Coronavirus an der Börse: Eine schwarze Woche endet

  • Seit dem ersten größeren Ausbruch des Coronavirus in Europa ist eine Woche vergangen.
  • Für die Börse war es eine Woche zum Vergessen, die schlechteste seit der Finanzkrise 2008.
  • Bei Handelsschluss am Freitag hatte der DAX 9,5 Prozent verloren, 200 Milliarden Euro Börsenwert sind in Deutschland futsch.
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Für die Börse war es eine Woche zum Vergessen, die schlechteste seit der Finanzkrise 2008. Fast 10 Prozent hat der Dax innerhalb weniger Tage an Wert verloren, am Freitag drohte mit einem Minus von 5 Prozent zeitweise der Absturz ins Bodenlose. Gegen Mittag erholten sich die Kurse etwas, in einem extrem nervösen Handel rutschten sie aber wieder ab. Und am Ende des Tages war der Leitindex um ganze 4,5 Prozent gefallen.

Die Sorge, dass der Kampf gegen das Coronavirus die Weltwirtschaft bremsen wird, lastet massiv auf den Märkten. Dort hat man die Epidemie lange für ein regionales Pro­blem Chinas gehalten. Während in Asien schon im Januar die Kurse rutschten, bewegten sie sich in Europa und vor allem den USA noch auf Rekordhöhen. Die Wende kam vor gut einer Woche, als von Todesfällen in Südkorea und dem Iran berichtet wurde. Als dann am Wochenende die Fallzahlen in Italien stiegen und die Regierung mehrere Orte abriegelte, war klar: Die Epidemie wird auch Europa treffen.

3 Billionen Euro sind weg

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Für die Börse begann ein steiler Abstieg. Der Dax rutschte von knapp 13 800 zeitweise auf 11 800 Punkte und machte damit die Gewinne des vergangenen halben Jahres innerhalb einer Woche zunichte. Nach den gängigen Maßstäben gilt das noch als Korrektur des Höhenflugs, man kann es aber auch Salami-Crash nennen: Sieben Tage in Folge ist jedes Mal ein ordentliches Stück Börsenwert verschwunden.

Allein die Aktien der 30 Dax-Unternehmen sind insgesamt rund 200 Milliarden Euro weniger wert als beim Rekord vor gut einer Woche. An den Weltbörsen insgesamt geht es um rund 3 Billionen Euro.

Die Home-Office-Aktie schießt hoch

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Dabei gab es aber nicht nur Verlierer: TeamViewer, ein auf Software fürs Home-Office spezialisiertes Unternehmen aus Baden-Würrtemberg, legte in der vergangenen Woche um 6,59 Prozent zu - vielleicht ein Zeichen dafür, dass das Coronavirus dazu führt, dass mobiles Arbeiten für Unternehmen wichtiger wird.

Verlierer gab es hingegen reichlich: Die Papiere der Commerzbank verloren 21 Prozent - das Geldinstitut steht schon länger nicht gut da, zugleich ist die Finanzbranche tendenziell empfindlich gegenüber externen Schocks. Zweitgrößter Verlierer war die Lufthansa mit ebenfalls knapp 21 Prozent Wertverlust. Die Fluggesellschaft wird vom Coronavirus hart getroffen, weil der Reiseverkehr deutlich abnimmt.

Ist die Panik übertrieben?

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, fürchtet nun „negative Eigendynamik innerhalb des Finanzsystems“ – Panik an den Märkten. Denn die gängigen ökonomischen Daten böten kaum Orientierung, wenn jeden Tag die Stilllegung von Fabriken oder die Unterbrechung von Transporten wegen einer Pandemie droht.

So könne es bei den Kurskorrekturen an der Börse zu Übertreibungen kommen. Nach Einschätzung von Stefan Große, Analyst bei der Nord/LB, ist es bereits so weit: Die Entwicklung sei zwar schwer vorauszusagen, „die aktuelle Panik an den Märkten ist aber übertrieben“.

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Doch sie wird nicht so schnell verschwinden. „Die neue Woche dürfte kaum entspannter verlaufen“, sagt Hans-Jörg Naumer, Chefvolkswirt bei Allianz Global Investors. Er erwartet auch von den Konjunkturdaten der nächsten Woche vor allem Schwächesignale. Die Mehrheit der Anleger richtet sich darauf ein, dass die Notenbanken wieder das Krisenwerkzeug auspacken. Naumer erwartet in den USA zwei weitere Zinssenkungen in diesem Jahr.

Für Kleinanleger keine gute Zeit

Zumindest für Kleinanleger könnte das bedeuten, dass sie derzeit erstmal die Füße still halten sollten - denn erfahrungsgemäß dauert es, bis derartige Hilfen für die Konjunktur Wirkung entfalten. Ein Einstieg an der Börse, wie ihn jüngst US-Präsident Donald Trump den Amerikanern empfahl, ist hingegen derzeit eine riskante Angelegenheit. Denn weitere Einbrüche an den Finanzmärkten könnten folgen.

Mit dpa

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