Coronavirus: Bekommen die Banken nun ein Problem?

  • Der Chefökonom der Deutschen Bank erwartet, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 7,5 Prozent schrumpft.
  • Jetzt wächst die Angst, dass auch die Geldhäuser in Schieflage geraten könnten.
  • Branchenvertreter dämpfen die Sorge – und sehen die Regierung in der Pflicht.
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Die Ansage von Stefan Schneider ist eindeutig. Er spricht von einem Einbruch, den wir so “noch nicht gesehen haben”. Der Chefökonom für Deutschland bei der Deutschen Bank geht davon aus, dass die hiesige Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 7,5 Prozent schrumpfen wird. Der Verband der privater Banken (BdB) zieht daraus die Schlussfolgerung, dass Geld zur Stützung von Unternehmen nun schnell kommen muss. Die Lobby fordert, dafür Regularien für die Geldhäuser zu lockern.

Es gehe nun darum, Arbeiternehmer und Unternehmen zu schützen, sagte Christian Ossig, BdB-Hauptgeschäftsführer, am Mittwoch. Wenn dies gelinge, seien auch Sorgen um die Stabilität der Finanzinstitute unnötig. Diese ausdrückliche Entwarnung kommt nicht von ungefähr. Mit der Verschärfung der Coronakrise ist in den vergangenen Tagen die Angst gewachsen, dass demnächst auch Banken in Schieflage kommen könnten.

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Kein “systemisches Risiko”

Der Mechanismus ist relativ einfach: Unternehmen gehen wegen Einnahmeeinbrüchen pleite. Sie können ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. Eine Ansteckung der Finanzbranche könnte die Folge sein. Notleidende Banken können dann keine neuen Kredite mehr vergeben, der Abwärtsstrudel der Wirtschaft würde sich beschleunigen.

Doch Felix Hufeld, Präsident der Bankenaufsicht Bafin, kann kein “systemisches Risiko” erkennen. Und auch Ossig sieht die Finanzwirtschaft nicht als Teil des Problem, sondern als Teil der Lösung. Es gebe weder eine Finanz- und noch eine Bankenkrise. So wie damals 2009 und in den folgenden Jahren. Die Banken verfügen heute über erheblich höhere Finanzpuffer in Form von Eigenkapital, können also Kreditausfälle besser wegstecken – dank strengerer Regeln, die nach der 2009er-Krise eingeführt wurden. Sie haben zudem flüssige Mittel in riesigen Mengen.

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Schnelle Umsetzung der Hilfsprogramme

Ossig betont, nun komme es auf eine schnelle Umsetzung der Hilfsprogramme der Bundesregierung an. Die Staatsbank KfW teilte am Mittwoch mit, dass Mittel für die erste Phase des Pakets ab sofort zur Verfügung stehen. Unternehmen, Freiberufler und Selbstständige können die Darlehen über ihre Hausbank beantragen. Vorschläge der Kreditwirtschaft zur Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens seien dabei weitgehend übernommen worden, so KfW-Chef Günther Bräunig.

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Dem Bankenverband reicht dies aber nicht. Denn die KfW-Programme erreichten nicht alle Kunden, und da gehe es auch nur um neue Kredite. Die Banken müssten aber auch, so Ossig, in die Lage versetzt werden, bestehende Darlehen zu stunden, zu restrukturieren oder zu erweitern. Zudem fordert der BdB ein zusätzliches KfW-Programm für riskantere Geschäfte, sogenannte Nachrangdarlehen – mit “vollständiger Haftungsübernahme” durch den Bund. Der Vorteil für die Banken: Deren Bücher würden damit nicht belastet.

Kampf gegen die Krise: Banken wollen Regeln lockern

Apropos: Der BdB macht sich auch dafür stark, Teile der Regelwerke zu lockern, um mehr Handlungsspielräume für die Geldhäuser zu schaffen. Etwa bei der Bestimmung, dass schon bei einer um 30 Tage verspäteten Zahlung von Kreditzinsen die Institute mehr Geld als Risikovorsorge zur Seite legen müssen. Der Bankenverband betont ausdrücklich, dass man nicht beabsichtige, Regulierung zurückzudrehen. Es müsse aber mehr Flexibilität geschaffen werden. Wobei die Europäische Zentralbank (EZB) schon vorige Woche eine Reihe von Bestimmungen abgemildert hatte.

Und auch an die Notenbank richtet der BdB eine Forderung. Die hiesigen Bankmanager ärgern sich mächtig, dass sie Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie kurzfristig überschüssige Liquidität bei der EZB parken. Hier müsse es eine “umfassende Freistellung” von diesen Zahlungen geben. Die EZB will mit den Negativzinsen Banken ermutigen, Geld nicht zu horten, sondern unter die Leute zu bringen.

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Privatbanken leiden unter Niedrigzinspolitik der EZB

Mehr Freiräume können insbesondere die hiesigen Branchengrößen Deutsche Bank und Commerzbank gut gebrauchen. Sie hatten schon in den zurückliegenden guten Jahren massive Probleme, überhaupt Geld zu verdienen. Sie kamen – anders als beispielsweise die Genossenschaftsbanken – mit der dauerhaften Niedrigzinspolitik der EZB kaum zurecht, weil dadurch beim klassischen Kreditgeschäft immer weniger hängen blieb. Erschwerend kam hinzu, dass schon vor der Coronakrise die Konjunktur spürbar nachgab.

Darunter haben Geldhäuser in anderen EU-Staaten noch viel stärker gelitten. Allen voran die italienischen Banken: Deren Kapitalpolster ist häufig ziemlich dünn. Hinzu kommt, dass sie schon jetzt erheblich mehr Kredite mit sich herumschleppen, bei denen Zahlungsausfälle drohen. Schon kursieren Mutmaßungen, dass von Italien eine Finanzkrise ausgehen und dann auf die gesamte Eurozone überspringen könnte. Vom Internationalen Währungsfonds (IWF) wurde bereits angeregt, eine finanzielle “Brandmauer” um das Land zu ziehen, um die Gefahr eines Flächenbrandes zu lindern.

Deutsche Wirtschaft könnte 2020 um 4 bis 5 Prozent schrumpfen

Wie massiv die ökonomischen Folgeschäden letztlich sind, wird entscheidend davon abhängen, wie sich die Pandemie in Europa entwickeln wird. Deutsche-Bank-Ökonom Schneider ist da einigermaßen optimistisch. Er rechnet mit einer Abflachung der Infektionen im zweiten Quartal. Daraus leitet er eine konjunkturelle Entwicklung in Form eines “V” ab. Also mit einer relativ starken Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Für das Gesamtjahr erwartet er für Deutschland ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt von 4 bis 5 Prozent. Mit Krisenjahr 2009 waren es sogar mehr als 5 Prozent gewesen.

RND/dpa

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