Droht eine Pleitewelle? Fast jede sechste Firma fürchtet den Konkurs

  • Alle Staatshilfen können daran nichts ändern: 15 Prozent aller deutschen Firmen sehen sich wegen der Corona-Krise in ihrer Existenz bedroht.
  • Das ist allerdings nur eine Durchschnittsbetrachtung und es gibt Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen.
  • Weitere Staatshilfen sind unterwegs und angekündigt.
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Dem Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung wird ein besonders guter Draht zur heimischen Wirtschaft nachgesagt. Stimmt das, droht eine Pleitewelle. Denn 15 Prozent aller Firmen hier zu Lande haben im November den Ifo-Forschern erklärt, ihre Insolvenz zu befürchten. „Gegen den Juni ist das eine Verbesserung, denn da waren es 21 Prozent“, relativiert Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Zugleich verweist er auf erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Branchen. Einen wahren Kahlschlag in ihren Reihen fürchten zum Beispiel Reisebüros und -veranstalter, Hotels und Gaststätten. So rechnen in der Reisebranche 86 Prozent aller Unternehmen mit ihrem Aus. Bei Hoteliers sind es gut drei Viertel, bei Gaststätten fast zwei Drittel.

14 Prozent aller Firmen im konjunkturell wichtigen Handel sorgen sich um ihre Existenz

Entspannter aber immer noch überdurchschnittlich schlecht sieht es in der Werbebranche aus, wo gut jeder vierte Betrieb um seine Existenz bangt. Spediteure liegen mit 14 Prozent ungefähr im allgemeinen Schnitt. Am wenigsten Gedanken über eine Firmenpleite machen sich dagegen IT-Dienstleister mit fünf Prozent sowie Rechts- und Steuerberater mit drei Prozent.

Im konjunkturell wichtigen Handel klagen 14 Prozent aller Firmen über Existenznöte. Im Juni waren es hier noch 18 Prozent. Etwas besser steht die deutsche Industrie mit elf (Juni 17) Prozent an existenzbedrohten Firmen da. Allerdings gibt es auch hier große Unterschiede. So bangt gut jeder dritte Metallerzeuger oder -verarbeiter aktuell um seine Existenz. Gleiches gilt für drei von zehn Druckereien, gut jeden fünften Getränkehersteller sowie eine ähnliche Rate von Firmen aus der Textil- und Bekleidungsbranche. Nahezu oder ganz befreit von Existenzsorgen sind nur Chemiefirmen (ein Prozent) und die Pharmabranche (null Prozent). Leicht auf vier Prozent gestiegen sind die Existenzsorgen am Bau. Sie liegen damit aber immer noch vergleichsweise niedrig.

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Pleitewelle könnte sich aufstauen

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Ob die Pleiteängste demnächst auch zur Realität werden, ist eine andere Frage. Weitere Staatshilfen sind unterwegs und angekündigt. Allerdings warnen viele Experten davor, dass sich eine Pleitewelle aufstaut, die sich bald Bahn brechen könnte. Bereits Anfang Oktober wurden wegen der Pandemie zeitweise ausgesetzte Regeln zur Insolvenzanmeldung zum Teil wieder in Kraft gesetzt. Anfang 2021 sollen sie nach bisherigen Plänen wieder voll gelten. Danach könnte es an der Insolvenzfront dann endgültig ernst werden.

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