Die „Deutsche“ und die ewige Richtungsfrage

  • Die Deutsche Bank galt über viele Jahrzehnte als das globale finanzielle Aushängeschild der Deutschland AG.
  • Inzwischen ist von diesem weltweit leuchtenden Stern nur noch ein Schatten seiner selbst übrig geblieben.
  • Die vergangenen fünf Verlustjahre sind nur das Tüpfelchen auf dem berühmten i, kommentiert RND-Autor Christoph Scherbaum.
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Die Deutsche Bank galt über viele Jahrzehnte als das globale finanzielle Aushängeschild der Deutschland AG. Inzwischen ist von diesem weltweit leuchtenden Stern nur noch ein Schatten seiner selbst übrig geblieben. Die vergangenen fünf Verlustjahre sind dabei nur das Tüpfelchen auf dem berühmten i, denn die DNA der einst stolzen Bank hat zuvor schon arg gelitten.

Josef „Joe“ Ackermann war der letzte große Deutschbanker. Er mag sicherlich nicht ohne Fehler gewesen sein, aber er konnte zumindest auf Augenhöhe auch mit der deutschen Spitzenpolitik agieren – und nicht nur mit Dax-Vorständen. Die Finanzkrise 2008 kann man hier als gutes Beispiel heranziehen, als Bundeskanzlerin Merkel mit dem damaligen Deutsche-Bank-Chef über Nacht per Handy einen Deal fand, die taumelnde Hypo Real Estate zu retten.

Die Deutsche Bank als Branchenprimus zu bezeichnen – das war damals so, heute nicht mehr. Der Abstieg hat vor allem damit zu tun, dass sich die „Deutsche“ nie richtig entscheiden konnte, was sie sein will:

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Globale Investmentbank mit Leader-Anspruch oder „nur“ Financier der deutschen (mittelständischen) Wirtschaft? Und dazu noch ein bisschen Hausbank für (vermögende) Privatkunden? Im eigenen internen Anspruchsportfolio der Vorstände in den Banktürmen in Frankfurt musste alles enthalten sein.

Unsicherheit über die Zukunft

Diese Planlosigkeit hat zu unzähligen Umstrukturierungen geführt. Allein langjährige Privatkunden werden sich gut erinnern, wie oft in den vergangenen zwei Jahrzehnten das Layout der Bankkarte wechselte.

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Nun mündet dies alles in einem gigantischen Personalabbau, der längst nicht nur dem technologischen Wandel in der Finanzbranche geschuldet ist, sondern eben auch der internen Unsicherheit über die Zukunft. Investmentbanking ja – aber nicht zu viel. Privatkunden ja schon – aber hauptsächlich unter dem Label Postbank. Mittelstand? Würde man wohl sehr gerne, aber da ist schon die Commerzbank.

Genau dieser Konkurrent mit dem gelben Logo hat wiederum still und leise vieles in den vergangenen Jahren richtig gemacht. Zwar mit einer Staatsbeteiligung, aber auch trotz einer Übernahme der Dresdner Bank im Zuge der Finanzkrise hat sich das Sorgenkind ordentlich entwickelt. Mit der geplanten Übernahme ihrer Direkttochter Comdirect schickt sich die Commerzbank nun an, der wahre Branchenprimus in Deutschland zu werden.

Doch wer weiß, vielleicht führt der radikale Umbruch in Frankfurt auch dazu, dass die Deutsche Bank wie ein Phoenix aus der Asche sich emporschwingt. Eine globale Handelsnation wie Deutschland hätte auf jeden Fall eine große heimische Bank mit Weltruf verdient.

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