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Deutsche IT-Branche wächst - und gerät international trotzdem ins Hintertreffen

  • Die heimische IT-Branche wächst wie keine andere und dennoch zu langsam.
  • International fällt Deutschland digital immer weiter zurück.
  • Der IT-Branchenverband Bitkom warnt deshalb, dass Deutschlands Softwareschmieden abgehängt werden könnten.
Thomas Magenheim
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Die gute Nachricht ist in diesem Fall zugleich die schlechte. Über Erwartung um 2 Prozent auf 170 Milliarden Euro sind die Umsätze der IT-Branche 2019 gestiegen, was bundesweit für 42.000 neue Jobs gesorgt hat, freute sich Bitkom-Präsident Achim Berg – und stellte beim Bilanzieren des vergangenen Jahres zugleich neues Wachstum in Aussicht. Um etwa 1,5 Prozent auf über 172 Milliarden Euro sollen die Branchenumsätze 2020 zulegen, was rund 39.000 neue Jobs bedeute.

Mit über 1,2 Millionen Stellen übertreffe die IT hierzulande jede andere Branche. Vergleichsweise ist das dennoch mager, weil Länder wie China, Indien und die USA, aber auch Dänemark oder Singapur digital doppelt bis vierfach so schnell wachsen.

Investiert Deutschland zu wenig in Digitalisierung?

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So würden in den USA Unternehmen und Staat zusammen pro Kopf der Bevölkerung derzeit jährlich rund 1900 Euro in Digitalisierung investieren, in Deutschland aber nur 909 Euro, rechnet Berg vor. Zudem stünden voraussichtlichen Wachstumsraten für 2020 von 1,5 Prozent Prozent hierzulande in den USA 3,2 Prozent oder 5,5 Prozent in Indien sowie 6,1 Prozent in China gegenüber. Die Schere öffnet sich weiter.

Damit sei klar, dass Deutschland digital gerade den Anschluss verliert, warnt Berg. Eine Trendwende sei nur noch durch radikales Umdenken zu erreichen. „Deutschland braucht mehr als ein Update, es braucht einen Neustart“, stellt der Bitkom-Chef klar und verweist auf die neue Digitalstrategie 2025 seines Verbands. Die rüttelt an föderalen Prinzipien, fordert neue Durchgriffsrechte des Bundes und zusätzliche Milliardeninvestitionen, die diesmal nicht nur geplant, sondern auch umgesetzt werden.

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Bei der digitalen Verwaltung geht es nicht voran

Denn frustrierend seien beispielsweise die Erfahrungen mit dem Digitalpakt für deutsche Schulen, wo Investitionen von 5 Milliarden Euro beschlossen, aber bislang nur im Umfang einiger Hundert Millionen Euro abgerufen wurden, kritisiert der Bitkom. Deutschland brauche weniger Bildungsföderalismus und der Bund die Befugnis, bundesweite Mindeststandards durchzusetzen. Für ein intelligentes Digitalland Deutschland müssten Genehmigungspflichten für Funkmasten und das Verlegen von Glasfaserkabeln abgeschafft werden. Der Staat sei gefordert, als Leitanwender für Digitaltechnik aufzutreten und analoge Verfahren mit einem Verfallsdatum zu versehen.

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Auch Berg ist klar, dass die Forderungen reichlich politischen Zündstoff beinhalten. Aber die Lage sei brenzlig. Selbst Länder wie Dänemark oder Estland würden der Bundesrepublik mittlerweile vormachen, was in Sachen digitaler Verwaltung möglich sei. Zugleich räumt Berg ein, dass das digitale Erwachen viele neue Milliarden Euro an staatlichen Investitionen erfordern würde.

Auf eine konkrete Zahl wollte er sich nicht festlegen. Die Digitalbranche sei aber mittlerweile zum Katalysator für Wachstum in allen Bereichen der Wirtschaft geworden. Hier zu sparen sei eine fatale Weichenstellung, zumal der Bund für 2019 gerade einen neuen Rekordüberschuss von 13,5 Milliarden Euro verkündet hat.

Informatiker werden händeringend gesucht

Vor allem digitale Bildung tut not. Denn die IT-Branche ist mit jährlich rund 40.000 neuen Arbeitsplätzen zwar ein Jobmotor. Zugleich sei die Zahl offener IT-Stellen in Deutschland quer durch alle Branchen um die Hälfte auf 124.000 offene Jobs gestiegen, bedauert Berg. 2020 rechnet er mit einem weiteren massiven Anstieg dieses Fachkräftemangels an einem neuralgischen Punkt der Wirtschaft. Mit Zuwanderung allein sei diese Lücke nicht zu schließen. Es brauche Informatik als Schulfach und eine Digitalisierung der Schulen, die endlich in die Gänge kommt.

So hat Berg seinen 40 Jahre alten Stundenplan aus Schulzeiten gerade mit dem aktuellen seines Neffen verglichen. „Sie sind identisch“, stellt der Bitkom-Chef fest.

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