Börsen: Trumps Corona-Infektion steigert Nachfrage bei US-Dollar

  • Die Stimmung an der Wall Street ist angespannt.
  • Grund dafür sind die Corona-Krise und die stockenden Verhandlungen über ein neues Konjunkturpaket in den USA.
  • Während die Ölpreise weiter nachgeben, ist die Nachfrage beim US-Dollar gestiegen – wegen der Corona-Infektion des US-Präsidenten.
Anzeige
Anzeige

New York. Das anfangs noch sehr gute Stimmungsbild an der Wall Street ist am Donnerstag verblasst. Der Dow Jones Industrial war zwar fast 1 Prozent höher in den Handel gestartet, wie schon am Vortag verlor er aber knapp über der Marke von 28.000 Punkten seinen Schwung und drehte im Verlauf sogar zeitweise ins Minus. Letztlich beendete er den ersten Handelstag im Oktober 0,13 Prozent höher bei 27.816,90 Punkten.

Verhandlungen zu Konjunkturpaket bereiten Anlegern Sorgen

Einmal mehr konnten die an der Nasdaq konzentrierten Technologiewerte den Dow weit in den Schatten stellen. Für den von dieser Branche geprägten Auswahlindex Nasdaq 100 ging es um 1,45 Prozent auf 11.583,20 Zähler bergauf. Der marktbreite S&P 500 verzeichnete ein Plus von 0,53 Prozent auf 3380,80 Punkte.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

In den USA schwankten die Anleger am Donnerstag weiter zwischen Hoffen und Bangen, was die Verhandlungen über ein neues Konjunkturpaket betrifft. Laut Analyst Edward Moya vom Broker Oanda ist es unwahrscheinlich, dass vor den im November anstehenden Wahlen noch ein Durchbruch erfolgt. Das Repräsentantenhaus könne ein Deal vielleicht noch passieren, im Senat sei aber dann eine Ablehnung zu erwarten.

Boeing-Aktie stabilisiert sich

Im Verlauf wurde der Aktienmarkt auch von mäßigen Wirtschaftsdaten gebremst. Experten wurden davon überrascht, dass sich mit dem ISM-Index ein Stimmungsindex für die US-Industrie nach vier Anstiegen in Folge wieder zurückbildete. Laut Moya zeichnete dies gemeinsam mit weiter hohen wöchentlichen Anträgen auf Arbeitslosenhilfe ein schwaches Konjunkturbild. Am Freitag wird nun gespannt auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht geblickt.

Im Dow blieben die Boeing-Aktien mit 1,6 Prozent auf Erholungskurs. Die klarer werdende Aussicht auf eine baldige Flugerlaubnis für den Krisenjet 737 Max wurde am Donnerstag von einem positiven Analystenkommentar ergänzt. Laut dem Goldman-Sachs-Analysten Noah Poponak könnten sich die Sorgen um die Auftragssituation für das Flugzeug als überzogen herausstellen.

Anzeige

Texas Instruments legt zu

Das Schlusslicht im Dow waren in einem getrübten Branchenumfeld die 2,2 Prozent tieferen Aktien von Chevron. Im Ölsektor blieben die Papiere am Donnerstag allgemein unter Druck, weil der Preis für ein Fass der US-Ölsorte WTI unter die Marke von 40 Dollar fiel. Im S&P 500 sackten Exxon Mobil und Occidental Petroleum sowie der Branchenausrüster Schlumberger um mehr als 3 Prozent ab.

Den Technologiewerten an der Nasdaq half ein positives Stimmungsbild im Chipsektor, was am Markt mit optimistischen Signalen aus Europa begründet wurde. Dort hatte ST Microelectronics seinen Ausblick für das laufende Jahr bereits zum zweiten Mal erhöht. In den USA gewannen Texas Instruments zum Beispiel 1,5 Prozent, Unternehmen wie NXP oder Microchip sogar bis zu 5 Prozent.

Aktien von Bed Bath & Beyond sorgen für Kursfeuerwerk

Anzeige

Bei Pepsico stießen die vorgelegten Quartalszahlen nur zögerlich auf ein positives Echo. Nach schwachem Start schafften es die Aktien mit 1,6 Prozent ins Plus. Der Getränkekonzern übertraf mit den Zahlen die Erwartungen und wagte nach besser laufenden Geschäften wieder neue Zielsetzungen für dieses Jahr.

Unter den Nebenwerten sorgte Bed Bath & Beyond mit einem Kursfeuerwerk für Aufsehen. Die Aktien des Einzelhändlers für Haushaltsartikel schnellten zeitweise um mehr als ein Drittel nach oben, am Ende betrug das Plus noch etwa ein Viertel. Als Treiber für den Kurssprung galten besser als erwartete Quartalszahlen dank hoher Onlineumsätze.

Eurokurs sinkt

Der Eurokurs hat am Freitag in den ersten Handelsstunden deutlich nachgegeben. Im frühen Handel sank der Wert der Gemeinschaftswährung unter die Marke von 1,17 US-Dollar. Zuletzt wurde der Euro mit 1,1697 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag noch auf 1,1752 (Mittwoch: 1,1708) Dollar festgesetzt.

Die Kurse von US-Staatsanleihen zeigten eine solide Entwicklung. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) stieg zuletzt um 0,04 Prozent auf 139,54 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Anleihen bewegte sich mit 0,68 Prozent in etwa auf Vortagsniveau.

Anzeige

Rohölimport wird teurer

Derweil haben die Ölpreise im asiatischen Handel am Freitag weiter nachgegeben. Am Vorabend waren die Preise bereits stark gefallen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 40,16 US-Dollar. Das waren 80 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 83 Cent auf 37,90 Dollar. Damit sieht es für die Rohölpreise auf Wochensicht nach dem zweiten Verlust in Folge aus.

Neben einer immer noch schwachen Nachfrage wegen der Corona-Krise trübten enttäuschende Nachrichten aus den USA den Ausblick am Markt. Nach ergebnislosen Gesprächen im US-Kongress schwanden zuletzt die Hoffnungen auf ein neues US-Konjunkturpaket noch vor der Wahl im November.

Die Nachricht, dass US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania positiv auf das Coronavirus getestet wurden, sorgte bei der Weltreservewährung Dollar zudem für Nachfrage. Die US-Währung gilt in Zeiten der Unsicherheit als sicherer Hafen. Da Öl international in Dollar gehandelt wird, wird hierdurch der Rohöl-Import im Verhältnis teurer.

Anleger auf dem deutschen Aktienmarkt reagierten hingegen beunruhigt auf die Nachricht von Trumps Corona-Infektion. Der Dax fiel in den ersten Handelsminuten um 1,34 Prozent auf 12.560,00 Punkte. Dank der hohen Gewinne vom Montag deutet sich für den deutschen Leitindex damit ein Wochenplus von rund 0,7 Prozent an. Der MDax der 60 mittelgroßen Börsentitel verlor am Freitagmorgen 1,09 Prozent auf 27 051,16 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 büßte rund 1,3 Prozent ein.

RND/dpa



“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen