Krisengewinner wider Willen: Diese sieben Branchen haben besonders von Corona profitiert

  • Einige Unternehmen haben während der Corona-Pandemie gute Umsätze gemacht.
  • Das liegt an den neuen Gewohnheiten der Menschen.
  • Wer nicht so viel rausgehen kann, bestellt unter anderem mehr im Internet – ein Überblick.
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Hannover. Krisengewinner ist kein schönes Wort. Denn dass jemand aus der Krise Gewinn schlägt, klingt nach Bereicherung, wo keine seine sollte. Von der Corona-Krise allerdings haben neben windigen Geschäftemachern auch viele Unternehmen profitiert, die den Menschen das Leben leichter gemacht haben.

Aufwind hatten vor allem jene Branchen, die ein Leben ohne Kontakte ermöglichen. Wer nicht shoppen gehen kann, bestellt von der Couch aus. Wer nicht im Restaurant essen darf, lässt sich die Pizza nach Hause bringen. Und wer Oma und Opa nicht mehr treffen darf, hält zumindest über Videotelefonie Kontakt.

Dass viele Unternehmen mit ihren Dienstleistungen Rekordumsätze erzielt haben, gehört zur Wahrheit dazu. Ein Überblick.

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Onlineshopping

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Die Modebranche hat schwer unter Corona gelitten. Die Geschäfte in den Innenstädten waren oft monatelang geschossen, und es fehlten Anlässe zum Tragen neuer Kleidung. Nur knapp die Hälfte der Deutschen hat in den ersten vier Monaten 2021 Fashionartikel gekauft, berichtet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Zwischen Januar und April verringerten sich die Ausgaben für Mode im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel auf 8,2 Milliarden Euro.

Wenn Bekleidung gekauft wurde, dann vor allem im Netz. Onlineshops steigerten ihren Umsatz im ersten Quartal 2021 um 41 Prozent. Zu den größten Gewinnern gehörten Otto und Zalando mit Umsatzsteigerungen um ein Drittel (Otto) beziehungsweise ein Viertel (Zalando). Beide Handelshäuser profitierten auch davon, dass andere Händler und Marken für den Verkauf ihrer Waren auf die Plattformen der Großen zurückgriffen.

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Die GfK-Modeexpertin Petra Dillemuth erwartet, dass sich der Anteil des Onlineshoppings nach den Öffnungen der Innenstädte wieder verringern wird. Auf das Vorkrisenniveau allerdings wird er kaum zurückfallen.

Paketdienstleister

Da all die bestellten Waren zu den Empfängern gelangen mussten, haben auch die Paketdienstleister Rekorde vermeldet. So konnte der deutsche Platzhirsch, die Posttochter DHL, den Umsatz im Corona-Jahr 2020 um 5,5 Prozent auf 66,8 Milliarden Euro steigern. Konkurrent DPD sprach gar vom „bisher besten Ergebnis der Geschichte“ und vermeldete ein Umsatzplus von satten 42 Prozent auf rund 11 Milliarden Euro. Der US-Versender UPS, der in Deutschland einen Marktanteil von mehr als 10 Prozent hat, legte beim Umsatz um rund 14 Prozent auf 84,6 Milliarden US-Dollar zu.

Für DHL ist auch die Lieferung von Corona-Impfstoff zum lukrativen Geschäftszweig geworden: Weltweit 200 Millionen Dosen hat das Unternehmen bereits ausgeliefert. Der Schweizer Logistiker Kühne + Nagel transportierte bis Ende März rund 50 Millionen Impfstoffdosen, aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

Baumärkte

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Wer nicht verreisen kann, macht es sich zu Hause schön. Der Trend zum Cocooning, also zum Einigeln in Krisenzeiten, bescherte Möbelindustrie und Baumärkten zunächst einen Boom. Dem Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) zufolge legten Baumärkte 2020 um insgesamt 13,8 Prozent auf einen Gesamtumsatz von mehr als 22 Milliarden Euro brutto zu.

Den Absatzrekorden folgte die Ernüchterung: Im ersten Quartal 2021 schrumpften die Umsätze um mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Der Grund: Anders als im ersten Lockdown wurden Baumärkte im zweiten nicht mehr als systemrelevant eingestuft und mussten schließen. Coronakonforme Geschäftsmodelle wie Click and Collect oder Click and Meet konnten das nicht auffangen.

Lebensmittel

Supermärkte galten während der gesamten Pandemie als systemrelevant. Immer wieder beruhigten Politiker und Handelsvertreter, dass die Versorgung gesichert sei – auch wenn manche Artikel wie Toilettenpapier, Nudeln und Backhefe zeitweise knapp waren. Der Ansturm auf die Lebensmittelmärkte war lang anhaltend. Als Restaurants und Kantinen geschlossen hatten, kochten die Menschen eben zu Hause.

Deshalb konnte der Edeka-Verbund seinen Umsatz 2020 um 9,5 Prozent auf 61 Milliarden Euro steigern. Rivale Rewe legte mit einem Plus von 12 Prozent auf 26,5 Milliarden Euro noch stärker zu. Nach GfK-Angaben gelang es Rewe und Edeka, den Discountern Markt­anteile abzujagen. Sie profitierten davon, dass Verbraucherinnen und Verbraucher in der Pandemie gern alle Einkäufe in einem Geschäft erledigten.

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Und weil sich manche Menschen gar nicht in Supermarktschlangen stellen wollten, legten auch Lieferdienste und Lebensmittelversender zu. 6 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher gaben vor der Pandemie an, schon mal Lebensmittel im Netz bestellt zu haben. Ende 2020 waren es bereits 9 Prozent. Versender von Kochboxen erfuhren ebenfalls einen Boom. Das Berliner Unternehmen Hello Fresh konnte seinen Umsatz auf fast 3,75 Milliarden Euro verdoppeln.

Essenslieferdienste

Die orangefarbenen Rucksäcke der Lieferando-Kuriere sind spätestens seit Corona aus den Städten nicht mehr wegzudenken. Das Außer-Haus-Geschäft war den Restaurants auch während des Lockdowns meistens gestattet. Doch statt beim Lieblingsitaliener direkt anzurufen, nutzen immer mehr Menschen die Onlineplattform von Lieferando.

Der niederländische Mutterkonzern Just Eat Takeaway hatte 2018 das Deutschland-Geschäft des Konkurrenten Delivery Hero übernommen und Angebote wie Lieferheld, pizza.de und Foodora vom Markt genommen. Corona gab den Niederländern zusätzlichen Schwung: Der Umsatz stieg 2020 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte auf etwa 2,4 Milliarden Euro – trotz anhaltender Kritik an den Arbeitsbedingungen der Fahrer und Fahrerinnen.

Computer und Software

Der Zwang zum Homeoffice hat Videokonferenzen in den meisten Unternehmen zu einem Standard-Tool gemacht. Anbieter wie Microsoft Teams, Google Meets und Cisco wuchsen kräftig, der Videodienst Zoom wies allein im abgelaufenen Quartal ein Umsatzwachstum von 191 Prozent auf mehr als 950 Millionen Dollar aus.

Auch Clouddienste wurden in der Pandemie immer wichtiger, wovon zum Beispiel Amazon und SAP stark profitierten. Zudem musste die technische Ausstattung im Homeoffice stimmen, weshalb zeitweise Drucker, Headsets und Laptops knapp wurden. Hardwareausrüster wie Apple, Lenovo und Microsoft fuhren satte Gewinne ein, klagen allerdings inzwischen über einen Mangel an Chips.

Fahrräder

Statt auf das Fitnessstudio oder die S‑Bahn setzten in der Pandemie immer mehr Menschen auf das Rad. 2020 wurden in Deutschland so viele Räder verkauft wie noch nie, insgesamt fünf Millionen Stück. Laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) entspricht das einem Zuwachs von rund 17 Prozent. Besonders E‑Bikes trieben den Absatz: Zwei Millionen Elektroräder wurden verkauft – zehnmal so viele wie 2010.

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