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Nach Gas- und Stromkrise

Auch der Diesel ist knapp – und es könnte noch teurer werden

Die Preise für Diesel werden nach dem Ende des Tankrabatts steigen. Nun kommt auch noch Knappheit auf dem Weltmarkt hinzu.

Die Preise für Diesel werden nach dem Ende des Tankrabatts steigen. Nun kommt auch noch Knappheit auf dem Weltmarkt hinzu.

Frankfurt am Main. Eine Flottille von Tankern aus dem Nahen Osten ist unterwegs. Diese Meldung ließ schon vor einigen Tagen aufhorchen. Die Schiffe – darunter mindestens ein Supertanker – sind randvoll mit Diesel beladen und auf dem Weg nach Europa. Der Grund dafür sind die enorm hohen Preise, die an den Energiebörsen für den Kraftstoff derzeit gezahlt werden. Europa steuert auf eine Dieselkrise zu – als eine weitere Variante der Energiekrise. Vor allem Lkw-Speditionen und die Halterinnen und Halter von Autos mit Selbstzündermotor werden das zu spüren bekommen.

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Nach vorläufigen Berechnungen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg wurden bereits im August durchschnittlich 435.000 Fass (à 159 Liter) Diesel pro Tag in europäischen Häfen angelandet. Allesamt Lieferungen aus dem Nahen Osten. So viel war es seit Anfang 2019 nicht mehr gewesen. Die Gewinne der europäischen Raffinerien beim Verkauf von sogenannten Mitteldestillaten – Diesel, Heizöl und Kerosin gehören dazu – sind bereits auf umgerechnet rund 55 Dollar pro Fass gestiegen. Die Energieberatungsfirma FGE geht davon aus, dass dieser Wert im Winter auf die Rekordhöhe von 70 Dollar steigen wird. Wegen einer Mangellage: Es könnten, so die Projektion der Expertinnen und Experten, bis zu 1,5 Millionen Fass an jedem Tag fehlen.

Unternehmen stellen Kraftwerke um

Aktuell spielt eine wichtige Rolle, dass wegen des niedrigen Rheinwasserstandes die Binnenschifffahrt stark gebremst wird. Die ist aber für die Verteilung des zähflüssigen Kraftstoffs von extrem großer Bedeutung. Derzeit ist nur eine Teilbeladung der großen Kähne möglich. Das hat zur Folge, dass Diesel von den Raffinerien nur im beschränkten Umfang abtransportiert werden kann. Unter anderem musste Shell deshalb die Produktion in seinem Chemical Park Rheinland (Köln/Wesseling) zurückfahren.

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Auslaufen des Tankrabatts sorgt für deutlich höhere Spritpreise

Autofahrer müssen sich auf deutlich steigende Spritpreise einstellen. Der vorübergehende Tankrabatt in Deutschland gilt seit Mitternacht nicht mehr.

Zugleich ist die Nachfrage in den vergangenen Wochen gestiegen – wegen der enorm hohen Gaspreise. Viele Unternehmen und auch Energieversorger stellen ihre Kraftwerke von Erdgas auf flüssigen Brennstoff um. Das ist in vielen Fällen möglich, weil die Anlagen ursprünglich für Öl gebaut wurden und später für das damals deutlich billigere Gas modifiziert wurden. Nun wird wieder zurückgedreht. Das ist auch deshalb machbar, weil die großen Tanks dafür vielfach noch vorhanden sind.

Kurz vor Ende des Tankrabatts: Die Nordoel-Tankstelle an der Lindemannallee hat am Montagnachmittag gut zu tun.

„Hier wird die Hölle los sein“: Wie sich Tankstellen auf das Ende des Tankrabatts einstellen

Drei Monate lang konnten Autofahrerinnen und Autofahrer vergünstigt tanken. Jetzt läuft der Tankrabatt in der Nacht zum 1. September aus. Was bedeutet das für die Tankstellen?

Diese unerwartet hohe Nachfrage kommt zu einem Zeitpunkt, da die Dieselreserven in den Tanklagern weltweit gering sind, weil im Zuge der Pandemie Raffineriekapazitäten stillgelegt wurden – seinerzeit gingen viele Energiekonzerne davon aus, dass über Jahre mit einer niedrigeren Nachfrage nach Kraftstoff zu rechnen ist. Anlagen, die täglich drei Millionen Fass herstellen konnten, sind nach Berechnungen der Beraterinnen und Berater von Wood MacKenzie in den vergangenen zwei Jahren stillgelegt worden. Zwar gibt es allerlei Bemühungen zur Reaktivierung, aber das dauert.

China fährt seine Dieselausfuhren zurück

Ein weiterer Faktor: China, eigentlich ein wichtiger Dieselexporteur für den Weltmarkt, hat seine Ausfuhren zurückgefahren, um den Eigenbedarf besser decken zu können. Und dann machen die Bloomberg-Experten Horace Chan und Henik Fung noch darauf aufmerksam, dass Raffinerien in ganz Asien im September und Oktober zu turnusmäßigen Wartungsarbeiten zeitweise geschlossen werden. „Dies macht eine Dieselkrise besonders wahrscheinlich, basierend auf niedrigen Beständen an wichtigen Handelsknotenpunkten“, so Chan und Fung.

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Sogar US-Präsident Joe Biden hat sich gerade besorgt über die Entwicklung in Europa gezeigt. Auch er kämpft mit hohen Energiepreisen in seinem Land. Und eine massive Knappheit auf dem Alten Kontinent dürfte auch auf die USA bei den Heizöl- und Dieselpreisen durchschlagen. Und zwar sehr schnell. Denn dort beginnt die Erntesaison, und die Bäuerinnen und Bauern brauchen viel Sprit für ihre Traktoren und Maschinen.

Das alles geschieht vor dem Hintergrund, dass die EU Anfang Februar 2023 Dieselimporte aus Russland stoppen will. Dies gehört zu dem Sanktionspaket wegen des Angriffs auf die Ukraine. Genau deshalb werden vor allem im späten Winter, wenn es noch bitterkalt werden kann, die Importe von Diesel/Heizöl aus dem Rest der Welt so wichtig. Ein Teil dieser Entwicklung ist bereits an den hiesigen Tankstellen vorweggenommen worden. Der Liter Diesel kostete am 10. August im Bundesdurchschnitt nur 1,88 Euro. Am Mittwoch, 31. August, dem letzten Tag des Tankrabatts, waren es schon wieder 2,07 Euro. Nach dem Auslaufen der zeitweise gesenkten Energiesteuer kommen schon allein dadurch rechnerisch 17 Cent hinzu.

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