Details zum Rettungspaket: Darüber verhandeln Bund und Lufthansa

  • Seit Wochen verhandeln Bund und Lufthansa das Rettungspaket der Fluggesellschaft.
  • Beide sind sich noch immer uneins, wie die Rettung der Fluggesellschaft gelingen kann.
  • Der Staat könnte jedoch günstig Unternehmensanteile erwerben, mit Folgen für das Unternehmen.
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Frankfurt/Main. Die Lufthansa hat einen Zwischenstand zu den laufenden Rettungsverhandlungen mit der Bundesregierung veröffentlicht. Laut einer Pflichtmitteilung an die Börse vom Donnerstag umfasst das Gesamtpaket ein Volumen von 9 Milliarden Euro. Neben einer stillen Beteiligung des bundeseigenen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) geht es um einen Kredit in ungenannter Höhe und eine direkte Beteiligung des Bundes am Grundkapital des Dax-Konzerns. Auch will der Staat im Aufsichtsrat vertreten sein.

Beim Einstieg des Staats keine Dividenden mehr

Zum Punkt der Kapitalbeteiligung des Bundes bis zu einer Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Stimme werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, berichtet das Unternehmen. In einer Variante könnte der WSF bereits zum Nennwert der Aktie von 2,56 Euro zum Zuge kommen - bei einem aktuellen Aktienkurs von um die 8 Euro.

Dem Einstieg des Bundes könnte ein Kapitalschnitt vorangehen, bei dem Aktien der bisherigen Eigentümer zum Teil eingezogen würden, um dann in einem zweiten Schritt das Grundkapital wieder auf das vorherige Niveau zu erhöhen. Den Aktionären war bereits die Dividende für 2019 gestrichen worden. Bei einem Einstieg des Staates wären zudem künftige Dividenden untersagt.

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Verhandlungen dauern bereits Wochen

In Berlin teilten die beteiligten Ministerien Wirtschaft und Finanzen lediglich mit, dass die Verhandlungen andauerten. Dies wurde auch von der Lufthansa bestätigt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte in einem Interview mit der "Bild-Zeitung" das Unternehmen zum "Tafelsilber unserer Wirtschaft" erklärt, dessen Ausverkauf man verhindern werde.

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Die Verhandlungen ziehen sich bereits seit Wochen hin. Vertreter der Unionsfraktion hatten sich zuletzt für eine zurückhaltendere Staatsbeteiligung eingesetzt. Das Lufthansa-Management hat wiederholt vor einem zu starken Staatseinfluss auf unternehmerische Entscheidungen und einer zu hohen Verschuldung gewarnt, zuletzt bei der Hauptversammlung am Dienstag. Dort war Lufthansa-Chef Carsten Spohr aber auch von seinem alternativen Szenario eines Schutzschirmverfahrens etwas abgewichen. Dies wolle auch in Berlin niemand, hatte er den Aktionären versichert. Eine derartige Insolvenz in Eigenverwaltung hätte voraussichtlich härtere Schnitte für Gläubiger und Personal der Lufthansa bedeutet.

Corona trifft Luftfahrt schwer

Der Lufthansa-Konzern ist wie die gesamte Branche vom Corona-Schock hart getroffen. Das Virus hat den globalen Flugverkehr mit Ausnahme der Fracht nahezu zum Erliegen gebracht. Lufthansa hat ihren Passagierbetrieb auf ein Minimum reduziert und fliegt nur noch knapp 1 Prozent der Passagiere aus dem Vorjahr. Die tägliche Zahl der Gäste sank von durchschnittlich 350 000 auf noch rund 3000.

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Trotz massiver Kurzarbeit laufen viele Fixkosten weiter, so dass das Unternehmen im Monat rund 800 Millionen Euro Barerserven verliert. Belastend sind neben den Zinsen unter anderem die Kerosin-Verträge, die noch von einem viel höheren Ölpreis ausgegangen waren als dem aktuellen. Die bislang geleisteten Zuzahlungen zum Kurzarbeitergeld von mehr als 80 000 Beschäftigten kann Lufthansa laut Spohr nur noch eine begrenzte Zeit durchhalten.

Lufthansa kann sich aus eigener Kraft nicht mehr retten

Der multinationale Konzern verhandelt auch mit anderen Staaten um Hilfen in der Corona-Krise. Die Schweiz hat bereits eine zum größten Teil vom Staat besicherte Kreditlinie über 1,4 Milliarden Euro freigegeben. Österreich wie Belgien pochen für ihre Hilfen auf Standortgarantien. Ihren Kunden will Lufthansa Vertrauen und Kleinkredite abverlangen, wenn sie statt der rechtlich gebotenen Ticket-Erstattungen nur Gutscheine ausgibt. Gegen dieses auch von der Bundesregierung unterstützte Vorhaben mit einem Volumen von 1,8 Milliarden Euro sperrt sich bislang die EU-Kommission.

Im April hatte der Dax-Konzern in einer Pflichtmitteilung an die Börse für 2020 einen ersten operativen Quartalsverlust von 1,2 Milliarden Euro berichtet und für die laufenden Monate noch höhere Summen angekündigt. Aus eigener Kraft könne man sich nicht mehr retten, hieß es damals bei Vorstellung der Quartalseckwerte. Seine Mannschaft hat Spohr nach Milliardengewinnen in der Vergangenheit bereits auf harte Zeiten eingestimmt. Nach der Krise werde Lufthansa voraussichtlich eine um 100 Flugzeuge kleinere Flotte haben. Daraus ergebe sich ein rechnerischer Überhang von 10 000 Mitarbeitern. Unter anderem soll der Betrieb der Teil-Gesellschaft "Germanwings" eingestellt werden.

RND/dpa

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