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Eine Ära endet

Die Ökoumlage ist Geschichte – doch der Strom wird trotzdem teurer

Stromzähler: Die Entlastung bei den Strompreisen durch den Entfall der EEG-Umlage kann die explodierten Heizkosten nur zum Teil auffangen.

Stromzähler: Die Entlastung bei den Strompreisen durch den Wegfall der EEG-Umlage kann die explodierten Heizkosten nur zum Teil auffangen.

Frankfurt am Main. Eine Ära endet. Nach 22 Jahren wird die Ökostromumlage abgeschafft, die mit der Stromrechnung einkassiert wurde. Wir erläutern, was dies für die Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet.

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Wie hoch war die Umlage?

Die Umlage machte für private Haushalte zuletzt 3,72 Cent pro Kilowattstunde netto aus. Hinzu kommt noch die Mehrwertsteuer, sodass 4,43 Cent zusammenkommen. Zum 1. Juli wird sie auf null gesetzt.

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Wie stark ist die Entlastung für die Haushalte?

Nach den Berechnungen des Energiedachverbandes BDEW macht sie damit knapp 12 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsstrompreises von rund 37 Cent pro Kilowattstunde aus. Die Streichung bringt für eine Familie, die 5000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, laut Verbraucherportal Check24 eine rechnerische Entlastung von etwa 220 Euro.

Was müssen Verbraucherinnen und Verbraucher jetzt tun?

Sie müssen gar nichts tun. Die Bundesregierung hat beschlossen, dass die Versorgungsunternehmen die Entlastung komplett und automatisch an die Kundinnen und Kunden weitergeben müssen. Allerdings werden in den überwiegenden Fällen die monatlichen Abschlagszahlungen nicht verändert. Die Versorger sind auch nicht verpflichtet, die Verbraucherinnen und Verbraucher über die Preissenkung zu informieren. Das wäre nur bei einer Erhöhung vorgeschrieben – in Verbindung mit einem Sonderkündigungsrecht.

Den Zählerstand jetzt ablesen

Wann werden die Entlastungen dann wirksam?

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In der Regel mit der jährlichen Abrechnung, die häufig zum Jahresende kommt. Dann wird die Streichung der Umlage verrechnet und die Abschlagszahlungen werden angepasst. Um die Übersicht zu behalten und eine genaue Trennung in der Jahresrechnung zu haben, empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW den Zählerstand jetzt abzulesen oder mit dem Smartphone abzufotografieren und dem Versorger mitzuteilen. Das kann auch helfen, eventuelle spätere Unstimmigkeiten zu klären.

Woher kommt unser Strom? Der Energiemix in Deutschland

Krieg in der Ukraine, Atomausstieg, Energiewende – die Nachfrage nach erneuerbaren Energien steigt rasant. Woher beziehen wir also unseren Strom?

Wie wird bei Kundinnen und Kunden verfahren, die den Zählerstand nicht ablesen und melden?

Erfolgt keine Meldung, schätzt der Versorger den Stromverbrauch – wie das vielfach ohnehin der Normalfall ist und was bei Nutzerinnen und Nutzern, die lediglich Haushaltsstrom beziehen, der sich gleichmäßig über das Jahr verteilt, unproblematisch ist.

Was müssen Haushalte beachten, die mit elektrischer Energie auch heizen?

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Kundinnen und Kunden, die mit Nachtspeicherheizungen oder Wärmepumpen heizen, rät die Verbraucherzentrale NRW, in jedem Fall eine Zwischenablesung vorzunehmen. Der Stromverbrauch schwankt hier über das Jahr verteilt sehr stark. Auch das Wetter spielt eine große Rolle. Da in diesem Jahr der Winter besonders mild verlief, ist es gut möglich, dass die Abschläge nun zu hoch sind. In solchen Fällen empfiehlt es sich, mit dem Versorger eine Senkung der Zahlungen zu vereinbaren.

Wie werden die Abrechnungen am Jahresende ausfallen?

Das wird spannend. BDEW-Chefin Kerstin Andreae macht darauf aufmerksam, dass wegen des Konjunkturbooms beim Abklingen der Pandemie und wegen des Ukraine-Krieges die Strompreise im Großhandel massiv gestiegen sind: Sie liegen aktuell viereinhalbmal so hoch wie Anfang 2021 und fast doppelt so hoch wie noch im Januar 2022. „Je länger das Preisniveau so hoch bleibt, desto weniger können Energieversorger die Kostenanstiege durch vorausschauende Beschaffung ausgleichen und desto stärker schlagen sie sich in den Verbraucherpreisen nieder“, so Andreae.

Massiver Anstieg der Strompreise zeichnet sich ab

Werden schon Zahlen genannt für die Mehrbelastungen?

Das wird je nach Versorger sehr unterschiedlich ausfallen. Denn Stadtwerke und Co. haben alle ihre eigenen Beschaffungsstrategien. Anhaltspunkte, was droht, geben neu abgeschlossene Verträge. Laut Check24 sind im Vergleich zu Oktober 2021 die Strompreise für einen Musterhaushalt (5000 Kilowattstunden) im Schnitt bereits um 471 Euro pro Jahr gestiegen. „Somit mildert die Abschaffung der EEG-Umlage den Anstieg der Strompreise um weniger als 50 Prozent“, so ein Sprecher des Vergleichsportals.

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Was tun gegen steigende Stromkosten?

„Um die Belastung der Haushalte nachhaltig zu dämpfen, braucht es weitere Maßnahmen“, betont Andreae. So solle die Bundesregierung die Senkung der Stromsteuer auf das europäisch zulässige Mindestmaß und die Senkung der Mehrwertsteuer auf Strom und Gas von 19 auf 7 Prozent prüfen. Und: „Auch das im Koalitionsvertrag angekündigte Klimageld sollte weiter vorangetrieben und durch eine Energiekostenkomponente ergänzt werden.“

Welche Möglichkeiten haben Verbraucherinnen und Verbraucher, die nicht auf die Politik warten wollen?

Stromkosten lassen sich deutlich drücken. Verbraucherschützer schätzen, dass in vielen Haushalten 20 Prozent und mehr möglich sind. Das fängt damit an, dreckiges Geschirr nicht mehr unter fließendem Wasser vorzuspülen – nach dem Entfernen von Essensresten gleich in die Spülmaschine. Mit dem Einsatz von Schnellkochtöpfen lässt sich der Stromverbrauchs fürs Kochen um bis zu 30 Prozent senken. Und beim Waschen verringert der Eco-Waschgang den Energiebedarf deutlich. Eine große Rolle spielt natürlich auch die Nutzung von sparsamen Haushaltsgeräten. Ausführliche Infos zum Stromsparen gibt es auf dem BDEW-Portal www.ganz-einfach-energiesparen.de

Künftig wird die Förderung von grünem Strom vom Klimafonds finanziert

Warum gab es überhaupt die Ökostromumlage?

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Sie wurde im Jahr 2000 mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eingeführt. Betreiber von Solaranlagen oder Windrädern erhalten seither für 20 Jahre fixe Vergütungen für das Einspeisen des Stroms in die Netze. Die Finanzierung dieser Zahlungen wurde bei den Stromkundinnen und -kunden über die Umlage eingesammelt.

Wie wird der Ökostrom künftig finanziert?

Die Förderung wird künftig über den staatlichen Energie- und Klimafonds (EKF) finanziert. Dieser wiederum wird gespeist mit den Einnahmen aus dem europäischen Handel mit Emissionszertifikaten und mit Erlösen aus der nationalen CO₂-Bepreisung für die Sektoren Wärme und Verkehr. Hinzu kommt Geld aus dem Bundeshaushalt. Die Regierung rechnet damit, dass der EKF durch die Abschaffung der EEG-Umlage künftig jährlich mit 6,6 Milliarden Euro belastet wird. Die Streichung der Abgabe ist zunächst bis zum Ende des Jahres befristet. Von 2023 an soll sie auf Dauer abgeschafft werden. Das hat die Regierung mit der Novelle des EEG im sogenannten Osterpaket beschlossen. Die Entscheidungen von Bundestag und Bundesrat stehen noch aus.

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