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Was Versicherte bei Beitragserhöhungen der privaten Krankenversicherung tun können

  • Die Debeka, Deutschlands größte private Krankenversicherung, will ab Januar 2021 die Beiträge massiv erhöhen.
  • Versicherte anderer Krankenkassen könnte es ebenfalls treffen. Die Allianz Versicherung hat schon nachgezogen.
  • Verbraucher können auf die Ankündigung einer Beitragserhöhung mit verschiedenen Optionen reagieren.
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Stuttgart. Im Oktober hat der deutsche Marktführer im Bereich privater Krankenversicherung (PKV), die Koblenzer Debeka, für das kommende Jahr angekündigt, die Beiträge deutlich zu erhöhen. Ab dem 1. Januar 2021 sollen sie um durchschnittlich mehr als 17 Prozent steigen, nachdem es zuvor vier Jahre lang keine Erhöhung gegeben hatte.

Da Debeka die größte private Krankenversicherung Deutschlands ist, habe der Schritt Signalwirkung auch für andere Gesellschaften, so die Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg. So hat nun bereits schon die Allianz Versicherung nachgezogen und ihre Versicherten ebenfalls über Beitragserhöhungen informiert. Verbraucher, die in den nächsten Tagen und Wochen von ihrer privaten Krankenversicherung Post bekommen, können auf die Ankündigung einer Beitragserhöhung mit verschiedenen Möglichkeiten reagieren:

Interner Wechsel in einen günstigeren Tarif

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Die nächstliegende Option wäre, sich bei der eigenen PKV zu erkundigen, inwieweit ein Wechsel in einen günstigeren Tarif möglich ist oder ob es die Möglichkeit gibt, andere Anpassungen im Tarif vorzunehmen. Wer dieses in Betracht zieht, sollte darauf achten, inwiefern sich die Leistungen des neuen Tarifs im Verhältnis zum bestehenden Versicherungsschutz unterscheiden. Leistungen, die man durch einen Tarifwechsel reduziert, gehen nämlich in der Regel endgültig verloren. Oftmals bringt ein Tarifwechsel auch eine neue Gesundheitsprüfung mit sich.

Eine weitere Möglichkeit ist, darüber nachzudenken, ob der Wechsel von einem sogenannten geschlossenen in einen aktuell angebotenen Tarif sinnvoll ist. Zum Verständnis: Manche private Krankenversicherungen haben in der Vergangenheit alte Versicherungstarife „geschlossen“ und junge Versicherte in neue Tarife aufgenommen. Jeder Versicherte kann aber unter Berufung auf § 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) verlangen, dass er aus diesen geschlossenen Tarifen gehen und in einem aktuell angebotenen Tarif mit gleichen Leistungen aufgenommen werden kann.

Den Tarif-Selbstbehalt überprüfen

Beiträge können zudem gespart werden, wenn ein Versicherter den Selbstbehalt in seinem Tarif erhöht. Das heißt, von den jährlich anfallenden Behandlungskosten wird zunächst vom Versicherten ein bestimmter Betrag selbst bezahlt. Erst wenn dieser Betrag überschritten ist, übernimmt die PKV die Kosten.

Wer den Selbstbehalt entsprechend erhöht, erzielt damit auf längere Sicht niedrigere Monatsbeiträge. Jedoch sollte man nicht vergessen, dass alle Leistungen, die nicht zum Leistungskatalog der PKV gehören, dann komplett und allein übernommen werden müssen.

Abgespeckte Leistungen im Standardtarif

Eine andere Möglichkeit bei der aktuellen PKV zu bleiben, aber Beiträge zu sparen, ist die Option eines Wechsels in den sogenannten Standardtarif. Dies ist jedem Versicherten möglich, wenn er schon vor dem 01.01.2009 privat versichert war. Doch auch gilt zu bedenken: Der Standardtarif ist ein Tarif mit „Light“-Leistungen, die jede PKV gesetzlich anbieten muss.

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Das bedeutet, dass der Versicherte bis auf wenige Ausnahmen nur noch die Leistungen erhält, die auch die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ihren Versicherten anbieten. „Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass im Standardtarif nur sehr kleine ärztliche Gebührenfaktoren erstattungsfähig sind“, so die Verbraucherzentrale Hamburg.

Der Wechsel zu einer anderen privaten Krankenversicherung

Wer zu dem Schluss kommt, dass die aktuelle PKV für einen nichts mehr ist, kann derweil über die bekannten Vergleichsportale eine Alternative suchen. Doch Vorsicht, so ein Wechsel kann auch abseits von augenscheinlich besseren Monatsbeiträgen deutliche Nachteile mit sich bringen. Es könnten unter anderem die Rückstellungen, die für das Alter gebildet wird, ganz oder teilweise verloren gehen.

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Unter den Altersrückstellungen werden die angesparten Rücklagen für jeden Versicherten in einer PKV verstanden. Diese werden aus den Versicherungsbeiträgen gebildet und sollen eben die Beiträge im Alter stabil lassen. Solche Rückstellungen können meistens vollständig übertragen werden, wenn ein Tarifwechsel innerhalb einer PKV-Gesellschaft erfolgt.

Der Weggang zur gesetzlichen Krankenversicherung

Ein ganz radikaler Schritt wäre der Weggang aus der PKV hin zu einer Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Doch nicht jeder kann so einfach wechseln. Es müssen zwei Bedingungen auf jeden Fall erfüllt sein:

Der Versicherte ist noch keine 55 Jahre alt, und das Jahresgehalt darf nicht den geltenden Grenzwert überschreiten, der aktuell bei 62.550 Euro brutto jährlich liegt. Es gibt eine kleine Ausnahme für Arbeitnehmer, die schon am Stichtag 31.12.2002 in einer PKV versichert waren. Hier gilt der Grenzwert von 56.250 Euro pro Jahr.

Beratung von Experten mehr als sinnvoll

Laut einer Studie dürfte sich der Wechsel von der privaten zur gesetzlichen Krankenversicherung jedoch kaum lohnen, da die Beiträge in der privaten Krankenversicherung langfristig nicht stärker als in der gesetzlichen Krankenversicherung steigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktualisierte Studie des Forschungsinstituts Iges.

Betrachtet man demnach nur die durchschnittliche Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren, so sind die Beiträge in der PKV sogar deutlich schwächer gestiegen als in der GKV: Während sich die Beitragseinnahmen je Versicherten im Zeitraum 2008 bis 2018 in der GKV um durchschnittlich 3,5 Prozent pro Jahr erhöhten, waren es in der PKV nur 2,3 Prozent, so die Studie.

Bei allen Vergleichen ist es für Versicherte dennoch sehr schwer, den Überblick über Leistungen, Beiträge und Tarife zu haben. Wer über Veränderungen nachdenkt, sollte auf jeden Fall einen Experten hinzuziehen, um die persönliche Situation zu überprüfen. Dazu gehört unter anderem auch der Bund der Versicherten mit seinen Beratungsstellen und einem sogenannten Bedarfscheck für Verbraucher.

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