• Startseite
  • Wirtschaft
  • Die Ökostromzeche zahlen Privatleute: EEG-Rabatte für Industrie auf Rekordniveau

Die Ökostromzeche zahlen Privatleute: EEG-Rabatte für Industrie auf Rekordniveau

  • Die deutsche Industrie beantragt immer mehr Befreiungen von der EEG-Umlage.
  • Mit der EEG-Umlage soll die Energiewende finanziert werden.
  • Unter dem Strich wird Strom so aber für Privatpersonen immer teurer.
|
Anzeige
Anzeige

Die Stromsubventionen für Industriebetriebe erreichen Rekordhöhen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Zum Stichtag 1. Juli haben laut Bundeswirtschaftsministerium rund 2100 Unternehmen beantragt, im nächsten Jahr von der Umlage zur Finanzierung der erneuerbaren Energien (EEG-Umlage) teilweise oder komplett befreit zu werden. Dabei geht es mit einem Volumen von knapp 120 Terawattstunden um ein Fünftel des hierzulande benötigten Stroms. Dies würde noch einmal eine leichte Steigerung im Vergleich zu diesem Jahr bedeuten.

Bestimmungen mit der recht sperrigen Bezeichnung „Besondere Ausgleichsregelung“ sollen Firmen mit hohem Energiebedarf entlasten und ihnen helfen, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Denn in anderen Ländern gibt es diese zusätzliche Umlage nicht. So gewährt der Staat Betrieben, bei denen die Energie einen hohen Anteil der Kosten ausmacht, bei der EEG-Umlage einen Nachlass oder befreit sie komplett davon – das hängt von der Höhe ihres jeweiligen Stromverbrauchs ab.

Lesen Sie auch: CDU-Fraktionsvize Carsten Linnemann: „Energiewende ist nicht zum Nulltarif zu haben“

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Für Privathaushalte sind solche Rabatte nicht möglich. Sie müssen die EEG-Umlage in voller Höhe zahlen. Derzeit sind es rund 6,4 Cent pro Kilowattstunde, das entspricht fast einem Viertel des Gesamtpreises und ist der zweitgrößte Einzelposten der Stromrechnung. Aus der EEG-Umlage werden den Erzeugern von Ökostrom die gesetzlich festgelegten Vergütungen für das Einspeisen der Energie ins Netz gezahlt – diese Entgelte liegen in der Regel über dem Börsenpreis für Strom.

Teuer für Privatleute

Der mit der Ausgleichsregelung verbundene Mechanismus bedeutet eine Umverteilung vor allem zuungunsten der Verbraucher. Sie müssen von der Industrie einen großen Teil der finanziellen Lasten übernehmen, die durch die Förderung der erneuerbaren Energien entstehen. „Privathaushalte, Gewerbetreibende und nicht bevorzugte Unternehmen bezahlen jedes Jahr allein rund 4,5 Milliarden an EEG-Umlage für die privilegierten Betriebe“, sagte Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik in der Grünen-Bundestagsfraktion, dem RND.

Neben der EEG-Umlagebefreiung kommen weitere Rabatte hinzu, sodass Unternehmen mit extrem hohem Energiebedarf selbst im internationalen Vergleich wenig für Strom zahlen. Aus diesem Grund hat sich unter anderem der norwegische Aluminiumhersteller Norsk Hydro vor einigen Jahren hierzulande angesiedelt. Gleichzeitig haben die wachsenden Ökostrommengen die Börsenpreise gedrückt. Nach Berechnungen des Verbands der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft hat sich der Strom für energieintensive Unternehmen zwischen 2011 und 2016 kontinuierlich verbilligt. Es folgte ein Anstieg, seit einem Jahr geht es aber wieder bergab. Die durchschnittlichen Preise liegen demnach aktuell wieder unter dem Niveau von 2011.

Anzeige

Umstrittene Ausnahmen

Die Ausnahmen von der EEG-Umlage sind seit Jahren heftig umstritten, auch weil die Zahl der Sektoren, die davon profitieren können, mehrfach ausgeweitet wurde. „Es ist nicht einzusehen, dass beispielsweise Großschlachtereien, Hersteller von Plastikverpackungen oder Erfrischungsgetränken auf Kosten der anderen Strompreisrabatte erhalten“, sagte Verlinden. Die Grünen-Politikerin fordert, „die Ausnahmeregelungen auf das Notwendigste zu beschränken“. Vergünstigungen sollten nur Branchen erhalten, „die tatsächlich im internationalen Wettbewerb stehen“. Zudem könnten die Industriesubventionen aus dem Steuerhaushalt beglichen werden. Dies würde mehr Kostengerechtigkeit und eine Entlastung der übrigen Stromverbraucher bedeuten.

Anzeige

Lesen Sie auch: Energie, Verkehr, Industrie: Das sind Deutschlands größte Klimasünder

Aktuell wird heftig über die künftige Finanzierung der EEG-Umlage diskutiert. Gerade erst hat sich CSU-Chef Markus Söder dafür ausgesprochen, die Belastungen der Stromkunden durch die EEG-Umlage zu reduzieren. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Konzepte entwickelt, die ähnlich wie Verlindens Vorschlag darauf hinauslaufen, die Förderung der Erneuerbaren aus den allgemeinen Steuereinnahmen zu decken – damit würde die Last auf mehr Schultern verteilt. Daneben wird auch die Einrichtung von Fonds immer wieder diskutiert – diese könnten auch mit Geld aus der Wirtschaft bestückt werden, um einen Teil der Umlagekosten zu übernehmen.

EEG-Umlage wird vorerst weiter steigen

Die Denkfabrik Agora Energiewende hat hochgerechnet, dass die EEG-Umlage im nächsten Jahr auf 6,5 bis 6,7 Cent pro Kilowattstunde steigen wird. Hauptursache: Hohe Vergütungen für Windräder im Meer kommen stärker zum Tragen. Die Experten rechnen damit, dass es 2021 eine weitere Erhöhung auf rund 7 Cent geben wird. Danach trete aber eine Entlastung ein, weil die extrem stark geförderten Wind- und Solarstromanlagen aus der ersten Generation langsam aus der Förderung herausfallen.