EZB

Draghis Abschied: “Es ist Zeit für mehr Euro und nicht für weniger”

  • EZB-Präsident Mario Draghi ist nicht unumstritten.
  • Während seiner Amtszeit hat die Notenbank die Zinsen zum Leidwesen der Sparer praktisch abgeschafft.
  • Zu seinem Abschied gibt es viel Lob - und ein dringliches Appell des scheidenden EZB-Chefs.
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Frankfurt/Main. Mario Draghi nimmt den Hut - und führende europäische Politiker haben die Verdienste des scheidenden EZB-Präsidenten für den Euroraum gewürdigt. "Du hast den Euro durch unruhige See navigiert", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag anlässlich eines Festaktes in der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Draghi habe den gemeinsamen Währungsraum erfolgreich durch die Euro-Schuldenkrise geführt, die Unabhängigkeit der EZB bewahrt und die Währungsunion gestärkt. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron betonte, Draghi habe für die Menschen in Europa gehandelt.

Der gelobhudelte indes hatte eine klare Botschaft für die Staatschefs: "Es ist Zeit für mehr Euro und nicht für weniger." Europa müsse stärker werden. "In einer globalisierten Welt bedeutet geteilte Souveränität mehr Souveränität." Europa müsse sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen. "Risiken zu teilen kann helfen, Risiken zu verringern", mahnte Draghi.

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Lob von Schäuble

Draghi hatte die Eurozone im Sommer 2012 in der tiefsten Krise ihrer jungen Geschichte mit dem Versprechen, "die EZB wird alles tun, um den Euro zu retten" ("Whatever it takes") stabilisiert. Der frühere deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" (Montag), die Aussage sei in jenem Augenblick entscheidend gewesen, um die Märkte zu stabilisieren. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker lobte, Draghi sei es damit gelungen, Ruhe und Zuversicht zu verbreiten.

Schäuble, heute Bundespräsident verneinte, dass er und Draghi Gegner gewesen seien. Beide hätten sie unterschiedliche Aufgaben gehabt und sie seien nicht immer einer Meinung gewesen, sagte Schäuble. Ihr persönliches Verhältnis sei aber gut gewesen, und er habe Draghi sowie die Unabhängigkeit der Zentralbank stets respektiert.

Im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Währungsraum mit seinen mittlerweile 19 Mitgliedstaaten hatte Europas oberster Währungshüter alle Register gezogen: Nullzins, Negativzinsen für geparkte Gelder von Banken und milliardenschwere Anleihenkäufe. Im September verschärfte die EZB ihren Anti-Krisen-Kurs noch einmal - gegen heftige Widerstände und zum Leidwesen von Sparern und Banken. Die EZB habe immer im Rahmen ihres Mandats gehandelt, betonte Draghi aber auch bei seinem Abschied.

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Lagarde, ehemals französische Finanzministerin und zuletzt Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), hat bereits Sympathie für eine Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik erkennen lassen. In ihrer Rolle als künftige Chefin der EZB will sie aber mögliche negative Folgen und Nebeneffekte des EZB-Kurses genauer in den Blick nehmen.

RND/dpa