Der Staat sollte die Lufthansa übernehmen

  • Die Lufthansa hat jahrelang staatliche Beteiligungen bei anderen Airlines kritisiert – zu Recht.
  • Jetzt aber will ihr Vorstandsboss Carsten Spohr selbst so schnell wie möglich den Einstieg des Staates.
  • Auch das ist richtig, findet Frank-Thomas Wenzel. Denn das Coronavirus hat die Verhältnisse rasant verändert.
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Es ist seit vielen Jahren ein Mantra der Lufthansa-Bosse – die Klage über staatliche Beteiligungen und staatliche Subventionen bei anderen Airlines. Zu Recht. Denn die finanzielle Abstützung durch Regierungen hat einen fairen Wettbewerb in der Branche massiv verzerrt, hat Überkapazitäten und in deren Folge aberwitzige Preiskämpfe provoziert, was ungesund für eine nachhaltige Entwicklung der Branche war. Jetzt will Lufthansa-Chef Carsten Spohr selbst so schnell wie möglich einen Einstieg des Staates bei seinem Unternehmen einfädeln. Und auch das ist richtig. Denn mit dem Coronavirus haben sich die Verhältnisse in atemberaubender Geschwindigkeit verändert.

Die Kranich-Airline im Krisenmodus: Niemand weiß, wann der Betrieb wieder normal läuft

Keine andere Branche hat die Infektion so heftig erwischt. Die Lufthansa hat 95 Prozent ihres Flugprogramms gestrichen, niemand weiß, wann ein halbwegs normaler Betrieb wieder anlaufen wird. Dabei war der Konzern vor der Corona-Pandemie kerngesund. Klar ist, dass die Lufthansa in den nächsten Monaten enorme Summen Kapital brauchen wird, um wieder abheben zu können. Ein Einstieg des Staates kann in dieser Situation die effizienteste Rettungsmaßnahme sein, da damit dem Konzern vor allem der Zugang zum Finanzmarkt gewährleistet wird.

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Nach der Pandemie muss der Staat zügig wieder aussteigen

Und wie ist das mit dem Wettbewerb? Das bleibt heikel. Spohr prescht jetzt vor, weil er antizipiert, dass viele Regierungen demnächst mit massiven Hilfsaktionen an den Start gehen werden. Theoretisch wäre die bessere Variante, wenn die EU-Kommission die Rettung der europäischen Luftfahrt organisieren würde. Doch das ist Wunschdenken, weil es schon vor der Krise zu viele nationale Alleingänge gab – etwa die Dauersubventionierung der Alitalia. Es bleibt nur eins zu hoffen: Dass der Staat nach der Pandemie auch wieder zügig aussteigt. Eine teilstaatliche Lufthansa darf nicht zu einem Dauerzustand werden.

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