Der CO₂-Preis macht Gas und Benzin 2021 deutlich teurer

  • Fossile Brennstoffe wie Sprit, Erdgas und Heizöl belasten das Klima.
  • Deshalb soll eine neue Abgabe ab 2021 dafür sorgen, dass diese Energieträger teurer und somit unattraktiver werden.
  • Für Verbraucher bedeutet das rein rechnerisch einen Aufschlag von rund 7 Cent pro Liter Benzin, 8 Cent pro Liter Diesel und ebenfalls 8 Cent pro Liter Heizöl.
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Für Autofahrer geht ein vergleichsweise billiges Jahr zu Ende. Doch damit dürfte es vorbei sein, denn im neuen Jahr droht der Doppelschlag: Die Mehrwertsteuer steigt zurück auf ihr altes Niveau von 19 Prozent, und vor allem gilt vom 1. Januar an ein neuer Zuschlag auf Sprit, Heizöl und Erdgas. Der CO₂-Preis soll den Energiemarkt verändern.

Was ist der CO₂-Preis?

Die Abgabe gehört zum Klimapaket 2030, das die Bundesregierung vor gut einem Jahr beschlossen hat. Fossile Brennstoffe, die Kohlendioxid (CO₂) ausstoßen, werden dadurch teurer, emissionsarme Technik wird hingegen gefördert. Strom soll auch für Transport und Wärme attraktiver werden, weil er zunehmend aus regenerativen Quellen erzeugt wird.

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Industriebetriebe und Energieversorger müssen schon seit Jahren CO₂-Zertifikate im EU-Emissionshandel kaufen. Nun wird dieses Prinzip auf die Sektoren Wärme und Verkehr übertragen. Zum Start kostet jede Tonne CO₂, die durch Öl- und Gasverbrennung in die Luft gelangen wird, 25 Euro. In den nächsten Jahren wird der Preis schnell steigen. Geregelt ist das im Brennstoffemissionshandelsgesetz.

Wer muss zahlen?

Kassiert wird die Abgabe bei den Verkäufern – also den Händlern von Heizöl, Flüssiggas, Erdgas, Kohle, Benzin und Diesel. Sie müssen die entsprechenden Zertifikate beim Umweltbundesamt kaufen und entscheiden dann, ob und wie sie die Kosten weitergeben.

Was wird wie viel teurer?

Das hängt auch von der Konkurrenzsituation ab. Da aber alle Anbieter im jeweiligen Markt die gleichen CO₂-Kosten haben, dürften sie auch parallel die Preise heraufsetzen. Diese Teuerung ist gewollt: „Der CO₂-Preis setzt ein ganz klares Signal: CO₂ auszustoßen wird im Vergleich zu klimafreundlichen Alternativen verlässlich teurer“, sagt Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). „Das beeinflusst Investitionsentscheidungen.“

Rechnerisch bedeuten die anfänglich 25 Euro pro Tonne Aufschläge von rund 7 Cent pro Liter Benzin, 8 Cent pro Liter Diesel, ebenfalls 8 Cent pro Liter Heizöl und rund einen halben Cent pro Kilowattstunde Erdgas. Die Verbraucherzentralen haben für eine Beispielfamilie mit gasbeheiztem Einfamilienhaus und Auto mit Benzinmotor insgesamt Mehrkosten von rund 200 Euro im ersten Jahr errechnet. Allein bei der Heizung entsprechen 20.000 Kilowattstunden Erdgas 120 Euro zusätzlich, 2000 Liter Heizöl entsprechen 159 Euro.

Was macht der Staat mit dem Geld?

Im ersten Jahr werden laut Gesetzentwurf 7,4 Milliarden Euro erwartet, von 2023 an jährlich 10,5 Milliarden Euro. Das Geld werde zurückgegeben, verspricht die Bundesregierung: Es fließt in die Senkung der EEG-Umlage, mit der alle Stromkunden den Ökostrom subventionieren. So soll der Anstieg der Strompreise gestoppt werden. Außerdem sollen Fernpendler ab 2024 eine höhere Entfernungspauschale von 35 statt 30 Cent ab dem 21. Kilometer bekommen.

Gibt es Ausnahmen?

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Übermäßige Härten durch die steigenden Kosten sollen vermieden werden. Deshalb wird das Wohngeld für Geringverdiener erhöht. Gestritten wird in der Koalition noch darüber, wer die höheren Heizkosten in Mietwohnungen trägt. Nach jetzigem Stand wäre das allein Sache der Mieter, doch die haben wenig Einfluss darauf, welche Heiztechnik in ihrer Wohnung genutzt wird. Deshalb dringt die SPD darauf, die Hälfte des CO₂-Preises dem Vermieter anzulasten.

Unternehmen, die schon EU-Emissionsrechte kaufen müssen oder mit den zusätzlichen Kosten nicht mehr international wettbewerbsfähig wären, sollen eine Entschädigung bekommen. An den Details wird noch gearbeitet, sie sollen rückwirkend zum Jahresbeginn beschlossen werden.

Wie geht es weiter?

Der CO₂-Preis wird schnell steigen. Die 25 Euro pro Tonne gelten nur im ersten Jahr, dann geht es schrittweise hoch bis 55 Euro im Jahr 2025. Für 2026 gilt ein Korridor von 55 bis 65 Euro. Danach werden die Öl- und Gashändler die begrenzte Zahl der Emissionsrechte nicht mehr zum Festpreis kaufen, sondern ersteigern. 2023 sollen weitere Brennstoffe einbezogen werden.

Was sagen Befürworter und Kritiker?

Weitgehend einig sind sich Experten darüber, dass die Verwendung fossiler Energieträger im Vergleich zu anderen teurer werden muss, weil sie durch Umweltschäden auch höhere volkswirtschaftliche Kosten verursachen. Die Preiserhöhung über Zertifikate gilt als vergleichsweise effiziente Methode.

Kritiker halten 25 Euro pro Tonne – im ersten Entwurf waren es nur 10 Euro – für zu wenig, um wirklich eine Veränderung zu erreichen. Andererseits fürchten Gewerkschaften eine soziale Schieflage. Kritisiert wird auch die Vielzahl der parallelen Steuern, Gebühren und Regeln zum Kohlendioxid. Unternehmen fürchten zudem Doppelbelastungen im deutschen und europäischen Emissionsrechtehandel.

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