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Der Häuserboom erreicht die Kleinstadt: Corona-Krise sorgt für neue Höchstpreise

  • Die Corona-Pandemie lässt die Preise für Eigenheime im ersten Quartal weiter ansteigen.
  • Auch kleine Städte werden davon nicht verschont.
  • Entspannung gibt es hingegen bei den Mietpreisen – was auch mit Corona zu tun hat.
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Frankfurt am Main. Die Pandemie treibt die Preise für ein Ein- und Zweifamilienhäuser auf neue Höchstwerte. Auch Eigentumswohnungen verteuern sich weiter. Der Aufwärtstrend wird nach Einschätzung von Experten weiter anhalten. Der Boom findet inzwischen aber nicht mehr in den Metropolen, sondern in kleinen und mittelgroßen Städten statt. Bei den Mietpreisen entspannt sich hingegen vielfach die Lage – auch das hat mit Corona zu tun.

Die Immobilienberatungsfirma F+B hat bei den Eigenheimen für das erste Quartal einen Preisschub von durchschnittlich 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr errechnet. Bei den Eigentumswohnungen ging es mit plus 4,8 Prozent nicht ganz so stark nach oben. Das geht aus dem am Mittwoch vorgelegten Wohnindex hervor.

„Es zeigt sich, dass die Corona-Pandemie offenbar nachhaltig die Nachfrage nach Wohneigentum gestärkt hat“, erläutert F+B-Chef Bernd Leutner. Er sieht dahinter ein gesteigertes Bedürfnis nach persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten, das die Menschen mit ausreichend Platz in den eigenen vier Wänden realisieren wollten.

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Hypothekendarlehen derzeit historisch tief

Als zusätzlichen begünstigenden Faktor führt Leutner das anhaltend niedrige Zinsniveau an. Nach den Daten der Internet­plattform Interhyp lagen die Sätze für Hypothekendarlehen Ende März mit durchschnittlich 0,75 Prozent bei zehn Jahren Laufzeit nahe am historischen Tief, das im Sommer vorigen Jahres erreicht worden war. Mittlerweile sind sie aber auf knapp ein Prozent gestiegen – Experten sehen darin eine Vorwegnahme eines wirtschaftlichen Aufschwungs, der den Bauboom aber noch weiter anheizen könnte.

Es wird mehr gebaut – doch nicht überall in Deutschland

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In die gleiche Richtung lässt sich der starke Anstieg bei den Baugenehmigungen interpretieren. Wie das Statistische Bundesamt gerade gemeldet hat, wurden im März für Einfamilienhäuser rund 34 Prozent mehr Bescheide als im Februar verschickt. Bei Häusern für zwei Familien war es immerhin noch ein Plus von 29 Prozent.

Allerdings wird nicht überall gleich heftig gebaut. In den sieben größten Metropolen (Berlin, München, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart) haben die F+B-Experten eine „abgeschwächte, ja zum Teil sogar stagnierende Preis­entwick­lung“ registriert. Grund dafür seien die ausgereizten Preise, die für Kapitalanleger die Renditen schmälerten und „für Normalverdiener ohne geerbtes Vermögen nicht mehr leistbar sind“.

Leutner sieht zugleich eine gestiegene Attraktivität von preisgünstigeren kleineren und mittleren Städten, die eine hohe Lebensqualität, Breitbandinternet und eine geringere bauliche Dichte zu bieten hätten. Kelkheim in der Nähe von Frankfurt oder Garmisch-Partenkirchen gehören denn auch zu den Kommunen, die exorbitante Preiserhöhungen in jüngster Zeit verzeichneten.

Preise in München explodieren – „Kaufverweigerung“ als Folge

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Kann das so weitergehen? Im Prinzip ja, meint der F+B-Chef. Sind doch nach Erhebungen der Bundesbank die Privatvermögen im vorigen Jahr noch einmal massiv auf neue Rekordwerte gestiegen. Allerdings ist nicht jeder Preis durchsetzbar. So sind bei Eigentumswohnungen in München und im unmittelbaren Umland nach Leutners Worten die Angebotspreise über eine Schmerzgrenze gestiegen, „was mit einer Kaufverweigerung“ bestraft werde.

In der bayerischen Hauptstadt kostet der Quadratmeter einer Eigentumswohnung mittlerweile mehr als 7000 Euro im Durchschnitt. Das ist einsame Spitze – auch im Vergleich zu anderen teuren Städten wie Frankfurt (5440 Euro) oder Hamburg (5270 Euro).

Wie werden sich die Lieferengpässe auswirken?

Ein neuer beschränkender Faktor dürfte für das zweite Quartal die Lage verkomplizieren: Eine Anfang der Woche veröffentlichte Befragung des Münchener Ifo-Instituts hat in der Baubranche „erhebliche Engpässe beim Material“ zutage gefördert. Offenbar sei es dadurch zumindest im April vorübergehend zu einer Beeinträchtigung in der Bautätigkeit gekommen, so der Ifo-Experte Felix Leiss.

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Es fehle gegenwärtig vor allem an Stahl, Holz, Dämmstoffen und Folien. Vermutlich haben die Hersteller die Nachfrage nach diesen Produkten unterschätzt. Ob das die Preise für Häuser und Eigentumswohnungen weiter treibt oder einfach nur die Marktdynamik bremst, ist offen.

Mietdynamik ist seit Corona „verhalten“

Gegenläufig ist den F+B-Zahlen zufolge der Trend bei den Mieten. Bei neuen Verträgen gingen die im Vergleich zum Vorjahr im Schnitt sogar leicht zurück (minus 0,3 Prozent). Vor allem in den sieben größten Städten gebe es seit Beginn der Pandemie „nur noch eine sehr verhaltene Mietdynamik“, so Leutner. Die Ursache dafür sieht er in einer Verunsicherung der Bürger in puncto Einkommen, was zu einer niedrigeren Fluktuation und damit wenig Angeboten und zu Preiszurückhaltung bei den Angeboten führe.

Der F+B-Chef prognostiziert für die 50 teuersten Städte in den nächsten zwölf Monaten eine anhaltende Stagnation. Allerdings macht unter anderem der Mieterbund immer wieder darauf aufmerksam, dass in besagten Kommunen das Niveau ohnehin schon extrem hoch sei.

Wohnungsknappheit in Metropolen

Die Wohnungsknappheit ist in den Metropolen keineswegs behoben. Darauf macht auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie aufmerksam und beklagt, dass dort zu wenig gebaut werde – vor allem Mehrfamilienhäuser. Da hat es gerade einen weiteren Rückschlag gegeben. Laut Destatis ging die Zahl der Baugenehmigungen im März bundesweit um 6,2 Prozent zum Vormonat zurück. Damit setzt sich ein Trend der vergangenen Monate fort, was wieder steigende Mietpreise auf mittlere Sicht bringen könnte.

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