug, der Familienzuwachs oder ein neuer Job, ein Projekt oder einfach nur Lust auf ein bestimmtes Auto“, sagte Stephan Lützenkirchen, Co-Gründer von Vive La Car, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. So gibt es unter den Anbietern auch immer wieder Sonderaktionen, etwa mit Cabriomodellen des Ford Mustang oder mit Sportwagen von Maserati.

Vermarktung im Internet ist ein Vorteil

Dass dabei die Vermarktung der Abos ausschließlich über das Internet läuft, bringt in der aktuellen Situation Vorteile: Sie ist gegen die Pandemie immun. Damit werde derzeit zugleich die Digitalisierung im Pkw-Vertrieb beschleunigt, betont Dudenhöffer, der zugleich für die Kunden eine Reihe weiterer Vorteile sieht: Die Autos seien in der Regel kurzfristig lieferbar und die Verträge hätten überschaubare Laufzeiten. So gelten auch bei Vive La Car die drei Monate als Kündigungsfrist. Hinzu komme, dass die Laufleistung monatlich gewechselt werden könne, so Lützenkirchen. Zur Auswahl stünden sechs Pakete von 200 bis 2500 Kilometer – danach richtet sich dann auch die Höhe der monatlichen Zahlungen.

Apropos Kosten: Dudenhöffer und seine Kollegen haben ausgerechnet, dass im März die 30 Top-Angebote unter den Autoabos im Durchschnitt günstiger waren, als der Kauf oder das konventionelle Leasing des gleichen Autos – vorausgesetzt Unterhaltungskosten werden mitberechnet und Nutzer und Nutzerinnen bringen einen niedrigen Schadenfreiheitsrabatt bei der Kfz-Versicherung mit. Das macht sich insbesondere bei großen Fahrzeugen von Premiumanbietern bemerkbar. In der Aufstellung des CAR bietet ein 5er-Kombi von BMW mit Dieselmotor derzeit die günstigsten Konditionen befolgt von einem SUV mit Hybridantrieb von Volvo.

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