Deutsche horten immer mehr Bargeld zu Hause

  • Die Debatte über Strafzinsen für Sparer hat offenbar für Verunsicherung gesorgt.
  • Viele Deutsche horten mehr Bargeld zu Hause – und zwar insgesamt fast doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren.
  • Aus Sicht des FDB-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler ist das eine Folge der Politik der EZB.
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Bargeld ist in Zeiten von flexiblem Onlinebanking und einfacher Kartenzahlung in vielen Portemonnaies eher Mangelware. Und trotzdem füllen Menschen hierzulande aber anscheinend wieder ihre Sparschweine mit Münzen und Scheinen: Deutsche haben aktuell insgesamt rund 235 Milliarden Euro Bargeld in Banknoten zu Hause angesammelt. Das bestätigte ein Sprecher der Bundesbank dem „Handelsblatt“. Somit horten Deutsche mehr als doppelt so viel Geld in den eigenen vier Wänden wie noch vor zehn Jahren. Damals lag die Summe noch bei 102 Milliarden Euro. Im Schnitt hat also jeder Deutsche aktuell rund 2800 Euro Bargeld zu Hause.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler sagte gegenüber der „Bild“, dass Bürger und Unternehmen aus Angst vor Negativzinsen und einer „Enteignung“ dadurch immer mehr Bargeld horten. „Ohne eine wirkliche Zinswende ist dies erst der Anfang“, sagte Schäffler angesichts des fortgesetzten Niedrigzinskurses der EZB weiter.

Die erstarkende Liebe zu Scheinen und Münzen schlägt sich auch im Bargeldumlauf nieder: Die Bundesbank habe derzeit 726 Milliarden Euro an Banknoten im Umlauf. 2009 seien es noch 348 Milliarden Euro gewesen. Europaweit sei der Bargeldumlauf von 806 Milliarden Ende 2009 auf 1,253 Milliarden Euro Ende September 2019 gestiegen.

Auch die Kosten für die Einlagen der Banken bei der EZB steigen an: Nach „Bild“-Informationen haben in Deutschland ansässige Banken Zinszahlungen 2018 in Höhe von insgesamt 2,4 Milliarden Euro auf Einlagen geleistet, die sie über die Bundesbank bei der EZB halten.

Negativzinsen für Sparer: Vorerst nur wohlhabende Bankkunden betroffen

Seit der Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wird vermehrt über Strafzinsen für Sparer diskutiert. Einige Banken – so auch die Commerzbank – geben bereits Negativzinsen an die Kunden weiter. Betroffen sind allerdings vorerst nur sehr wohlhabende Kunden, andere Bankkunden sollen nach derzeitigem Stand verschont bleiben.

RND/bk



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