Curevac: Das ist das Unternehmen, das den Corona-Impfstoff liefern soll

  • Weltweit suchen Wissenschaftler nach einem Impfstoff gegen Covid-19.
  • Im Rennen darum steigt der deutsche Staat mit 300 Millionen Euro beim Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac ein.
  • In die Firma von Mehrheitseigner Dietmar Hopp werden große Hoffnungen gesetzt – nicht zum ersten Mal.
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Hannover. Der Bundespräsident gratulierte, und natürlich spielte dabei auch die Pandemie eine Rolle. Als Dietmar Hopp Ende April seinen 80. Geburtstag feierte, drückte Frank-Walter Steinmeier in einem Schreiben – neben den besten Glückwünschen – auch die Hoffnung aus auf “Fortschritte Ihrer Biotech-Firma bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das schreckliche Coronavirus”.

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CureVac kann Tests mit Coronaimpfstoff starten
1:32 min
Das Biotec-Unternehmen CureVac kann möglicherweise 2021 einen Impfstoff gegen Corona anbieten.  © Reuters

Der SPD-Politiker zielte damit auf CureVac, das 460 Mitarbeiter große Unternehmen aus Tübingen, das im weltweiten Wettlauf um einen Corona-Impfstoff vorne mit dabei ist. Und das zum Portfolio von SAP-Gründer und Milliardär Dietmar Hopp gehört. Im Jahr 2000 wurde es aus der Universität heraus gegründet. Im Kampf gegen Sars-CoV-2 werden inzwischen große Hoffnungen auf die Hopp-Firma gesetzt – und ihre molekularen Hightechprodukte, die dabei eine entscheidende Rolle spielen könnten.

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Die Pandemie ist erst mit einem Impfstoff endgültig besiegt

Erst wenn ein Impfstoff gegen die vom Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 gefunden ist, gilt auch die Pandemie als besiegt. Es wäre die Rückkehr in einen Alltag ohne Beschränkungen und ohne Angst vor einer neuen Infektionswelle. Doch wann kommt der Impfstoff? Weltweit laufen mehr als 120 Projekte, große Konzerne wie Sanofi sind dabei – und das zum Hopp-Imperium gehörende Tübinger Unternehmen CureVac.

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Auch der deutsche Staat mischt jetzt mit, zumindest indirekt. Am Montag wurde bekannt, dass der Bund über die staatseigene Förderbank KfW 300 Millionen Euro in das Unternehmen investiert – und dafür eine Beteiligung von 23 Prozent erhält. Ziel sei es, so Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), dem Unternehmen von Mehrheitseigner Hopp mehr finanzielle Sicherheit zu geben. Altmaier sagte, dass die Technologie von CureVac das Potenzial habe, neue Impfstoffe und Behandlungsmöglichkeiten für viele Menschen zu entwickeln.

Dabei setzen die Tübinger vor allem auf das sogenannte messenger-RNA-Verfahren (mRNA). Vereinfacht gesagt ahmen Impfstoffe auf dieser Basis Krankheitserreger nach, die dem Immunsystem als Vorlage dienen, eigene Antikörper herzustellen – und so das Virus auszuschalten. Der Vorteil von mRNA-Impfstoffen ist, dass sie deutlich einfacher und schneller zu produzieren sind. Schon geringe Mengen reichen außerdem aus, um Millionen Menschen zu impfen.

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Wegen Corona: Wechsel an der Spitze bei CureVac

Die Corona-Krise hat CureVac neue Aufmerksamkeit beschert, intern allerdings führte sie zu reichlich Unruhe, vor allem an der Spitze. Am 13. März war bekannt geworden, dass CEO Daniel Menichella sein Amt aufgeben muss. Wie verschiedene Medien berichteten, trauten die Investoren Menichella nicht zu, schnell genug die Entwicklung eines Impfstoffs voranzutreiben. Der langjährige Firmenboss Ingmar Hoerr übernahm seinen Posten, um ihn nur wenige Tage später “aus gesundheitlichen Gründen” wieder abzugeben. Interimsmäßig sprang der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Franz-Werner Haas ein.

Seit Januar forscht die Tübinger Firma an einem Impfstoff gegen Corona. Erste Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung: Mitte Mai veröffentlichte das Biotech-Unternehmen positive präklinische Ergebnisse, noch im Juni sollten ersten klinische Studien mit gesunden Freiwilligen starten. Laut “Badische Neueste Nachrichten” rechnet CureVac aber trotz verhältnismäßig günstiger mRNA-Technologie mit Impfstoffkosten von rund 500 Millionen Euro. Geld, das die Firma nicht hat, wie Aufsichtsrat Friedrich von Bohlen Ende April noch zugeben musste. Dass der deutsche Staat nun mit einem Millioneninvestment einsteigt, kommt den Tübingern also gelegen.

Auch US-Präsident Trump hatte Interesse an CureVac

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Es ist auch nicht das erste Mal, dass CureVac das Interesse der Politik weckt. Noch im März hatte US-Präsident Donald Trump laut “Welt am Sonntag” versucht, einen möglichen Impfstoff exklusiv für die USA zu sichern, dafür bot er der Firma einen hohen Betrag. Doch das Hopp-Unternehmen lehnte ab. Eine Haltung, die von der Bundesregierung begrüßt wurde. “Deutschland steht nicht zum Verkauf”, hatte Wirtschaftsminister Altmaier seinerzeit gesagt.

Mit dem Einstieg über 300 Millionen Euro hat der Staat den Worten nun auch unmissverständlich Taten folgen lassen.









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