Die Lokführer und ihr vielleicht letztes Aufbäumen

  • Bei der Bahn wird im Sommer gestreikt. Oder auch nicht.
  • Denn man weiß es nicht genau, weil die Lokführergewerkschaft GDL fast täglich neue Ankündigungen macht.
  • Damit demonstriert sie Macht – was sie auch muss, meint RND-Autor Christoph Höland.
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Hannover. Weniger Corona-Fälle, mehr Impfungen – nach anderthalb Jahren Pandemie steht einem schönen Sommerurlaub fast nichts entgegen. Außer der Lokführergewerkschaft GDL, die mit Bahnstreiks im August allerlei Reisepläne vereiteln könnte.

Seit Wochen lässt die Gewerkschaft die Muskeln spielen, bald kommt es wohl zur Eskalation – auch weil GDL-Chef Claus Weselsky keine echte Alternative mehr hat. Er und seine Lokführer stehen unter Zugzwang: Die Deutsche Bahn wendet seit diesem Jahr das Tarifeinheitsgesetz an, fortan gilt in den einzelnen Bahnunternehmen jeweils der Tarifvertrag der dort zahlenmäßig stärkeren Gewerkschaft.

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Das ist meist die konkurrierende EVG, nicht die GDL – weshalb letzterer Bedeutungsverlust und Mitgliederschwund drohen. Die GDL muss deshalb beim Tarifabschluss punkten. Schwer ist das nicht. Die EVG hatte sich 2020 unter dem Eindruck der Pandemie zuletzt auf einen Tarifvertrag eingelassen, der nun nicht ansatzweise die steigende Inflation ausgleicht.

Ist es ein letztes Aufbäumen?

Mehr Geld ist für die Beschäftigten immer gut, in Wahrheit aber kämpft die GDL um ihre bloße Existenz. Noch ist die Gewerkschaft mächtig, und sie demonstriert ihre Macht scheibchenweise – etwa indem sie ständig ankündigt, bald Streiks anzukündigen.

Dass es neben einer Lohnerhöhung vor allem um das Tarifeinheitsgesetz geht, wird indes kein Gewerkschafter zugeben. Schließlich dürfen sich Arbeitskämpfe in Deutschland nicht gegen Gesetze richten. Aber in den vergangenen Monaten hat die GDL oft genug klargemacht, dass sie ohne die Regelung handzahmer wäre.

Geht das Kalkül des Tarifeinheitsgesetzes auf, dürfte der diesjährige Streik aber eine der letzten Machtdemonstrationen der GDL sein – weil sie in vielen Bereichen der Bahn bald keine Rolle mehr spielen wird. Es sei denn, sie gewinnt nun viele Neumitglieder. Für Urlauberinnen und Urlauber im August sind das keine guten Nachrichten.

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