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Drohender Lokführerstreik: Lasst die GDL leben

  • Die Lokführergewerkschaft GDL will wieder streiken – ausgerechnet jetzt, wo die Corona-Einschränkungen gelockert werden und der Sommer vor der Tür steht.
  • Der Ärger der Reisenden ist nachvollziehbar, doch die Spartengewerkschaft kann gar nicht anders, kommentiert Frank-Thomas Wenzel.
  • Für sie geht es um nicht weniger als ihre Existenz.
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Frankfurt. Wer erinnert sich noch an den Lokführerstreik im Frühjahr 2015? Ätzend und nervenaufreibend war das. Bahnfahren wurde zu einem unkalkulierbaren Abenteuer. Die im Normalbetrieb üblichen Zwischenfälle vervielfachten sich.

Viele Verbindungen wurden gestrichen. Es gab heftige Verspätungen und Chaos in Bahnhöfen. Das ist zwar schon sechs Jahre her. Aber viele Kunden der Bahn werden sich nun denken: Bitte, nicht schon wieder.

Doch die Lokführergewerkschaft zieht es durch. Ausgerechnet jetzt, da die Urlaubszeit beginnt, die Corona-Beschränkungen gelockert werden und die Reiselust der Deutschen wieder steigt. Es ist kein Zufall, dass nach monatelangem ergebnislosem Hin und Her in den Tarifverhandlungen mit der Bahn die Streikankündigung nun kommt. Die GDL hofft darauf, maximalen Druck aufs DB-Management auszuüben.

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Für die kleine Spartengewerkschaft geht es ums Ganze

Doch kann man das den Lokführern wirklich vorwerfen? Immerhin geht es für die kleine Spartengewerkschaft ums Ganze. Letztlich hat sie kein anderes Mittel als den Arbeitskampf.

Die Umsetzung des Tarifeinheitsgesetzes (TEG) droht. Die im Sommer 2015 von der schwarz-roten Koalition beschlossenen Bestimmungen richten sich gegen Interessenvertretungen wie die GDL, die zwar nur eine kleine Zahl von Beschäftigten organisieren, aber viel Macht haben, weil ihre Mitglieder buchstäblich am Steuer sitzen. Das TEG hat das Zeug dazu, die GDL zumindest kleinzuhalten, wenn nicht sogar langfristig die Existenz der Organisation zu bedrohen.

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Die Bahn-Manager würden sich sicherlich freuen, wenn sie nur noch mit erheblich zahmeren EVG verhandeln müssten. Aber: Das Nebeneinander von zwei Gewerkschaften hat in der Vergangenheit erstaunlich gut funktioniert. Bei Konkurrenten der DB ist das immer noch der Fall.

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Ein historischer Kompromiss über eine einigermaßen friedliche Koexistenz muss möglich sein. Das hätte einen Riesenvorteil: Die Bahn-Manager könnten sich endlich auf die wirklich wichtigen Fragen konzentrieren. Allen voran der zügige Ausbau der Gleisinfrastruktur. Und auch die Gefahr ärgerlicher Streiks würde gebannt.

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