Der deutsche Mindestlohn ist gar nicht so niedrig

  • Deutschlands gesetzlicher Mindestlohn ist im europäischen Vergleich eher niedrig.
  • Doch die viel diskutierte Kennzahl täuscht, meint unser Autor.
  • Denn die Lohnuntergrenze in Deutschland erlaubt hier ein besseres Leben als in vielen anderen Ländern.
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Deutschland – und auch Europa – diskutiert über den Mindestlohn. Der ist in der Bundesrepublik vergleichsweise niedrig, wie nun die Forscher des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in einer umfangreichen Erhebung herausgefunden haben. Die gewerkschaftsnahen Wissenschaftler leiten daraus die Forderung nach höheren gesetzlichen Lohnuntergrenzen ab. Doch die Wirklichkeit ist deutlich komplizierter.

Denn die Zahlen sind nur auf den ersten Blick so eindeutig: Zwar liegt der deutsche Mindestlohn mit 9,35 Euro pro Stunde unter dem Niveau anderer westeuropäischer Länder. In Frankreich etwa sind es 10,15 Euro, in Luxemburg gar 12,38 Euro – knapp 30 Prozent mehr. Wer aber jemals in Luxemburg einen Kaffee getrunken hat, weiß, dass das eine vergleichsweise teure Angelegenheit ist. Und siehe da: Kaufkraftbereinigt hat Deutschland den vierthöchsten Mindestlohn in Europa. Der Abstand zu Spitzenreiter Luxemburg beträgt ausweislich der WSI-Zahlen dann statt 30 nur noch etwa 10 Prozent.

Niedriger Mindestlohn, hohe Kaufkraft

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In Relation zur Kaufkraft liegt die Lohnuntergrenze in Portugal hingegen nicht einmal halb so hoch wie in Deutschland, im osteuropäischen Lettland sogar noch niedriger. Mit anderen Worten: Wer dort für wenig Geld arbeitet, kann sich wesentlich weniger leisten als ein deutscher Niedriglöhner. Daran ändert auch die WSI-Feststellung wenig, wonach der hiesige Mindestlohn in Relation zu den Durchschnittseinkommen einer der niedrigsten in Westeuropa ist.



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