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Dax 40: Das bedeutet die Erweiterung für den Leit­index

  • Zehn neue Unternehmen werden seit diesem Montag im Dax gelistet.
  • Außerdem ändern sich einige Regeln: so müssen Dax-Anwärter mindestens seit zwei Jahren Gewinn machen.
  • Der Wirecard-Nachfolger Delivery Hero hätte damit nun keine Chance mehr, in die oberste deutsche Börsen­liga aufgenommen zu werden.
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Hnnover. Der Deutsche Aktien­index (Dax) wächst. Seit diesem Montag umfasst er statt 30 nun 40 Konzerne. Es ist die größte Veränderung seit seiner Gründung vor 33 Jahren.

Mit dem deutsch-französischen Flugzeughersteller Airbus bekommt der deutsche Leitindex ein weiteres Schwergewicht auf dem Niveau des Autoherstellers Daimler oder des Versicherungsriesen Allianz.

Neu auf dem Kurszettel stehen außerdem der Chemikalienhändler Brenntag, der Kochboxenlieferant Hellofresh, die Holdinggesellschaft Porsche, der Sportartikelhersteller Puma, das Biotechnologie- und Diagnostikunternehmen Qiagen, der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius, der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers, der Aromen- und Duftstoffehersteller Symrise sowie der Online-Modehändler Zalando.

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Außerdem verschärft die Deutsche Börse nach dem Wirecard-Skandal auch ihr Regel­werk.

Dax 40: Was ändert sich jetzt?

Der Dax bildet seit diesem Montag die 40 größten deutschen börsennotierten Unternehmen ab. Jedes Unternehmen wird im Dax unterschiedlich gewichtet. Die Aktien­kurse der Konzerne tragen also unterschiedlich stark zum Punkte­stand des Dax bei. Die Gewichtung bestimmt sich nach der Markt­kapitalisierung, also dem Wert aller frei handelbaren Aktien im Dax.

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Derzeit hat zum Beispiel der Software­konzern SAP mit 10,2 Prozent die größte Gewichtung im Dax (Stand Juni 2021), gefolgt vom Industriegas­ekonzern Linde mit 10,1 Prozent. Die geringste Gewichtung haben derzeit der Chemie­konzern Covestro (0,8 Prozent) und der Baustoff­konzern Heidelberg Cement (0,9 Prozent).

Mit der Aufnahme der zehn neuen Unternehmen in den Dax wird diese Gewichtung angepasst. Damit soll die deutsche Wirtschaft besser abgebildet werden. Denn oft wurde kritisiert, dass der Dax einseitig die Old Economy repräsentiert: Dazu zählt der Maschinen­bau-, die Auto­mobil-, die Bau- oder die Chemie­industrie. Dienstleistungs­unternehmen seien dagegen unterrepräsentiert.

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„Der Dax wird künftig mehr Werte und mehr Branchen der deutschen Wirtschaft abbilden“, sagt Andreas von Brevern, Sprecher der Deutschen Börse. Laut einer Analyse der Deutschen Bank wird der Dax 40 „insgesamt diversifizierter, robuster und etwas jünger“. Die Zahl der Unternehmen, die jünger als 50 Jahre sind, dürfte sich demnach in etwa verdoppeln, liege aber weiterhin im einstelligen Bereich.

Welche Aktien profitieren von der Dax-Erweiterung?

Am ehesten die der zehn Aufsteiger. Denn der Dax-Eintritt bedeutet für sie nicht nur einen Image­gewinn. Es gibt auch unzählige Fonds, die den Dax abbilden, also Aktien­pakete in genau der Gewichtung des Dax halten. Diese Fonds mussten nun umgeschichtet werden – das heißt, dass Aktien alter Dax-30-Unternehmen verkauft und Aktien neuer Dax-Mitglieder gekauft werden mussten, um wieder das Gleich­gewicht herzustellen.

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Allerdings sollten Anleger diesen Effekt nicht überschätzen, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutz­vereinigung für Wertpapier­besitz (DSW) im Vorfeld. Denn die Neuordnung sei ja keine Überraschung mehr. Auch Norbert Kuhn vom Deutschen Aktien­institut sagte schon vor einigen Wochen: „Bereits jetzt haben die Kurse der Aufsteiger mehrheitlich stark zugelegt, sodass Effekte auf die Rendite dem Dax-Aufstieg schon voraus­gegangen sind.“

Dax-Erweiterung: Was hat Wirecard damit zu tun?

Der Skandal um den Zahlungs­dienstleister Wirecard hat der Deutschen Börse vor Augen geführt, dass ihr Regel­werk große Lücken hat. Es musste also schnellst­möglich reformiert werden – und dann hat man auch gleich den Dax auf 40 Unternehmen erweitert. Das hatten die Börsen­verantwortlichen schon länger vor. Der Wirecard-Skandal hat das Ganze nun beschleunigt.

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Inwiefern wird das Regel­werk nun angepasst?

Als der milliarden­schwere Betrug von Wirecard im Sommer 2020 aufflog, konnte sich der Konzern noch monate­lang im Dax halten. Die deutsche Börse hatte keine Hand­habe, den Konzern aus dem Index zu werfen, obwohl er quasi nichts mehr Wert war.

Das soll künftig nicht mehr passieren können. Deshalb sind Dax-Unternehmen schon seit März dieses Jahres verpflichtet, testierte Geschäfts­berichte und Quartals­berichte zu veröffentlichen. Wirecard hatte damals die Veröffentlichung der Geschäfts­berichte wieder und wieder verschoben, um den Betrug zu verschleiern. Halten sich Firmen nicht an die neue Veröffentlichungs­pflicht, werden sie nach einer 30-tägigen Frist aus dem Dax ausgeschlossen.

Dax 40: Welche Änderungen gibt es noch?

Nachdem Wirecard aus dem Dax ausgeschlossen wurde, stieg der Essens­lieferdienst Delivery Hero in den Leitindex auf. Auch das zog viel Kritik nach sich, denn Delivery Hero hat bis heute keinen Gewinn erwirtschaftet.

Bereits seit Dezember 2020 müssen Unternehmen, die in den Dax einziehen wollen, nun nachweisen, dass sie profitabel sind. Das bedeutet, dass sie mindestens in den voran­gegangenen beiden Geschäfts­jahren Gewinn gemacht haben müssen. Für Delivery Hero ändert das aber nichts: Die Gewinn­regel gilt nicht rück­wirkend.

Außerdem wird die Zusammen­setzung im Dax künftig zweimal pro Jahr überprüft, nämlich im März und September. Bisher gab es diese Überprüfung nur einmal im Jahr im September.

Künftig wird dann auch nur noch die Markt­kapitalisierung, also der Wert aller frei handelbaren Aktien, als Entscheidungs­grundlage dienen, ob ein Unternehmen in den Dax aufgenommen wird. Der Börsen­umsatz spielt keine Rolle mehr. Dieser beschreibt, wie stark ein Wert­papier in einem bestimmten Zeit­raum an der Börse gehandelt wird. Es geht also künftig nur noch darum, wie viel der Konzern an der Börse wert ist – und nicht mehr, wie häufig die Aktien den Besitzer wechseln.

Damit Anleger trotzdem kaufen und verkaufen können, wann sie wollen, müssen Dax-Mitglieder jetzt eine Mindest­liquidität aufweisen. Der Börsen­umsatz muss dabei mindestens eine Milliarde Euro oder 20 Prozent des handelbaren Börsen­werts pro Jahr betragen.

Dax-Erweiterung: Gibt es Kritik an den Neuregelungen?

Ja, wie immer gibt es auch Kritik. Zum Beispiel hatten Rüstungs­gegner und Umwelt­schützer gefordert, dass der Dax moralischer werden soll und bei der Auswahl der Mitglieder Kriterien wie Umwelt, Soziales und gute Unternehmens­führung ebenfalls gewichten sollte.

Konkret stand zum Beispiel zur Debatte, Unternehmen von der Dax-Mitgliedschaft auszuschließen, die mehr als 10 Prozent ihres Umsatzes mit der Herstellung umstrittener Waffen machen. Das wäre für den Luft- und Raumfahrt­konzern Airbus zum Problem geworden, der nun in den Dax aufgestiegen ist. Banken, Investoren und Verbände hatten sich aber gegen eine solche Regelung gestellt und sich durchgesetzt.

Außerdem kritisiert die Deutsche Bank in einer Analyse, dass das neue Kriterium zur Profitabilität die Aufnahme von jungen, aufstrebenden Unternehmen, etwa aus dem Technologie­sektor, erschwert, weil diese zunächst häufig keine schwarzen Zahlen schreiben.

So hat zum Beispiel der Auto­bauer Tesla erst 2020 Gewinn gemacht. Weil die Amerikaner Profitabilität aber nicht als Kriterium sehen, ist Tesla schon seit 2013 im renommierten Technologie­index Nasdaq 100 gelistet und hat sich seitdem zum wertvollsten Auto­bauer der Welt entwickelt.

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