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Daimler erhöht die Dividende – trotz Krise und Kurzarbeit

  • Über 50 Prozent mehr Ausschüttung pro Aktie können sich Anteilseigener von Daimler freuen.
  • Konzernchef Källenius begründet die finanziellen Erfolge mit einer „guten Preisdurchsetzung“ mit „strenger Kostendisziplin“.
  • Aber auch Kurzarbeit, die Mehrwertsteuersenkung und staatliche Kaufprämien verhalfen dem Konzern zu diesem Plus.
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Stuttgart. Gewinne gesteigert, Dividende kräftig erhöht. Und in diesem Jahr soll das alles noch einmal forciert werden. Beim Autobauer Daimler sieht es mitten der Covid-Pandemie überhaupt nicht nach Krise aus. Auf der virtuellen Hauptversammlung stimmte Konzernchef Ola Källenius die Aktionäre auf steigende Profitabilität ein. Während Nicht-Regierungsorganisationen demonstrierten. Der Vorwurf: Bereicherung auf Kosten des Steuerzahlers und der eigenen Belegschaft.

Daimler hat im vergangenen Jahr trotz geschrumpftem Absatz und Umsatz mit vier Milliarden Euro erheblich mehr als 2019 verdient. Die Anteilseigner profitieren davon – mit einer um 50 Prozent auf 1,35 Euro erhöhten Ausschüttung pro Aktie. Rund 1,4 Milliarden Euro werden verteilt. Zu den wichtigsten Aktionären zählen das Emirat Kuwait und der chinesische Milliardär Li Shufu.

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Daimler nutzt Kurzarbeitergeldregelung geschickt

Die hohe Nachfrage auf dem wichtigen chinesischen Markt, die schon im Frühjahr wieder anzog, war ein Faktor für den Gewinnsprung. Källenius begründete die finanziellen Erfolge aber auch mit einer „guten Preisdurchsetzung“ mit „strenger Kostendisziplin“. Dabei hat der Konzern die großzügigen Regelungen der Bundesagentur für Arbeit beim Kurzarbeitergeld geschickt genutzt. Allein mit diesem Instrument konnten die Arbeitskosten um rund 700 Millionen Euro gedrückt werden.

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Große Teile der Belegschaft hätten durch die Kurzarbeit aber finanzielle Einbußen erlitten, erläuterte Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte der Umweltorganisation BUND – er gehört auch zum Vorstand des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Daimler sei eher den Anteilseignern als den eigenen Mitarbeitern verpflichtet, so Hilgenberg. Überdies hätten die Mehrwertsteuersenkung und die staatlichen Kaufprämien für elektrifizierte Autos dem Konzern das Geldverdienen erleichtert.

Aufsichtsratschef Bischoff verteidigt Vorgehen

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Damit würden aber auch Plugin-Hybride (mit Elektro- und Verbrennungsmotor) gefördert, die offiziell extrem niedrige Verbrauchswerte zeigten, tatsächlich aber teilweise mehr Sprit schluckten als vergleichbare Pkw mit konventionellen Antrieben. Tests von Umweltorganisationen haben dies bestätigt. „Trotz oder gerade wegen der Corona-Krise verzeichnete die Daimler AG im vorigen Jahr einen Gewinnsprung“, sagte der BUND-Experte. Neben den Kritischen Aktionären demonstrierten am Mittwoch auch Aktivisten von Attac und der Bürgerbewegung Finanzwende an Daimler-Standorten in Berlin und Stuttgart und forderten: „Lockdown für Dividenden“.

Der scheidende Aufsichtsratschef Manfred Bischoff verteidigte die Ausschüttung. Die Unterstellung die Dividende würde mit Steuergeld finanziert, sei „schlicht und einfach“ falsch. So handele es sich beim Kurzarbeitergeld um eine Versicherungsleistung der Arbeitslosenkasse. Källenius hat mehrfach betont, dass Daimler über Jahre da viel Geld eingezahlt habe.

Luxuriöse Pkw und Elektromobilität

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Für 2021 erwartet der schwedische Vorstandschef unterdessen, dass Absatz, Umsatz und der Gewinn deutlich über dem Vorjahresniveau liegen werden. Im ersten Quartal habe sich ein positiver Trend fortgesetzt. Dabei spielten wiederum China und eine gute Preisdurchsetzung eine maßgebliche Rolle. Daimler hat wie viele andere Autobauer in den vergangenen zwölf Monaten die Rabatte für seine Pkw erheblich gestutzt. Damit einher ging ein gezieltes Herunterfahren von Kapazitäten inklusive Stellenstreichungen, und hinzu kam das Kurzarbeitergeld – nicht nur in Deutschland.

Für dieses Jahr hat sich Källenius noch einiges mehr vorgenommen. Er plant einen großen Konzernumbau: Die Nutzfahrzeugsparte, da ist Daimler Weltmarktführer, soll abgespalten und an die Börse gebracht und der Konzern in Mercedes-Benz AG umbenannt werden. Bei den Pkw setzt er auf mehr Elektromobilität und mehr Luxus. Tesla ist da eines der Vorbilder.

Ziel ist auch, mit E-Autos hohe Renditen zu erwirtschaften, und das soll mit großen Limousinen und schweren SUV funktionieren, da dort die teuren Batterien bei den Kosten weniger zum Tragen kommen als bei kleineren Autos – Experten vermuten sogar, dass sich Daimler in absehbarer Zeit von der kompakten A- und der B-Klasse verabschieden könnte. Hilgenberg mahnte indes: Wenn Daimler sich nun „nachhaltigen Luxus“ auf die Fahnen schreibe, dann dürfe der Konzern nicht weiter Mogelpackungen wie schwere Plugin-Hybride auf den Markt bringen. Vor allem: „Die neue Mercedes-Benz AG muss endlich ein zeitnahes Enddatum für den Verbrenner benennen“.

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