Mit Gebühr als Anfang: Der Retourenwahnsinn muss aufhören!

  • Die Deutschen lieben Onlineshopping, doch jedes sechste Paket wird wieder zurückgeschickt – oftmals kostenlos.
  • Um die Flut an Retouren einzudämmen, sprechen sich Wissenschaftler für eine gesetzliche Mindestgebühr für Rücksendungen aus.
  • Das ist kein Allheilmittel, aber es würde ein wichtiges Signal senden, findet Fabian Hartmann.
Fabian Hartmann
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Schon wieder eine Belastung für die Verbraucher! So könnte man die Forderung nach einer gesetzlich vorgeschriebenen Gebühr für Rücksendungen verstehen, die Wissenschaftler der Universität Bamberg jetzt vorgeschlagen haben.

Von mehreren Euro ist die Rede – pro Retour. Damit soll die Flut an Paketen eingedämmt werden, die wieder an den Handel zurückgehen. In Deutschland ist das immerhin jede sechste Sendung.

Der Handel kommt den Kunden weit entgegen – viel weiter, als er muss

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Der Onlinehandel boomt, Millionen Deutsche shoppen im Netz – und Amazon, Zalando und Co. machen es ihren Kunden auch denkbar einfach: Der Wettbewerbsdruck ist so hoch, dass der Handel oftmals kostenlose Rücksendungen anbietet oder Rückgabefristen großzügig ausweitet – auf bis zu 100 Tage. Wohlgemerkt: Es zwingt ihn niemand dazu, eine gesetzliche Regelung gibt es nicht.

Es sind die Großen, die den Takt der Branche vorgeben. Viele kleine Händler ziehen nach. Nicht, weil sie es wollen. Sondern müssen. Die Angst vor Wettbewerbsnachteilen treibt sie um. Die Folgen der Umsonstpolitik sind hinlänglich bekannt: 490 Millionen Artikel wurden im letzten Jahr zurückgeschickt. Im Einzelfall mag es dafür – Missbrauch mal ausgenommen – gute Gründe geben. In der Summe aber ist es eine ökonomische und ökologische Katastrophe.

Verstopfte Innenstädte, Neuware, die schlimmstenfalls vernichtet werden muss, Berge an Müll und der Einsatz von Arbeitskräften, um zurückgesendete Ware zu sichten, überprüfen und neu aufbereiten zu lassen – die Liste ließe sich fortführen. Schon heute kalkuliert der Handel die Kosten dafür ein: durch höhere Preise.

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Eine gesetzlich vorgeschriebene Rücksendegebühr ist sicher kein Allheilmittel. Sie würde aber zumindest an alle Marktteilnehmer das Signal senden: Retouren sind nicht umsonst. Sie verursachen enorme Kosten. Für Wirtschaft, Umwelt und Verbraucher. Für jeden von uns.