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Außenhandel eingebrochen: Der Anfang vom Ende des Exportweltmeisters Deutschland?

Als Exportnation ist Deutschland besonders stark davon betroffen, wenn der internationale Handel wegen der Corona-Krise einbricht.

So einen Einbruch des Außenhandels haben die deutschen Statistiker noch nie verzeichnet: Im März 2020 gingen die Exporte im Vergleich zum Februar um 11,8 Prozent zurück, verglichen mit dem Vorjahresmonat waren es 7,9 Prozent, berichtet das statistische Bundesamt. Nun wird sichtbar, wie hart die globale Corona-Krise deutsche Wirtschaft trifft.

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Denn die lebt wie keine andere davon, dass ihre Erzeugnisse weltweit begehrt sind: Autos, Maschinen und chemische Produkte made in Germany gelten als hochwertig, werden weltweit gekauft. Die Folge: 1327,6 Milliarden Euro haben die Exporte laut dem statistischen Bundesamt 2019 in deutsche Kassen gespült. Es war der weltweite Spitzenwert. Insgesamt hängen laut dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln 11,2 Millionen Arbeitsplätze von der Warenausfuhr ab.

Weltweite Nachfrage eingebrochen

Doch die stockt nun, weil einerseits schlicht die Logistik erschwert ist: Viele Grenzen sind geschlossen, Lieferketten funktionieren nicht. Aus Sicht von Stefan Kooths dürfte das Problem in den kommenden Monaten gelöst werden. “Zum Teil stapeln sich die Container gerade am falschen Ende der Welt, das muss sich erstmal wieder einrenken”, sagte der Prognose-Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Größere Sorgen bereiten ihm die geschlossenen Fabriken und Geschäfte weltweit. “Einerseits ist die Produktion eingeschränkt, andererseits ist die ausländische Nachfrage eingebrochen", so Kooths. Dem pflichtet IW-Volkswirtin Galina Kolev bei: “Mehr als die Hälfte der deutschen Warenexporte sind Vorleistungen, die in die Produktion anderer Länder hineinfließen und weiter verarbeitet werden”, sagte sie dem RND. Dementsprechend treffen weltweite Fabrikschließungen die Exportwirtschaft hart. Ähnliches gilt laut Kooths für die für Deutschlands Exporteure wichtigen Investitionsgüter, deren Nachfrage noch eine Weile leiden dürfte.

Das schlechteste Quartal seit Bestehen der Bundesrepublik

Die Gretchenfrage ist deshalb, wie lange und wie heftig die globalen Einschränkungen wegen des Coronavirus ausfallen. Zumindest im April, für den noch keine Daten vorliegen, rechnet Galinev mit einem weiteren kräftigen Rückgang. Und selbst wenn es zu Lockerungen von Lockdowns im Ausland komme, werde es eine Weile dauern, bis sich die deutschen Exporte erholen, erklärte Galinev. Auch Kooths erwartet für den April einen weiteren Rückgang bei den Exporten. Insgesamt werde das zweite Quartal wohl das schlechteste seit Bestehen der Bundesrepublik.

“Kurzfristig wird das durch die verschiedenen wirtschaftspolitischen Corona-Maßnahmen aufgefangen”, meint Galinev allerdings. Und auch Kooths ist verhalten optimistisch: “Deutsche Unternehmen haben es in der Vergangenheit immer wieder verstanden, Schwächen einzelner Märkte auszugleichen." In einem Jahr könnte sich die deutsche Exportwirtschaft ihm zufolge wieder den Zahlen aus der Vorkrisenzeit angenähert haben.

Langfristig steht der Freihandel zur Disposition

Langfristig dürfte die Situation komplizierter werden: Längst werden Stimmen laut, die Globalisierung ein Stück weit zurückzudrehen und etwa die Fertigung von Medikamenten, Medizintechnik oder Schutzausrüstung zurück auf den Boden des eigenen Nationalstaats zu holen. Würden das mehrere große Wirtschaftsnationen so machen, träfe das auch Deutschland - das als Exportnation ebenfalls von der globalen Arbeitsteilung profitiert. “Den Reichtum in diesem Land verdanken wir der starken weltweiten Vernetzung der Wirtschaft. Es wäre falsch, das infrage zu stellen", warnt Kooths.

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Galinev glaubt allerdings nicht an ein solches Szenario. Denn aus ihrer Sicht sind die Vorteile des freien Handels groß. “Die Integration in die globalen Wertschöpfungsketten, der Einkauf von günstigen Vorprodukten auf dem Weltmarkt und die Bedienung der Nachfrage auf ausländischen Märkten haben erhebliche Vorteile”, mahnt die Volkswirtin. Was sie damit meint ist, dass entlang der klassischen ökonomischen Theorien Preise für Endkunden weltweit schlicht niedriger sind, wenn Waren dort hergestellt werden, wo es günstig ist.

Die Krise könnte Europa härter treffen

“Die Lage wird sich, wenn auch langsam, beruhigen und dann können wir alle als Verbraucher und Arbeitnehmer, sowie die Unternehmen von den Vorteilen der Globalisierung profitieren”, ist Galinev überzeugt. Erste Zahlen aus China bestätigen das: Die Exporte der Volksrepublik legten nach den jüngsten Lockerungsmaßnahmen wieder deutlich zu.

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Zumindest in diesem Jahr könnte China deshalb Deutschland den Titel als Exportweltmeister ablaufen. Das liegt vor allem daran, dass die Krise Europa besonders hart trifft: Gut die Hälfte der deutschen Exporte geht in Staaten der EU. Und die Wirtschaft etwa in Italien ist derart eingebrochen, dass unklar ist, ob das ohnehin schon stark verschuldete Land sie aus eigener Kraft wieder anschieben kann.

“Wir sind in der EU wirtschaftlich so eng verflochten, dass wir unsere nationale Wirtschaft gar nicht wieder in Schwung bringen können, solange dies in den anderen EU-Staaten nicht auch der Fall ist”, mahnte jüngst die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer im Handelsblatt. Um die Lage -und damit auch die Nachfrage nach deutschen Waren- zu stabilisieren, müsse Geld von den reicheren Ländern Europas zu den ärmeren fließen, so Schnitzer.


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