Discounter: Corona-Krise trifft auch Tedi, Kik und Co.

  • Discounter haben in den vergangenen Jahren auch abseits des Lebensmittelhandels einen Siegeszug angetreten.
  • In der Pandemie haben die Billiganbieter zwar an Schwung verloren, doch ihre große Zeit könnte erst noch kommen.
  • Denn die Nachfrage nach günstigen Angeboten könnte weiter steigen.
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Düsseldorf. Ob es um Mode geht, Schreibwaren oder Deko-Artikel: Auch abseits des Lebensmittelhandels haben sich Discounter wie Tedi, Action oder Kik in den vergangenen Jahren ein immer größeres Stück vom Markt gesichert. Doch die Corona-Krise traf auch die Billiganbieter unvorbereitet. Ehrgeizige Wachstumspläne wurden fast über Nacht zu Makulatur. Statt Euphorie bestimmte in vielen Fällen plötzlich Katzenjammer das Bild. Doch für einen Abgesang auf die sogenannten Non-Food-Discounter scheint es zu früh.

Non-Food-Discounter trotzen Online-Geschäft

„Die Non-Food-Discounter haben eine sehr lange Erfolgsgeschichte hinter sich. Zwischen 2013 und 2019 sind sie um fast 40 Prozent gewachsen“, betont der Handelsexperte Martin Langhauser von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). „Es ist eine der ganz wenigen Vertriebslinien, die es geschafft hat, in Zeiten des Online-Booms noch stationär kräftig zuzulegen.“ Fast im Wochentakt eröffneten zeitweise in Deutschlands Einkaufsstraßen neue Billigläden.

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Die Erfolgsgeschichte wurde jedoch durch die staatlich verordneten Ladenschließungen im Frühjahr erst einmal jäh unterbrochen. „Wie fast dem gesamten stationären Handel sind uns durch den Lockdown über Nacht fast alle Einnahmen weggebrochen. Was dann folgte, war beinhartes Krisenmanagement“, sagt eine Tedi-Sprecherin und spricht damit wohl für einen Großteil der Branche. Mit als erstes wurden die ehrgeizigen Wachstumspläne zurechtgestutzt.

Beispiel Action: Der niederländische Billiganbieter betreibt in Deutschland aktuell 379 Filialen, in denen er ein breites Angebot von Deko-Artikeln bis zu Nahrungsmitteln, von Mode bis zu Do-it-Yourself-Produkten verkauft. Europaweit sind es sogar mehr als 1500 Geschäfte. Das Jahr 2020 sollte eigentlich ein weiteres Jahr stürmischer Expansion sein. Doch es kam ein wenig anders.

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Weniger Expansion und leichte Preiserhöhung

„Unsere Expansionsstrategie hat sich durch Corona nicht grundsätzlich verändert, aber es gibt einige Verzögerungen“, sagt Action-Chef Sander van der Laan. „Ursprünglich wollten wir in diesem Jahr 240 neue Läden in Europa eröffnen, jetzt werden es nur 163. Und der für dieses Jahr geplante Einstieg in den italienischen Markt ist auf das kommende Jahr verschoben.“ Auch in Deutschland würden weniger neue Läden eröffnet als ursprünglich geplant.

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Konkurrent Tedi, der aktuell europaweit fast 2400 Märkte betreibt, hat ebenfalls seine Expansionspläne auf den Prüfstand gestellt und will sich noch nicht festlegen, wie viele Filialen bis Ende 2021 neu eröffnet werden sollen. „Diese Frage können wir derzeit nicht beantworten. Dafür ist die Lage noch zu unübersichtlich“, heißt es im Unternehmen.

Doch nicht nur die Expansionspläne wurden plötzlich Makulatur. Vieles musste offenbar auf den Prüfstand. So erhöhte der Billiganbieter Euroshop mit der Wiedereröffnung der Läden nach dem Lockdown den Einheitspreis für alle Produkte nach 16 Jahren Preisstabilität von 1 Euro auf 1,10 Euro – immerhin ein Plus von 10 Prozent. Die Begründung dafür auf dem Facebook-Account des Unternehmens war denkbar knapp. „Das ist nötig, (...) für unsere Zukunft (...).“ Mehr zu den Hintergründen wollte der Konzern auch auf Anfrage nicht mitteilen.

Geschäfte haben sich von Lockdown erholt

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Wie die Geschäfte aktuell laufen, darüber schweigen sich die meisten Billiganbieter aus. Lediglich Action-Chef van der Laan verrät: „Seit der Wiederöffnung der Läden nach dem Lockdown entwickeln sich die Umsätze von Action sehr gut. Sie liegen deutlich über dem Vorjahresniveau. Auch die Gewinne entwickeln sich erfreulich.“ Es werde dem Unternehmen vielleicht nicht gelingen, die Umsatzeinbußen durch die Ladenschließungen im Frühjahr komplett zu kompensieren. Aber Action werde auch in diesem Jahr wieder „sehr profitabel“ sein.

„Unser Angebot passt einfach zu den aktuellen Bedürfnissen: Wir verkaufen Schlüsselprodukte wie Reinigungs- und Desinfektionsmittel, aber auch Deko-Artikel, um die eigene Wohnung in diesen herausfordernden Zeiten etwas gemütlicher zu machen, und Do-it-Yourself-Produkte, die auch gerade einen Boom erleben“, erklärte der Manager den Erfolg. Auch der Textildiscounter Kik teilte auf Anfrage mit: „Kik ist aus dem ersten Shutdown im Frühjahr gut herausgekommen.“

Bedarf an günstigen Artikeln könnte tendenziell steigen

Ganz allein dürften sie damit nicht stehen. Nach den Zahlen der GfK entwickelten sich die Nonfood-Discounter in den Monaten nach dem Ende des Lockdowns insgesamt „durchaus solide“.

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Ein Abgesang auf die Billiganbieter wäre also wohl trotz aller coronabedingten Turbulenzen verfrüht. Möglicherweise sind sogar goldene Zeiten für sie in Sicht. „Die Zukunftsperspektiven für die Non-Food-Discounter sind nicht schlecht“, sagt jedenfalls der GfK-Handelsexperte Langhauser. Der Bedarf nach Angeboten im Preiseinstiegsbereich werde „kurz- und mittelfristig eher größer werden, wenn wir in Deutschland wieder steigende Arbeitslosenzahlen sehen“.

RND/dpa

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