Das Rot kann weg: Die ICE-Flotte bekommt einen neuen Anstrich

  • Die Deutsche Bahn will bei ihren ICE-Zügen weitgehend auf den charakteristischen roten Seitenstreifen verzichten.
  • Stattdessen setzt das Unternehmen auf grüne Streifen - um den Klimaschutz zu betonen.
  • Eigentlich geht es der Bahn aber um mehr - der Konzern braucht dringend Geld für seine Klimastrategie.
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Berlin. In Großstädten Fernzüge im 30-Minuten-Takt, WLAN auch im Intercity, mehr Plätze in Pendlerzügen: So will die Deutsche Bahn nach ihrer neuen Konzernstrategie mehr Verkehr auf die Schiene verlagern. Die neue Zielrichtung soll auch für Bahnkunden sichtbar werden - in einem neuen Außendesign der ICE-Flotte.

Deren charakteristischer roter Seitenstreifen soll nun einem grünen Band weichen. "Dass Bahnfahren aktiven Klimaschutz bedeutet, erkennt man künftig schon beim Blick auf die Züge", kündigte das Unternehmen an. Manch einem Bahnfahrer könnte die Optik bekannt vorkommen. Denn zur Feier der Eröffnung des neuen ICE-Instandhaltungswerks in Köln hatte die Bahn bereits einzelne Züge mit entsprechendem Anstrich präsentiert

Das soll nun auf die ganze Flotte übertragen werden: "An den beiden Wagen mit dem markanten ICE-Profil an der Spitze und am Ende des Zuges wird der rote Streifen durch einen grünen ersetzt", teilte der Bahn-Konzern mit.

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Mehr als ein Bisschen Farbe

Bei einer Vorstellung der Bahn-Pläne am Dienstag ging es allerdings um mehr als ein Bisschen Farbe. Konzernchef Richard Lutz und der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, präsentierten die Strategie der Bahn für die kommenden Jahre. Grundlage der neuen Konzernstrategie ist ein 170-Seiten-Papier mit dem Titel "Starke Schiene", das Lutz im Juni dem Aufsichtsrat präsentiert hatte. Das Bundesunternehmen zieht damit einen Schlussstrich unter frühere internationale Expansionspläne.

"Deutschland wird seine Klimaziele nur erreichen, wenn es im kommenden Jahrzehnt gelingt, massiv Verkehr auf die Schiene zu verlagern", argumentiert Lutz in dem Papier. "Die starke Schiene hilft unserem Land." Alles, was die Bahn tut, soll sich auf die Stärkung der Eisenbahn in Deutschland ausrichten. Im Fernverkehr soll sich die Zahl der Fahrgäste nahezu verdoppeln, in Regionalzügen soll sie um die Hälfte zulegen.

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Mehr Kapazitäten und ein Halbstundentakt

Investieren will die Bahn vor allem in Mitarbeiter, neue Züge und Infrastruktur. Die Kapazität des Schienennetzes soll um 30 Prozent steigen - nicht nur durch neue Gleise, sondern auch durch Digitaltechnik, mit der die Züge dichter fahren können. Die Zahl der Fernverkehrszüge soll von rund 460 auf bis zu 600 wachsen.

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Weitere Ziele sind: 100 Prozent Ökostrom im Jahr 2038, ein Halbstundentakt für die Fernzüge in mehr als 30 Großstädten, doppelte Kapazität in den Bahnhöfen und einfachere Übergänge zu Fahrrädern, Bussen, Mietwagen und Tretrollern.

Finanzierung offen

Bis 2021 sollen alle Fernzüge kostenfreies WLAN erhalten - also auch Intercity-Züge. Wie der hoch verschuldete Konzern die Ziele der neuen Strategie im Einzelnen finanzieren soll, ist aber noch weitgehend offen.

Zugleich erneuerte Lutz seine Forderung an die Politik, die Mehrwertsteuer auf Bahntickets im Fernverkehr zu senken. "Den finanziellen Vorteil würden wir mit günstigeren Fahrpreisen eins zu eins an unsere Kunden weitergeben“, kündigte Konzernchef Richard Lutz am Dienstag in Berlin an. Zudem würden dann weitere neue Züge bestellt. Die Steuersenkung könnte bei der Sitzung des Klimakabinetts am 20. September ein Thema sein.

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