Bahn rechnet für 2021 mit bis zu 2 Milliarden Euro Verlust

  • Die Corona-Pandemie macht der Deutschen Bahn weiterhin zu schaffen.
  • Im ersten Halbjahr verzeichnete der Konzern einen Verlust von 1, 4 Milliarden Euro.
  • Bahnchef Richard Lutz ist dennoch zuversichtlich, dass die Corona-Pandemie die Renaissance der Eisenbahn nur temporär verzögere.
Lena Köpsell
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Berlin. Die Deutsche Bahn hat derzeit mit gleich zwei Krisen zu kämpfen. Die eine ist der Klimawandel, dessen Auswirkungen zuletzt bei dem Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen auch vor dem Schienennetz nicht Halt machten.

Die andere Krise ist nach wie vor die Corona-Pandemie. Wegen ausbleibender Fahrgästen schreibt der Staatskonzern weiterhin Minuszahlen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verzeichnete die Bahn unterm Strich einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro.

Dabei sind die Folgen der Flut in der Bilanz noch gar nicht enthalten. „Die jüngste Flutkatastrophe hat noch einmal überdeutlich gezeigt: Unwetter dieses Ausmaßes treffen die Bahn ins Mark. Wir haben Hunderte Kilometer Strecke verloren. Viele Brücken, Stellwerke und Bahnhöfe sind beschädigt, wir wurden ganzer Züge beraubt. Und mussten vielerorts den Betrieb einstellen“, sagte Bahn-Chef Richard Lutz am Donnerstag bei der Präsentation der Geschäftszahlen des ersten Halbjahres. Alle Strecken und Stationen wieder ans Netz zu bekommen werde teilweise bis ins nächste Jahr dauern, so der Vorstandschef. Auf 1,3 Milliarden Euro schätzen seine Leute den Schaden.

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Die Bahn will sich in Zukunft noch besser auf Extremwetterereignisse vorbereiten

Der Konzern müsse sich in Zukunft noch besser auf Stürme, Starkregen, Hitzewellen und Hochwasser einstellen, sagte Lutz. Man sei aktuell dabei, auf der Grundlage einer Studie des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) eine Strategie zu erstellen, um Auswirkungen extremen Wetters auf den Bahnbetrieb bestmöglich einzudämmen.

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Deutsche Bahn verzeichnet Milliarden-Verlust
1:45 min
Die Deutsche Bahn kommt in der Corona-Krise nicht aus den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr 2021 liegt ein Minus von über 1,4 Milliarden Euro vor.  © Reuters

Die Auswirkungen des Klimawandels gefährden die Deutsche Bahn. Gleichzeitig wird sie aber auch als Heilsbringer für mehr Klimaschutz gesehen und profitiert vom wachsenden Umweltbewusstsein der Fahrgäste. Bahn-Chef Lutz glaubt fest an den Trend zu klimafreundlicher Mobilität, das hätten die ersten zwei Monate des Jahres 2020 gezeigt, als die Bahn noch zweistellige Wachstumsraten verzeichnete und das Coronavirus noch weit weg schien. Lutz gibt sich zuversichtlich: „Es war und ist unsere Überzeugung, dass die Pandemie die Renaissance der Eisenbahn nur temporär verzögert, das Beste steht der Schiene noch bevor.“

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Dafür will und muss sich die Bahn jetzt rüsten. 2000 Kilometer Gleis soll dieses Jahr saniert werden, vor allem die Strecken zwischen Göttingen und Kassel sowie Hamburg und Berlin. Und es sollen mehr Züge auf den Gleisen rollen. Seit ein paar Wochen ist der neue XXL-ICE mit mehr als 900 Sitzen im Einsatz, verkündet Lutz nicht ohne Stolz. Diese ganzen Investitionen kosten viel Geld: 12,7 Milliarden Euro sollen 2021 allein in die Infrastruktur fließen.

Die Auslastung der Fernverkehrszüge liegt momentan bei rund 40 Prozent

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Die Fahrgastzahlen steigen seit einigen Monaten wieder langsam an, vom Vorkrisenniveau aber ist die Bahn noch weit entfernt. 71,8 Millionen Menschen waren von Anfang Januar bis Ende Juni 2019 in den Intercity- und Intercity-Express-Zügen unterwegs, im ersten Halbjahr 2021 waren es nur 27,2 Millionen. Die Auslastung der Fernverkehrszüge liege momentan bei rund 40 Prozent, so Lutz. Und auch für das zweite Halbjahr sind die Aussichten nicht rosig. Insgesamt rechnet der Konzern mit einem operativen Verlust von 2 Milliarden Euro.

Und auch das wird die Bahn nur erreichen, wenn die Corona-Zahlen nicht weiter steigen und die Fahrgäste auch wirklich wieder die Züge nutzen. Denn auch das Reiseverhalten der Deutschen hat sich durch die Pandemie stark verändert. Viele Dienstreisen wurden durch Telefonkonferenzen ersetzt und auch Privatreisende stiegen zunehmend aufs Auto um.

Bahnchef Lutz glaubt dennoch nicht, dass diese Entwicklungen das Wachstum der Bahn beeinträchtigen werden. Der Wunsch nach persönlichem Kontakt sei nach wie vor da und werde auch bleiben. „Wir sind zuversichtlich, dass bei allen Veränderungen in der Verkehrsmittelwahl und dem Thema Digitalisierung dieser Trend zu klimafreundlicher Mobilität eine Wachstumsgeschichte bleibt, und wir bereiten uns darauf auch entsprechend vor“, sagte er.

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