E‑Mobilität: Deutsche Autobauer fahren in China hinterher

  • Die deutschen Autobauer schauten den rasanten Entwicklungen in China lange Zeit nur zu.
  • VW, BMW und Daimler haben eine große Aufholjagd angekündigt.
  • Doch bislang können sie ihre traditionellen Stärken auf dem größten Absatzmarkt der Welt nicht gut ausspielen.
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Peking. Die Geschäftszahlen für letztes Jahr trafen den in China erfolgsverwöhnten Autobauer merklich: Der Absatz von Volkswagen ist im Reich der Mitte um satte 14,1 Prozent eingebrochen.

Stephan Wöllenstein, der die Geschäfte im Reich der Mitte leitet, bezeichnet 2021 daher als „eines der schwierigsten Jahre in unserer Geschichte in China“. Ebenso alarmierend: VW verfehlte auch seine durchaus moderat gesteckten Ziele für Elektroautos deutlich: Anstatt 80.000 bis 100.000 Einheiten verkaufte man in der Volksrepublik lediglich 70.000.

Automarkt in China entwickelt sich erfolgreich

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Die enttäuschenden Zahlen des Wolfsburger Konzerns werden gleichzeitig von den erfolgreichen Entwicklungen des Automarkts in China kontrastiert, der im zweiten Jahr der Pandemie wieder ordentlich zugelegt hat. Laut dem heimischen Herstellerverband CAAM legte der Absatz für Pkw im Jahr 2021 um 6,5 Prozent auf 21,5 Millionen Autos zu. Dass die Zukunft in China eindeutig auf E‑Autos liegt, spiegelt sich dabei längst auch in den offiziellen Zahlen wider: Autos mit Elektroantrieb verzeichneten ein Absatzwachstum von fast 170 Prozent.

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Umso besorgniserregender ist es, dass sich unter den zehn E‑Auto-Herstellern mit den meisten Zulassungen kein einziger deutscher Konzern befindet. Volkswagen konnte mit dem zwölften Platz passabel abschneiden, BMW und Daimler waren noch weiter abgeschlagen. Insgesamt soll der Marktanteil deutscher Automarken auf dem Elektrosegment in China laut Schätzungen gerade einmal 12 Prozent betragen.

Dabei ist der dortige Absatzmarkt der mit Abstand größte überhaupt. Landesweit stehen in China knapp doppelt so viele Ladestationen wie im gesamten Rest der Welt, rund 60 Prozent aller neuen E‑Autos werden in der Volksrepublik verkauft. Das hat nicht zuletzt mit einer starken Wirtschaftssteuerung zu tun: Wer insbesondere in den großen Metropolen wie Peking, Shanghai oder Shenzhen einen Verbrennungsmotor kaufen möchte, muss für die Zulassung entweder lange warten oder auf dem Schwarzmarkt tief in die Tasche greifen.

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Deutsche Autobauer schauen zu

Die deutschen Autobauer schauten den rasanten Entwicklungen in der Volksrepublik lange Zeit passiv auf der Zuschauertribüne zu. Dass das dortige Geschäft bis vor wenigen Jahren noch blendend lief, erhöhte zudem nicht gerade die Anreize für riskante Investitionen in Richtung Verkehrswende. Noch bei der Automesse in Peking im Herbst 2020 sagte der Unternehmensberater Peter Hage von der Districom Group über die deutschen Autobauer: „Was Elektromobilität angeht, muss man sagen, fahren sie fast gar nicht mit.“

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Im nächsten Frühjahr folgte dann bei der Automesse in Shanghai der längst überfällige Paukenschlag. Von VW über Daimler bis hin zu BMW kündigte die Branche auf einmal eine „elektrische“ Zeitenwende an. Am selbstbewusstesten tönte VW-Chef Wöllenstein: „Wir sind dabei, das Spiel zu verändern.“ Schon bis 2025 wolle man den US-amerikanischen Marktführer Tesla eingeholt haben.

Doch bislang deutet wenig darauf hin, dass der Plan aufgehen wird. Zudem gibt es bei E‑Autos erstmals auch eine starke Konkurrenz aus China, die bereits einen deutlichen Startvorteil genießt. Was den Chinesen an Erfahrung und Ingenieurskunst fehlt, gleichen sie zudem durch Marketing und Innovation aus: Der in Shanghai ansässige Konzern NIO lockt mit kreativer Kundenbindung, firmeneigenen „Clubhouses“ mit integrierten Kindertagesstätten und regelmäßigen Einladungen zu Konzerten.

Im Billigsegment führt Wuling aus Guangxi an, der kleine, aber hippe Zweisitzer zu unschlagbaren Preisen für umgerechnet 4000 Euro verkauft.

Hinzu kommt, dass die deutschen Autobauer bislang ihre traditionellen Stärken auf dem E‑Markt nicht wirklich ausspielen können. Die chinesischen Kunden erwarten von den „Smartphones auf Rädern“ vor allem gute Unterhaltungssysteme und ständig verfügbaren Service.

Die Handwerksqualität zählt hingegen tendenziell weniger, nicht zuletzt, weil die Autos der Zukunft immer schnelllebiger und austauschbarer werden. Es kommt also weniger darauf an, ob man eine hochwertige Holzinnenausstattung und mehrere Ledersorten anbietet, sondern, wie innovativ die Technikgadgets und Infotainmentsysteme sind.

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