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E-Mobilität: Wie die Regierung ihre eigenen Ziele torpediert

Immer mehr Autos hängen am Ladekabel: Die E-Mobilität wächst, aber nicht schnell genug.

Frankfurt. Da droht ein schwerer Rückschlag für den Klimaschutz: Der Bestand an vollelektrischen Pkw wird im Jahr 2030 deutlich unter den Zielen der Bundesregierung liegen, wenn nicht heftig umgesteuert wird. Das geht aus einer aktuellen Studie der Brüsseler Denkfabrik T&E und der Umweltorganisation Nabu hervor. In acht Jahren würden statt der geplanten 15 Millionen nur gut zehn Millionen Stromer hierzulande unterwegs sein.

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Den Grund dafür sehen die Expertinnen und Experten in unzulänglichen Abgasvorgaben durch die Europäische Union. Im Sommer sollen neue Bestimmungen beschlossen werden. Auf dem Tisch liegt folgender Vorschlag der EU-Kommission: Der jeweilige CO₂-Ausstoß für die Neuwagen-Flotten der europäischen Autobauer soll bis 2025 um 15 Prozent gedrückt werden. Wer darüber liegt, muss Strafen zahlen. 2030 soll dann 55 Prozent weniger Kohlendioxid in die Luft geblasen werden.

Und für 2035 ist dann eine Minderung um 100 Prozent vorgesehen. Nur noch E-Autos oder Pkw, die synthetischen Kraftstoff verbrennen, der mittels Ökostrom erzeugt wird, dürften dann verkauft werden. Während die Autobranche vor allem den Ausstieg aus der Verbrennertechnik in 13 Jahren heftig kritisiert, will die neue Bundesregierung – nach allem was bislang bekannt ist – den Kommissionsvorschlag durchwinken.

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Doch nach Berechnungen der internationalen Umweltorganisation ICCT liegt der CO₂-Ausstoß des gesamten Verkehrssektors in der EU – unter Berücksichtigung der vorgeschlagenen neuen Grenzwerte – im Jahr 2030 noch immer über dem Wert von 1990. Dabei soll bis dahin eigentlich eine Gesamtminderung um 55 Prozent erreicht werden. Auch hinter den noch ehrgeizigeren deutschen Zielen (minus 65 Prozent) würde dann ein großes Fragezeichen stehen.

Autobauer könnten jahrelang die Hände in den Schoß legen

„Bundesminister Robert Habeck muss dringend handeln, wenn diese Regierungskoalition eine Chance haben soll, ihre Klimaziele zu erreichen“, sagt Friederike Piper von T&E. Der Vizekanzler, der zugleich Wirtschafts- und Klimaschutzminister ist, müsse auf eine Verschärfung der Verbrauchsgrenzwerte dringen, so T&E und Nabu. Es sei unverständlich, warum sich das Ministerium bei den Verhandlungen über das zentrale Instrument der Dekarbonisierung des Verkehrssektors nicht stärker eingebracht habe.

Was die Umweltschützerinnen und -schützer besonders stört: Bis 2030 soll es erst einmal keinerlei Verschärfungen geben. Wobei Piper darauf aufmerksam macht, dass die deutschen Autobauer (Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW) laut ihrer selbst gesteckten Ziele schon im nächsten Jahr die CO₂-Minderung erreichen, die sie erst 2025 nachweisen müssen. Das bedeute, dass sie dann bis 2030 bei den Kohlendioxidemissionen nichts mehr tun müssten.

Studie belegt: Wandel zur E-Mobilität kostet und schafft viele Jobs

Der Wandel zur Elektromobilität koste 220.000 Jobs – schaffe aber auch 205.000 neue Arbeitsplätze, hieß es.

Laxe Vorgaben erhöhen die Spielräume der Autobauer. Sie können so die Verbrenner über einen längeren Zeitraum vermarkten. Es handelt sich – besonders bei den großen SUV – um Fahrzeuge, die hohe Gewinne abwerfen, weil seit Jahren bewährte Technik zum Einsatz kommt, die nur noch geringe Kosten verursacht. Mehr Elektromobilität verlangt hingegen höhere Investitionen in Antriebs- und Batterietechnik. Fabriken müssen gebaut und Zulieferketten neu gestrickt werden.

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Aber genau dies wollen die Umweltschützenden erreichen: Denn damit würden die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und Jobs der Zukunft gesichert. Auch für die Verbraucher sehen sie Vorteile. Ein zügiger Hochlauf der Elektromobilität führe wegen der schneller steigenden Stückzahlen zu früheren Preissenkungen für die Stromer.

Große Nachfrage nach E-Autos

T&E und Nabu schlagen deshalb vor, die europäischen Flottengrenzwerte schrittweise strammer zu machen. Und zwar auf eine Reduzierung des CO₂-Ausstoßes im Jahr 2025 um 30 Prozent, ein Minus von 45 Prozent soll es 2027 und 80 Prozent weniger 2030 sein.

„In der Folge würden sich signifikante jährliche CO₂-Minderungen ergeben, die einen erheblichen Teil der benötigten Treibhausgaseinsparungen des Verkehrssektors liefern“, so die beiden Organisationen. Und vor allem: Den Hochrechnungen zufolge würde das 15-Millionen-Ziel der Bundesregierung sogar noch leicht übertroffen.

Klar ist indes, dass immer mehr Kundinnen und Kunden Stromer kaufen wollen. „Die Nachfrage nach Elektroautos wird weiter zulegen – dank hoher Kaufprämien, kräftiger Steuervorteile, neuer Modelle und immer ausgereifteren Technologien“, sagte Peter Fuß, Autoexperte der Prüf und Beratungsgesellschaft EY, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Zulassungszahlen für E-Pkw steigen denn auch kontinuierlich. Ihr Marktanteil liegt aktuell aber dennoch bei nur etwa 11 Prozent.

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