Dax-Rallye: Sollte man trotz der Rekordkurse noch einsteigen?

  • Deutschlands bekanntester Aktienindex Dax hat jüngst wieder eine neue Rekordmarke erreicht. Für viele steht die Frage im Raum, ob es sich noch lohnt, an der Börse einzusteigen.
  • Marktexperten raten derweil vor allem Aktien als langfristige Geldanlage zu sehen und nicht als kurzfristige Spekulation.
  • Welche Regeln Kleinanleger beachten sollten, wenn sie jetzt noch einsteigen wollen.
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Stuttgart. Börsen sind ja bekanntlich ihrer Zeit voraus, denn es sind vor allem die Zukunftsaussichten, die an den Wertpapiermärkten für Kurssprünge oder Abstürze sorgen. Nie wurde das so deutlich wie in den Monaten der Pandemie. Die meisten Menschen im Land hatten den Corona-Blues, an den Börsen jedoch war die Stimmung schon seit April 2020 wieder prächtig.

Weltweit feierten die wichtigen Aktienindizes seitdem immer wieder neue Rekordhochs. Auch der deutsche Leitindex Dax kletterte zuletzt auf eine neue Bestmarke. Seit dem Crash im März 2020 ging es eigentlich nur in eine Richtung: steil bergauf.

Von den Kursgewinnen haben auch viele deutsche Verbraucher profitiert, wie die Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) belegen. Im Corona-Jahr 2020 engagierten sich fast so viele Deutsche an der Börse wie zuletzt um die Jahrtausendwende. Im Vergleich zu 2019 sparen rund 2,7 Millionen Menschen mehr in Aktien, Aktienfonds oder aktienbasierte ETFs. Insgesamt sind 12,4 Millionen Menschen in Deutschland an der Börse engagiert – damit ist etwa jeder siebte Deutsche ein Aktionär.

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Langfristig dürften die Börsen weiter steigen

Viele, die die niedrigen Kurse des vergangenen Jahres nicht für den Einstieg genutzt haben, dämmert inzwischen, dass sie eine sehr gute Gelegenheit verpasst habe. Und es drängt sie die Frage auf, wie sie nun handeln sollen. Auf den nächsten Crash warten - oder trotz der hohen Kurse noch einsteigen?

Viele Marktexperten äußern sich zur langfristigen Entwicklung der Aktienkurse positiv. Sie stützen sich auf drei Faktoren, die die Börse auch über die nächsten Monate hinweg positiv beeinflussen sollten: Die sinkende Inzidenzen, die wieder anspringende Konjunktur sowie die unverändert lockere Geldpolitik der internationalen Notenbanken.

Manfred Schlumberger, Kapitalmarktstratege bei StarCapital, ist einer der vielen Marktexperten, die für den Aktienmarkt optimistisch sind. Während sich die Industrie schon seit Monaten im Aufschwung zeigt, dürfte dem Portfoliomanager zufolge nun vor allem der Dienstleistungssektor vor einem Boom stehen. „Die Leute verfügen derzeit einfach über viel Geld“, verweist Schlumberger in diesem Zusammenhang auf die während der Lockdown-Monaten stark gestiegenen Sparquoten sowohl in Deutschland als auch in den USA – Geld, das zum Teil bereits in den Aktienmarkt geflossen ist, das nun aber auch für den privaten Konsum bereitsteht.

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Robert Halver von der Baader Bank rät Anlegern, jetzt auf „Nachzügler zu achten. Airlines, Flughafenbetreiber und Reisekonzerne werden im zweiten Halbjahr deutlich anziehende Erlöse sehen.“ Auch nachhaltige Investments könnten laut Halver spannend sein. „Aktien aus dem Bereich ‚Grüne Energie´ dürften wieder mehr Anklang finden.

Viele haben weiterhin keinen Zugang zur Börse

Auch wenn die Mehrheit der Experten plausible Tipps und nachvollziehbare Markteinschätzungen abgeben – viele Menschen trauen sich dennoch nicht an das Thema Börse und Aktien ran.

Dabei sind eine Einmal-Geldanlage oder ein monatlicher Sparplan in Aktien und Aktienfonds nachweislich auf lange Sicht mit attraktiven Renditechancen verbunden. „Sie sind damit eine gute Anlageform für die private Altersvorsorge und den langfristigen Vermögensaufbau“, so das Aktieninstitut DAI, das jedes Jahr sein Dax-Rendite-Dreieck veröffentlicht, an dem man die historischen jährlichen Durchschnittsrenditen am Aktienmarkt der vergangenen 50 Jahre ablesen kann.

Das DAX-Rendite-Dreieck für die monatliche Geldanlage zum Beispiel zeigt, dass sich in den vergangenen 50 Jahren breit gestreutes, langfristiges und regelmäßiges Sparen in Aktien ausgezahlt hat: Wer jeden Monat einen festen Betrag in Dax-Aktien gespart hat, konnte bei einer Spardauer von 20 Jahren eine durchschnittliche Rendite von rund neun Prozent im Jahr auf das angelegte Geld erwirtschaften. Marc Tüngler, von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, sagt hierzu: „Wer Aktien meidet oder sich nicht damit beschäftigen will, wird sich über die nächsten 10 bis 20 Jahre bei steigender Inflation und in Relation niedrigsten Zinsen massiv Schaden zufügen.“

Einfache Regeln für die langfristige Aktienanlage

Um dieses zu verhindern raten Finanzmarktexperten wie auch das DAI (künftigen) Anleger, sich an ein paar einfache Regeln bei der Aktien- und Fondsauswahl zu halten. Zum einen sollte die Geldanlage breit gestreut sein. In Aktien unterschiedlicher Branchen zu investieren, verringert das Anlagerisiko. Dies kann man sehr einfach mit Aktienfonds oder Index-Fonds (ETFs) umsetzen.

Ebenso wichtig ist der Anlagehorizont. Es ist wichtig im Hinterkopf zu haben, dass es an den Börsen auf und ab gehen kann. Doch bei Betrachtung über längere Zeiträume zeigt sich klar, dass am Ende eine positive Rendite herauskommt. „Je länger der Anlagehorizont, desto geringer die Gefahr, mit Aktien Verluste zu erleiden“, sagt das DAI. „Langfristig orientierte Anleger müssen bei kurz- und mittelfristigen Kursschwankungen nicht nervös werden.“ Die Vergangenheit zeigt, dass sich es sich lohnt Anlegerdisziplin zu haben und in schwankungsreicheren Marktphasen nicht zu verkaufen.

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Video
Dax bleibt auf Tuchfühlung mit Rekordhoch
2:05 min
Die Aussicht auf eine längerfristig lockere US-Geldpolitik hält die Kurse am deutschen Aktienmarkt hoch.  © Reuters

Für manche Menschen ist es emotional schwierig, gleich eine größere Einmalsumme an der Börse zu investieren. Um langfristig eine solide Rendite zu erzielen ist aber auch ein anderer Weg möglich. Wer jeden Monat konsequent in einen Sparplan auf Aktienfonds einzahlt, kann auch mit kleinen Beträgen langfristig ein substantielles Vermögen mit Aktien aufbauen. Auf eines sollten Anleger laut dem DAI ebenso achten: „Anleger sollten nicht nur in Aktien sparen, sondern stets über genügend liquide Mittel aus anderen Anlageformen verfügen. So können sie ein mögliches Börsentief aussitzen und sind nicht gezwungen, zur Unzeit ihre Aktien- oder Aktienfondsanlage zu verkaufen.“

Aktionärsschützer Tüngler rät Anlegern vor allem den langfristigen Vermögensaufbau im Blick zu haben: „Wer allein Geld oder Geldwerte spart, läuft sehenden Auges in einen schmerzlichen Kaufkraftverlust. Aktien sind und bleiben daher alternativlos – und das gilt für die nächsten 10-20 Jahre. Das neue Rekordhoch im Dax ist definitiv kein Signal zum Verkauf“, glaubt der Experte.

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