Das Ende der Girokarte? DKB will Visa-Debitkarten zum Standard machen

  • Die Deutsche Kreditbank DKB will bald allen Kundinnen und Kunden neue Visa-Debitkarten zuschicken. Damit soll das Doppelmodell aus Giro- und Kreditkarte langfristig abgelöst werden.
  • Verbraucherschützer warnen, dass viele kleine Geschäfte die Karten nicht akzeptieren.
  • Außerdem könnte ein neues Urteil des Bundesgerichtshofs die Einführung erschweren.
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Hannover. Viele Bankkunden und -kundinnen haben im Alltag mehrere Plastikkarten in Gebrauch: Die klassische Girokarte für das Abheben von Bargeld am Automaten und das Bezahlen im Geschäft sowie eine Kreditkarte fürs Onlineshopping und den Einsatz im Ausland.

Die Deutsche Kreditbank DKB will das jetzt ändern und ihren fast fünf Millionen Kundinnen und Kunden künftig nur noch eine sogenannte Visa-Debitkarte zur Verfügung stellen. „Bei Einführung erhalten alle Bestands- und Neukund*innen die Debitkarte automatisch“, sagt DKB-Pressesprecher Hauke Kramm. Die Giro- und Kreditkarten sollen aber vorerst weiterhin verfügbar bleiben. Man prüfe derzeit die genauen Details, heißt es.

Debitkarten belasten Konto sofort

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Eine Debitkarte ist eine Mischform zwischen Girokarte und Kreditkarte. Debit heißt übersetzt Lastschrift oder Abbuchung, denn bei einer Debitkarte wird das Konto beim Bezahlen sofort belastet – und nicht wie bei herkömmlichen Kreditkarten erst im darauffolgenden Monat.

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Die Debitkarte ist also keine Kreditkarte, die einen Kredit gewährt. Trotzdem wird sie von den führenden beiden Kreditkartenunternehmen herausgegeben: von Visa und Mastercard. Sie biete genau das, was die Kundinnen und Kunden wollten, wirbt DKB-Sprecher Kramm: Onlineshopping, weltweite Akzeptanz und gleichzeitig eine direkte Abbuchung vom Konto.

Viele kleine Geschäfte akzeptieren keine Kreditkarten

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Verbraucherschützer aber sind skeptisch. „Viele kleine Geschäfte akzeptieren keine Visa- oder Mastercards“, warnt David Riechmann, Referent für Bank- und Kapitalmarktrecht bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „In anderen Geschäften kann man nur ab einem bestimmten Wert, also zum Beispiel ab 50 Euro, mit Kreditkarte zahlen“, sagt er.

Das hänge damit zusammen, dass die Kreditkartenfirmen oft höhere Gebühren von den Händlern verlangten. „In Deutschland ist das Girosystem weit verbreitet und akzeptiert. Verbraucher werden deshalb nur ungern ihre Girokarte hergeben“, glaubt Riechmann.

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Dagegen sei die Bargeldabhebung mit Visa- oder Master-Debitkarten kein Problem. „Die meisten Automaten in Deutschland haben mittlerweile ein Visa- und Mastercard-Zeichen und akzeptieren diese Karten“, sagt er. Meistens ist die Bargeldabhebung kostenlos, bei vielen Banken sogar europa- oder weltweit.

Sparkasse bietet Girocard mit Debit-Mastercard-Funktion

Auch andere Banken experimentieren mit dem Debit-Modell. So bieten einige Sparkassen seit Neuestem eine neue Sparkassen-Card mit Debit-Mastercard-Funktion an. Dabei bleibt die Karte formal eine Girokarte, hat aber trotzdem die 16-stellige Kartennummer, das Ablauf­datum und die Prüf­ziffer, die man fürs Onlineshopping braucht.

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Anders als die DKB will die Sparkasse aber nicht standardmäßig die alten Karten durch neue Debit-Karten ersetzen. Es handelt sich um ein zusätzliches oder alternatives Angebot, für das sich die Kundinnen und Kunden entscheiden können, wenn sie möchten.

Finanzexperte Riechmann weist darauf hin, dass genau das das Problem der DKB werden könnte. Denn der Bundesgerichtshof hat kürzlich entschieden, dass Banken ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht einfach ohne die Zustimmung der Kundinnen und Kunden ändern dürfen. In dem Verfahren ging es um eine Gebührenerhöhung bei der Postbank – aber das Urteil hat weitreichende Folgen für die gesamten Branche.

So wollte auch die Comdirect-Bank ihre Kontenmodelle komplett überarbeiten und unter anderem alle Kundinnen und Kunden mit einer Debit-Karte ausstatten. Die Girokarte wäre dann nur noch auf Wunsch verfügbar gewesen. Doch mit dem BGH-Urteil hat die Comdirect ihre Pläne erst mal wieder eingestellt.

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