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  • Delivery Hero: Umsatz verdoppelt - Liefergigant profitiert weiter an Corona-Maßnahmen

Delivery Hero: Deutscher Liefergigant ohne Deutschland-Geschäft

  • Delivery Hero ist der Lieferdienst, der in Deutschland mehr Börsianern als Kunden vertraut ist.
  • Denn das Unternehmen sitzt zwar in Deutschland, liefert aber hierzulande kein einziges Essen aus.
  • Stattdessen setzt man auf Märkte in aller Welt – offenbar mit Erfolg, wie die jüngsten Zahlen zeigen.
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Delivery Hero verdient sein Geld mit der Auslieferung von Essen und Einkäufen, doch Lieferfahrer sucht man in der Berliner Konzernzentrale an der Oranienburger Straße meist vergeblich. Denn in Berlin werden lediglich die Geschäfte von Konzerntöchtern weltweit gesteuert. Und das offenbar mit Erfolg: Die Berliner, immerhin eins der 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands, konnten ihren Umsatz zuletzt verdoppeln.

Dabei hat Delivery Hero von Übernahmen, aber vor allem von der Corona-Pandemie profitiert: 1,4 Milliarden Euro setzte der Lieferdienst im ersten Quartal um, in etwa eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der Bestellungen legte zu, 88 Prozent mehr waren es ausweislich der jüngsten Quartalszahlen. Insgesamt hatten Fahrer von Delivery Hero im ersten Quartal Essen im Wert von etwa 7,8 Milliarden Euro im Gepäck, ebenfalls ein Plus von etwa 88 Prozent.

In Berlin waren die Fahrer allerdings ebenso wenig wie im Rest der Republik unterwegs – die hiesigen Ableger Lieferheld.de, Pizza.de und Foodora sind 2018 nach langem Ringen an den niederländischen Rivalen Takeaway.com (heute: JustEatTakeaway.com) verkauft worden. Der ist seitdem hierzulande Marktführer, während sich Delivery Hero auf das Ausland konzentriert: Die Fahrer des deutsche Unternehmens liefern unter anderem in Argentinien, Chile, im Nahen Osten und in Asien.

Umsatz verdoppelt, aber rote Zahlen

Auch auf den anderen Kontinenten wütet die Corona-Pandemie – weshalb die Geschäftsaussichten von Delivery Hero blendend sind. Schließlich verdient das Unternehmen bei jeder Lieferung eine Provision, und Lieferungen gab es angesichts geschlossener Restaurants und Geschäfte viele. Die Wachstumsraten des ersten Quartals sollen auch 2021 beibehalten werden, mit Blick auf das gesamte Geschäftsjahr 2021 rechnet das Unternehmen mit einer Verdoppelung des Umsatzes auf 6,1 bis 6,6 Milliarden Euro.

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Operativ wird Delivery Hero aber weiter rote Zahlen schreiben. Der Vorstand rechnet mit einer Marge auf Basis des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von minus 1,5 bis minus 2 Prozent. Geht es nach Konzernchef Niklas Östberg, kann das auch vorerst so bleiben. Zwar seien viele Geschäftsbereiche bereits gewinnträchtig, doch die Wachstumsinvestitionen seien höher, sagte Östberg laut dem „Handelsblatt“.

Börse glaubt an das Wachstumsversprechen

Ungewöhnlich ist das nicht: Wie so oft bei Firmen, die im Kern auf Internetplattformen setzen, geht es derzeit um den Kampf um Marktanteile in einzelnen Ländern – und Werbung, Preiskämpfe sowie Übernahmen gehen ins Geld. So hat Delivery Hero im vergangenen Jahr etwa 5,7 Milliarden Euro für den einstigen Konkurrenten Woowa in Südkorea ausgegeben.

Börsianer glauben jedenfalls an die Wachstumsversprechen, der Kurs von Delivery Hero legte nach Bekanntgabe der Quartalszahlen um gut 8 Prozent zu. Dass das Unternehmen wieder in Deutschland liefert, ist indes unwahrscheinlich. Beim Verkauf der hiesigen Ableger soll das Unternehmen ein Stillhalteabkommen mit dem Mitbewerber JET abgeschlossen haben, das noch bis 2023 gilt. Wie ein erneuter Konkurrenzkampf dann ausgehen würde, ist ungewiss. JustEatTakeaway.com expandiert ebenfalls kräftig, konnte seine Umsätze in der Pandemie ebenfalls deutlich steigern und kaufte zuletzt den US-Lieferdienst Grubhub.

Die Aufteilung der weltweiten Lieferdienstmärkte schreitet also voran, und mit Delivery Hero ist ein Dax-Konzern ganz vorn dabei. Auch ohne eigenes Deutschland-Geschäft – was nebenbei den Vorzug hat, dass das Dax-Unternehmen hierzulande anders als die Konkurrenz nicht wegen der Arbeitsbedingungen der Fahrer in der Kritik steht. Ganz abgesehen davon, dass dem Deutschland-Markt nach dem Markteintritt unter anderem von Uber Eats und Wolt in den kommenden Jahren ein heftiger Konkurrenzkampf bevorsteht, aus dem sich Delivery Hero erst einmal raushalten kann.

Mit dpa

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