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Umfrage: Die deutsche Wirtschaft in Russland ist so optimistisch wie lange nicht mehr

Distributionszentrum der Firma Yandex.Market in der Region Moskau: Während der Corona-Pandemie hat auch in Russland der Onlinehandel stark zugenommen.

Distributionszentrum der Firma Yandex.Market in der Region Moskau: Während der Corona-Pandemie hat auch in Russland der Onlinehandel stark zugenommen.

Berlin. Die große Mehrheit der in Russland engagierten deutschen Unternehmen ist mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. 95 Prozent beurteilen ihr Russlandgeschäft derzeit positiv, davon 12 Prozent mit sehr gut, 52 Prozent mit gut und 31 Prozent mit befriedigend. Mehr als die Hälfte der Unternehmen will mehr Mitarbeiter einstellen, lediglich 3 Prozent planen Entlassungen.

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4000 Firmen in Russland

Das geht aus der großen Sommerumfrage zum Geschäftsklima unter 175 der 1000 Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Russischen Handelskammer (AHK) in Moskau hervor. Demnach fallen die Ergebnisse so positiv aus wie seit Jahren nicht mehr, sagte AHK-Vorstandschef Matthias Schepp. Die Kammer rechnet mit einem „Post-Corona-Boom“, von dem auch die insgesamt fast 4000 in Russland registrierten deutschen Firmen profitieren werden.

Nach Angaben der Bundesbank betrugen die deutschen Nettodirektinvestitionen in Russland im ersten Quartal 2021 rund 1,1 Milliarden Euro. Laut AHK-Umfrage kündigte knapp die Hälfte der Unternehmen an, in den nächsten zwölf Monaten ihre Investitionen in Russland auszubauen, vor allem im Moskauer Gebiet und in Sankt Petersburg. Aber auch in Regionen wie Kaluga, Krasnodar, Swerdlowsk und Lipezk. „Nach schwierigen Jahren, die von Corona, Sanktionen und politischen Konflikten geprägt waren, sind die deutschen Unternehmen in Russland auf Wachstumskurs und holen offenkundig verschobene Investitionen in Milliardenhöhe nach“, sagte Schepp.

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Beflügelt wird dieser Kurs offenbar auch von der Hoffnung auf eine weitere Erholung der russischen Wirtschaft. 68 Prozent der befragten deutschen Unternehmen rechnen mit einer positiven oder zumindest leicht positiven Entwicklung der russischen Wirtschaft im zweiten Halbjahr. Dementsprechend rechnen 43 Prozent der Umfrageteilnehmer, die nach Russland exportieren, auch mit steigenden Ausfuhren. 48 Prozent gehen davon aus, dass der Export unverändert bleibt.

IT-Branche wächst

Das größte Wachstum erwarten die deutschen Firmen in den Branchen IT und Telekom, Landwirtschaft und Ernährungsindustrie sowie Gesundheitswirtschaft. Hier gehen jeweils über 40 Prozent der befragten Firmen davon aus, dass es weiter aufwärts geht. Großes Potenzial sieht die deutsche Wirtschaft auch bei erneuerbaren Energien, in der Bauwirtschaft sowie bei Transport und Logistik.

Jens Palmen, CEO des deutschen Dekorpapierherstellers Schattdecor in Russland, hebt das Engagement und die Investitionstätigkeit mittelständischer Unternehmen hervor. Schattdecor ist in Russland an zwei Standorten präsent: In Tschechow, rund 70 Kilometer von Moskau entfernt, arbeiten 240 Mitarbeiter in einem modernen Werk, in der 600.000-Einwohner-Stadt Tjumen sind es 80 Beschäftigte. Schattdecor verarbeitet pro Jahr zwei Milliarden Quadratmeter Papier weltweit und erzielt damit 750 Millionen Euro Umsatz. „Familiengeführte und mittelständische Unternehmen, die seit vielen Jahren in Russland tätig sind, leiden weniger als Großkonzerne unter Sanktionen und sind nicht von der Börse abhängig. Das ist ein wichtiger Erfolgsfaktor“, sagte Unternehmenschef Palmen.

Die Sanktionen der Europäischen Union gegenüber Russland sehen 90 Prozent der deutschen Unternehmen kritisch. 60 Prozent sprechen sich laut Umfrage für einen schrittweisen Abbau aus, 32 Prozent sagen, die Sanktionen müssten sofort aufgehoben werden. In diesem Zusammenhang sprechen deutsche Wirtschaftsfachleute in Moskau inzwischen von einem „Kollateralschaden“: Russland wende sich immer mehr China zu, obwohl die Sympathien eigentlich anderswo liegen würden.

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China drängt nach vorn

Dementsprechend geben 73 Prozent der deutschen Firmen an, die Konkurrenz aus China wird stärker; 56 Prozent sagen „hat zugenommen“, 17 Prozent sagen „hat stark zugenommen“. Gleichzeitig ist eine knappe Mehrheit der Firmen der Meinung, dass der russische Markt für sie langfristig an Bedeutung zunehmen wird (44 Prozent sagen „wird zunehmen“, 9 Prozent sagen „wird stark zunehmen“). AHK-Präsident Rainer Seele, Vorstandschef des österreichischen Mineralölkonzerns OMV, sagte dazu: „Sanktionen schaden der Wirtschaft und haben nicht geholfen, politische Ziele zu erreichen.“

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