Coronavirus: Neustart mit Hindernissen in chinesischen Fabriken

  • Die Coronavirus-Epidemie hat weite Teile der chinesischen Wirtschaft außer Gefecht gesetzt.
  • Nun wollen Werke den Betrieb wieder aufnehmen.
  • Aber ihnen fehlen wichtige Rohstoffe und Arbeitskräfte.
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Sie stellen eigentlich Smartphones, Spielzeug und andere Artikel für den Weltmarkt her, aber ihre Fließbänder stehen still. Das neuartige Coronavirus hat zahlreiche Fabriken in China lahmgelegt. Die Werke bemühen sich mittlerweile zwar, ihre Produktion wieder aufzunehmen. Doch trotz Hilfszusagen der Regierung könnte es nach Ansicht von Unternehmen und Ökonomen Monate dauern, bis wieder Normalität in der chinesischen Wirtschaft einkehrt.

Das Problem liegt bei den Lieferketten - also Tausenden Betrieben, die etwa Autoteile, Reißverschlüsse und Mikrochips beisteuern. Die chinesischen Zulieferer sind zwar bekannt für ihre Schnelligkeit und Flexibilität. Ihnen fehlen aber Rohstoffe und Arbeiter, seit wegen der Epidemie Fabriken geschlossen, Reisebeschränkungen verhängt und Städte mit mehr als 60 Millionen Einwohnern weitgehend abgeriegelt wurden.

Die Smartphone-Produktion ist nach Angaben von Zulieferern auf zehn Prozent ihres normalen Niveaus eingebrochen, wie Nicole Peng vom Forschungsinstitut Canalys erklärt. "Die schlechte Nachricht ist, dass es weitere Folgen haben wird, und die Folgen sind schlimmer, als viele Leute zunächst erwartet haben." Die Branche ist bei der Endgerätemontage fast vollständig auf China angewiesen.

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Am härtesten trifft die teilweise Stilllegung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt bisher die Reisebranche und der Einzelhandel. Doch auch Unternehmen wie Apple klagen über erste Unterbrechungen in ihren Lieferketten. Je länger diese Störungen dauern, so warnen Analysten, desto mehr wird sich der Schaden auf andere Industriezweige und Länder ausweiten.

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Wir sind abhängig von China

Globale Unternehmen greifen für die Montage ihrer Waren schon seit drei Jahrzehnten auf Billigarbeit in China zurück. Heute sind sie zunehmend abhängig von der Volksrepublik bei der Zulieferung von Auto-, Computer- und anderen Teilen. Lieferunterbrechungen können das Land wie zu einem Flaschenhals machen - den Absatz drosseln.

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Laut optimistischsten Vorhersagen könnte das Virus bis März unter Kontrolle gebracht werden. Dann könnte sich die Produktion erholen. Düsterere Prognosen gehen aber davon aus, dass die Epidemie bis Mitte Mai oder länger dauern könnte. Die Weltgesundheitsorganisation warnte gar vor wenigen Tagen, die Behörden könnten es eventuell gar nicht schaffen, die globale Ausbreitung zu verhindern.

Noch weit entfernt von Normalität

Autobauer und andere Fabriken nehmen zwar gerade den Betrieb wieder auf. Aber zur Normalproduktion werden sie nach Einschätzung von Analysen frühestens Mitte März zurückkehren. Hinweise auf Auswirkungen für Verbraucher im Ausland gibt es bis jetzt nicht. Doch die ersten Einzelhändler warnen bereits davor, dass einige Produkte verspätet geliefert werden könnten oder gar nicht erhältlich sind.

China ist auch einer der größten Chemiezulieferer für die weltweite Pharmaindustrie. Der Ausbruch des Coronavirus hat Besorgnis ausgelöst, dass es auch hier zu Lieferengpässen und damit zu Störungen bei der Medikamentenproduktion kommen könnte.

Regierung will helfen - aber wie?

Präsident Xi Jingping hat sich persönlich dafür stark gemacht, die Industrie wiederzubeleben und Steuererleichterungen versprochen. Doch solange die Auflagen wegen des Coronavirus noch in Kraft sind, werden finanzielle Hilfen nach Expertenmeinung wohl wenig nützen: Denn den Fabriken fehlen weiter Mitarbeiter, und der Warenverkehr ist unterbrochen. Da der Flug-, Bahn- und Busverkehr gestoppt wurde, sitzen Millionen Arbeiter fest, die zum chinesischen Neujahrsfest in ihre Heimatorte gereist waren.

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Zuletzt vermeldete auch die deutsche Wirtschaft Probleme in China: “Die mehr als 5000 deutschen Unternehmen in China sind derzeit in Beschaffung, Produktion und Absatz stark eingeschränkt”, sagte Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Ähnlich äußerten sich auch die Industrie und Handelskammern sowie weitere Verbände.

Produktion läuft wieder an

In exportorientierten Küstenprovinzen liege die Fabrikproduktion bereits wieder bei 70 Prozent des Normalumfangs, betont die Regierung hingegen. Die Folgen der Epidemie seien “kurzfristig und allgemein beherrschbar”, so der Generalsekretär der Planungsbehörde, Cong Liang. Experten aus der Privatwirtschaft zeigten sich weniger optimistisch: Die wirtschaftliche Aktivität habe wohl erst wieder 45 Prozent erreicht, sagen sie. Manche Hersteller schauen sich nach Angaben der Agentur Global Sources schon nach Alternativen um. Die Agentur vermittelt zwischen Käufern und chinesischen Zulieferern. Ausländische Anbieter könnten allerdings nicht mit den chinesischen Preisen und dem Service mithalten.

RND/AP/hö

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