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Die Bazooka der Christine Lagarde

Die Europäische Zentralbank (EZB) greift massiv ein, um die Wirtschaft in der Euro-Zone zu stabilisieren. Christine Lagarde, EZB-Präsidentin, teilte per Twitter mit, es gebe keine Limits im Bekenntnis zum Euro.

Was hat die EZB getan?

Frankfurt.Christine Lagarde, EZB-Präsidentin, teilte per Twitter mit, es gebe keine Limits im Bekenntnis zum Euro. Die Notenbank beschloss in der Nacht zu Donnerstag die Ausweitung ihres Anleihekaufprogramms um 750 Milliarden Euro.

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Es soll laufen, bis die Corona-Pandemie überstanden ist – mindestens aber bis Ende des Jahres. Wenige Stunden vorher hatte Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire eine schnelle und massive Intervention der EZB gefordert.

Was war zuvor geschehen?

Ein Trend hatte sich am Mittwoch massiv verstärkt: Investoren verkauften europäische Staatsanleihen in großem Stil. Sie trauen Politikern nicht zu, die Corona-Krise einzudämmen, sind deshalb von schweren ökonomischen Verwerfungen ausgegangen, wodurch die Staatshaushalte massiv belastet würden. Die Kurse der Staatsanleihen gaben deutlich nach, dadurch erhöhten sich deren Renditen – quasi ein Risikoaufschlag.

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Zugleich vergrößerten sich die Abstände (Spreads) der Renditen für die verschiedenen Euro-Länder. Vor allem italienische Papiere waren betroffen. Deren Rendite lag bei zehn Jahren Laufzeit am Mittwoch zeitweise nahe 3 Prozent, während für die als extrem sicher geltenden deutschen Staatsanleihen sogar noch Minuszinsen gezahlt werden mussten.

Warum ist solch eine Entwicklung so gefährlich?

Sie erinnert an die Euro-Krise des Jahres 2012. Seinerzeit standen griechische Staatsanleihen im Feuer. Dadurch kam die gesamte Währungsunion in Gefahr. Ein ähnliches Szenario zeichnete sich nun ab. Mit dem Fokus auf Italien. Hohe Renditen bei Staatsanleihen bedeuten, dass es für den Staat teurer wird, sich frisches Geld am Kapitalmarkt zu besorgen.

Das würde die ohnehin extrem hohe Staatsverschuldung Italiens noch zusätzlich steigern – sie wird ohnehin massiv ausgeweitet, um die Folgen der Corona-Epidemie zu bekämpfen. Im schlimmsten Fall könnte irgendwann der Zahlungsausfall drohen. Als mögliches Szenario wird bei einer Eskalation immer wieder ein Austritt Italiens aus der Währungsunion ins Spiel gebracht, was das Ende des Euro und vielleicht der Europäischen Union bedeuten würde.

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Hat die Aktion der EZB gewirkt?

Es gelang, die Akteure an den Finanzmärkten zumindest vorübergehend zu beruhigen. Die Wirkungen des neuen EZB-Programms wurden vorweggenommen: Durch den Kauf der Anleihen schrumpft das Angebot am Finanzmarkt, dadurch steigen die Kurse und die Renditen der Staatsanleihen sinken – italienische lagen gegen Mittag bei 1,7 Prozent, deutsche bei minus 0,25 Prozent.

Auch die Spreads verringerten sich. Der Deutsche Aktienindex startete indes mit Gewinnen in den Handel, diese verflüchtigten sich aber im Handelsverlauf, vor allem wegen negativer Vorgaben aus den USA.

Welche weiteren Maßnahmen gibt es von der EZB?

Vor allem werden nun erstmals auch Commercial Papers gekauft. Das sind festverzinsliche Wertpapiere mit kurzer Laufzeit, die vor allem von großen Unternehmen mit hoher Bonität offeriert werden. Damit kann einerseits die finanzielle Lage der Firmen verbessert werden, aber auch Finanzinstitute profitieren davon, da sie solche Papiere in ihren Portfolios haben.

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Die Notenbank bietet zudem bereits seit voriger Woche Geschäftsbanken günstige langfristige Kredite an, die einerseits zur Weitergabe an kleine und mittelständische Firmen gedacht sind und andererseits den Geldhäusern selbst helfen – der EZB geht es auch darum, Banken zu stabilisieren, die in den nächsten Monaten eine zentrale Rolle bei der Rettung von Unternehmen übernehmen müssen. Außerdem wurden deshalb auch die Restriktionen für die Vergabe von Darlehen gelockert.

Wird all dies reichen, um die Wirtschaft in der Euro-Zone zu stabilisieren?

Die Schritte der EZB werden nicht reichen. Sie sind aber hilfreich, um weitere Maßnahmen durch die EU und die nationalen Regierungen auf den Weg zu bringen – in Deutschland sind etwa kurzfristige Nothilfen für Selbstständige und Kleinstunternehmen dringend nötig.

Auch Lagarde hat immer betont, dass in erster Linie nicht die EZB, sondern die Regierungen handeln müssen. Es wird dabei vor allem darum gehen, große Rettungspakete auf EU-Ebene zu organisieren, mit denen die schwächeren Staaten – allen voran Italien – gestützt werden können. Die EU-Wirtschaftsminister und Industriekommissar Thierry Breton wollen am Freitag in einer Telefonkonferenz darüber beraten.

RND

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