Delivery Hero oder Symrise? Diese Konzerne könnten Wirecards Platz im Dax einnehmen

  • Mit dem baldigen Rauswurf von Wirecard aus dem Dax gelten zwei Konzerne als heiße Aufstiegskandidaten: Delivery Hero und Symrise.
  • Delivery Hero ist nicht mehr in Deutschland aktiv und verdient sein Geld vor allem außerhalb Europas.
  • Der Aromahersteller Symrise ist kaum bekannt, jedoch finden sich seine Geruchs- und Geschmacksstoffe überall.
Anzeige
Anzeige

Mit dem nun beschlossenen Rauswurf von Wirecard aus dem Dax stellt sich jetzt die Frage, wer den Platz des Konzerns in der höchsten deutschen Börsenliga einnimmt.

Zu den Aufstiegskandidaten zählen aktuell zwei Konzerne: Der Essenslieferdienst Delivery Hero und der Aromenhersteller Symrise. Erst kürzlich hatte der DAX einen Neuzugang zu vermelden. Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen rückte für die angeschlagene Lufthansa nach.

Verkauf an niederländischen Konkurrenten: Delivery Hero nicht mehr in Deutschland aktiv

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Verbraucher in Deutschland haben mit dem möglichen künftigen Dax-Konzern und einstigen Start-up Delivery Hero schon länger keine Berührung mehr. Der Lieferdienst betreibt in mehr als 40 Ländern Bestellplattformen für Essen lokaler Anbieter und beschäftigt 25.000 Mitarbeiter, davon rund 1300 in Berlin.

Doch im vergangenen Jahr verkauften die Verantwortlichen das gesamte Deutschland-Geschäft an den niederländischen Konkurrenten Takeaway. Dieser gliederte die Marken Pizza.de, Lieferheld und Foodora in seine eigene Plattform Lieferando ein und dominiert seither den Markt in Deutschland.

Delivery Hero verdiente knapp eine Milliarde Euro mit dem Deal und investierte weiter kräftig in Märkte im Nahen Osten sowie in Nordafrika. Im vergangenen Jahr kam mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes in Höhe von 1,2 Milliarden Euro aus diesen Regionen. Auch in Asien ist Delivery Hero stark. In Europa ist der Konzern hingegen fast ausschließlich in nord- und osteuropäischen Ländern aktiv. Im Westen sieht Konzernchef Niklas Östberg zu wenig Wachstumspotenzial.

Anzeige

Delivery Hero gilt als Gewinner der Corona-Krise

Gegründet wurde Delivery Hero im Jahr 2011 als GmbH. Auf seiner Plattform vermittelt der Konzern Lieferdienste zwischen Restaurants und deren Kunden. Nach wie vor stammt das meiste Geld aus Provisionen, die die teilnehmenden Restaurants bezahlen, um dafür mehr Reichweite und Bekanntheit zu erlangen. Allerdings betreibt Delivery Hero auch eigene Lieferdienste und Großküchen.

Anzeige

2017 ging der Konzern an die Börse. Die Umsätze steigen seit Jahren massiv. Allein für das laufende Jahr rechnet Delivery Hero mit Erlösen zwischen 2,6 und 2,8 Milliarden Euro – trotz Corona. Das Unternehmen gilt als ein Gewinner der Krise. Allein im Juni verdoppelte sich die Anzahl der Bestellungen. Diese Entwicklung spiegelt auch der Aktienkurs wider. Der geriet im Sog des Corona-Börsencrashs seit Februar zwar zunächst unter Druck, erholte sich aber schnell und stieg auf Rekordhöhe. Seit dem März-Tief bei rund 50 Euro hat sich der Wert der Papiere in etwa verdoppelt.

Video
Scholz zufrieden mit Wirecard-Befragung im Finanzausschuss
1:54 min
In einer Sondersitzung des Finanzausschusses musste sich Scholz Fragen der Abgeordneten nach möglichen Versäumnissen bei der Finanzaufsicht stellen.  © Reuters

Börsengigant mit roten Zahlen

Durch den Verkauf der Deutschland-Marken erzielte Delivery Hero im vergangenen Jahr zwar einen Gewinn. Doch operativ schreibt das Unternehmen weiterhin rote Zahlen. Er könne noch keine Prognose abgeben, wann im laufenden Geschäft kostendeckend gearbeitet werden könne, sagte Finanzchef Emmanuel Thomassin bei der Hauptversammlung im Juni. Anfang Juli kündigte der Konzern an, sich über eine Wandelschuldverschreibung bis zu 1,5 Milliarden Euro frisches Geld zu besorgen.

Anzeige

Sollte Delivery Hero nach dem Wegfall des Finanzdienstleisters Wirecard der Aufstieg in den Dax gelingen, wäre es nach dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen der zweite Berliner Konzern in der Riege der 30 größten börsennotierten Unternehmen des Landes.

Symrise: Kaum bekannt und doch überall

Der Vorteil von Symrise: Der Duftstoff- und Aromenhersteller aus Holzminden befriedigt Grundbedürfnisse und profitiert vom demografischen Trend. Denn die Bevölkerung wachse, die Menschen würden älter und hätten mehr Zeit für Konsum, erklärte NordLB-Analyst Thorsten Strauß. Der Nachteil: Das Unternehmen tritt selbst kaum in Erscheinung.

Dennoch finden sich seine Geruchs- und Geschmacksstoffe überall. Nach eigenen Angaben befinden sich Symrise-Anteile in mehr als 30.000 Produkten bei gut 6000 Kunden und rund 100 Ländern.

Anzeige

Weil Symrise aber zu Kosmetikprodukten oder auch Reinigungsmitteln, Tiernahrung, Getränken und Fertiggerichten nur einen kleinen Teil beisteuere, sei der Anteil am Verkaufspreis gering. Das bedeute: Symrise ist von der Corona-Krise weniger betroffen. “Man kennt sie nicht, nur das Endprodukt”, sagte Strauß. “Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein.” Das Problem allerdings: Man müsse das Unternehmen und seine Produkte Kleinanlegern erst einmal erklären.

Aromahersteller steigerte 2019 Umsatz auf 3,4 Milliarden Euro

Dabei verwenden Millionen Menschen die Substanzen und Aromen der Holzmindener täglich – beim Händewaschen, aber auch in Shampoo, Zahnpasta oder im Essen. “Symrise ist der klassische Hidden Champion – uns kennt man außerhalb der Branche nicht”, sagte der Chef des MDax-Konzerns, Heinz-Jürgen Bertram, einmal. Symrise steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 8 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro und verdiente unter dem Strich 304 Millionen Euro. Die Erlöse steigen seit Jahren, vor allem dank gezielter Übernahmen. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 10.000 Mitarbeiter.

So unbekannt Symrise auch sein mag: Die Geruchs- und Geschmacksstoffe des Aromaherstellers sind in vielen Kosmetikprodukten oder auch Reinigungsmitteln, Tiernahrung, Getränken und Fertiggerichten enthalten. © Quelle: Swen Pförtner/dpa

Symrise hat globale Player als Kunden

Symrise entstand 2003 durch die Fusion von Haarmann & Reimer und Dragoco und ist seit 2006 an der Börse notiert. Die Wurzeln allerdings reichen nach Unternehmensangaben bis 1874 zurück. Denn damals hatten zwei Chemiker aus Holzminden ein Verfahren zur Herstellung von künstlicher Vanille entwickelt. Sie gründeten Haarmann & Reimer und bauten die erste Vanillin-Fabrik in Holzminden, wo bis heute der Konzernsitz ist. Einer der meistverarbeiteten Rohstoffe: Zwiebeln.

Aus Analystensicht gelte: Symrise hat “einen sehr guten Job gemacht”, sagte Strauß. Das Unternehmen sei unabhängig von konjunkturellen Schwankungen gewachsen, es sei geografisch und bei der Kundenstruktur “relativ breit abgestützt”, und globale Player zählten zu den Kunden. Die Zukäufe erfolgten nicht nach Größe und Marktwert, sondern man prüfe, ob es passe und das Portfolio sinnvoll erweitere.

Die Anteilsscheine des Aromen- und Duftstoffherstellers lagen zuletzt bei mehr als 106 Euro, der Kurs steigt – von Einbrüchen wie etwa im März angesichts des Corona-Lockdowns abgesehen – seit langem. Nun könnte die Aktie den Zahlungsdienstleister Wirecard im Dax ersetzen.

RND/bk/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen