Coronavirus vor Gericht: Arbeitgeber verbietet Gesichtsmasken doch nicht

  • Sie arbeiten am Flughafen, wollten wegen des Coronvirus Gesichtsmasken tragen, doch die Chefs sahen das gar nicht gern.
  • So schilderte es jedenfalls der Betriebsrat einer Duty-Free-Kette aus Berlin - und zog vor Gericht.
  • Jetzt haben die Beschäftigten die Zusage, dass sie die Masken tragen dürfen.
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Dürfen Beschäftigte auf Arbeit Schutzkleidung wegen des Coronavirus tragen, wenn sie es wollen? Nein, befand angeblich der Betreiber einiger Duty-Freeshops an den Flughäfen Schönefeld und Tegel in Berlin. Er verbot laut Betriebsrat seinen Mitarbeitern das Tragen der Schutzmasken und Handschuhen. “Wenn du das weiter trägst, schicken wir dich nach Hause”, sollen die Chefs dem Arbeitnehmer-Anwalt zufolge gesagt haben, berichtet die Bild-Zeitung.

Demnach waren die Mitarbeiter schon Ende Januar verunsichert, fragten via Betriebsrat nach, ob die Schutzmaßnahmen erlaubt seien. Eine Antwort habe die betriebliche Interessenvertretung nicht bekommen - obwohl die Beschäftigten an einem der “Hotspots” in Punkto Infektionsgefahr tätig seien, wie Betriebsrats-Chefin Melanie Urbschat der Zeitung sagte.

Der Knackpunkt aus ihrer Sicht: Eine Untersagung von Handschuhen und Gesichtsmasken ist mitbestimmungspflichtig - der Betriebsrat muss in der Sache also angehört werden. Weil das nicht passiert sei, zogen die Arbeitnehmer vor Gericht.

Arbeitgeber genehmigt Schutzmasken

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Dort klärte sich die Sache aber schnell: Wie die Bild-Zeitung weiter berichtet, erschien die Arbeitgeberseite gar nicht erst. Stattdessen sei eine Stellungnahme eingegangen, der zufolge das Tragen von Handschuhen “ausdrücklich genehmigt” ist. Sofern es sich die Arbeitgeberseite nicht binnen zehn Tagen anders überlegt, ist das Verfahren damit erledigt. (Aktenzeichen 55 BVGa 2341/20)

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Bei der zuständigen Gewerkschaft Verdi freut man sich indes über die Entscheidung. „Ein großer Erfolg. Nur über den Betriebsrat ist es möglich, diese Verhältnisse zu klären. Wir als Gewerkschaft sagen: Wenn gesundheitliche Gefahren bestehen, muss dem Genüge getan werden,“ erklärte Gewerkschaftssekretärin Conny Weißbach gegenüber der Bild-Zeitung.

Wie sinnvoll sind Schutzmasken?

Inwiefern ein Mundschutz und Handschuhe gegen das Coronavirus schützen, ist allerdings mehr als unklar: Einfache OP-Masken helfen laut Weltgesundheitsorganisation kaum, notwendig sind professionelle Masken (Schutzstufe FFP2, FFP3 oder besser). Weil diese vor allem in Krankenhäusern gebraucht werden, rufen Experten dazu auf, keine privaten Vorräte anzulegen.

Auch Handschuhe entfalten nur begrenzte Wirkung. Sie müssen sehr regelmäßig gewechselt werden - und regelmäßiges gründliches Händewaschen sowie das Vermeiden des in-das-Gesicht-Fassens sind ebenfalls hilfreich.

RND/dpa/hö


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