Deutsche Post will sich bei der Zustellung von Briefen mehr Zeit lassen

  • Die Deutsche Post fordert längere Laufzeiten für Briefe.
  • Die Argumente der Konzernleitung: Kosten sparen und auf die Klimabilanz achten.
  • Das dürfte Kritikern bitter aufstoßen - ein Zusammenschluss aus Unternehmen bemängelt eine unzuverlässige Zustellung.
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Bonn. Bislang besagt das Postgesetz, dass mindestens 80 Prozent aller Briefe am nächsten Tag beim Empfänger landen müssen. Die Konzernleitung der Post will das ändern. Gegenüber der F.A.Z. bestätigte der Konzernvorstand den Wunsch nach generell längeren Laufzeiten für Briefe. Das könnte durch die bevorstehende Reform des Postgesetzes Realität werden.

Ein Grund für diese Überlegung sind die Begrenzung von Kosten. Aber nicht nur das. Derzeit lasse sich die schnelle Zustellung nur mit Flugzeugen einhalten. Angesichts aktueller Debatten zur Erderwärmung stelle sich die Frage nach dem Klimaschutz, argumentiert der Konzern laut dem Medienbericht. Konzernvorstand Tobias Meyer habe im Beirat die Auffassung vertreten, dass Zuverlässigkeit für Kunden wichtiger sei, als Geschwindigkeit.

Unternehmen kritisieren Zuverlässigkeit der Deutschen Post

Gerade die Zuverlässigkeit bemängeln derzeit Post-Kritiker aus der Geschäftswelt. Sie haben mit einer sogenannten Laufzeitmessung Unregelmäßigkeiten bei der Brief-Zustellung des Bonner Konzerns festgestellt. "Aus unserer Sicht besteht hinsichtlich der Qualität Handlungsbedarf", sagte der Vorstand des Deutschen Verbandes für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (DVPT), Klaus Gettwart, am Donnerstag im hessischen Langen.

Bei einer Zwischenbilanz über die Laufzeiten von Unternehmenspost wollten der DVPT allerdings noch keine Zahlen nennen. "Wir werden die endgültigen Ergebnisse im April kommenden Jahres bekanntgeben." Das Jahresendgeschäft müsse in eine Bilanz mit einfließe.

Langzeit-Studie: 72.000 Testsendungen mit der Post

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Die Studie führt ein Arbeitskreis des DVPT durch, der mehr als 60 Unternehmen vertritt, unter anderem Versicherungen und Banken. Die Untersuchung läuft seit dem 1. April und endet im März. Insgesamt sollen anhand von 72.000 Testsendungen Verzögerungen aufgezeigt werden. Bislang wurde rund die Hälfte verschickt.

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Der Hintergrund: Laut Gesetz müssen 80 Prozent der Briefe am nächsten und 95 Prozent am übernächsten Werktag ausgeliefert sein. Diese Vorgabe gilt aber nur für Universalpost, also vor allem Privatpost. Unternehmenspost sei maschinenlesbar, müsste also eigentlich schneller sein, als meist handschriftliche Privatpost, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises, Frank Thomas Eckart. "Es sind aber Abweichungen festgestellt worden, die für uns so nicht erklärbar sind."

Mehr als 8000 Beschwerden im Halbjahr

Nach Angaben der Post werden täglich 57 Millionen Briefsendungen verschickt. Das Unternehmen hatte zum Start der Studie infrage gestellt, dass die Untersuchung neuere Erkenntnisse bringt, als bereits viele Jahre bewährte Verfahren. Nach Angaben der zuständigen Bundesnetzagentur gingen im ersten Halbjahr dieses Jahres 8714 Beschwerden wegen der Post ein. Dies sei mehr als die Hälfte des gesamten Jahres 2018.

RND/ dpa/ sbu