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  • Corona und Wirtschaft: Warum das DIW lieber noch keine Lockerungen gehabt hätte

Warum das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung lieber noch keine Lockerungen gehabt hätte

  • Wichtige Exportmärkte in China und den USA nehmen wieder Fahrt auf.
  • Konjunkturexperten blicken deshalb positiver auf das langfristige Wirtschaftswachstum.
  • Verunsichernd für die Wirtschaft sei aber die aktuelle Lockerungspolitik, die sich dynamisch an der Sieben-Tage-Inzidenz orientiert.
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Berlin. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine Wachstumsprognose für Deutschland angesichts der Pandemie-Entwicklung nach unten korrigiert. Mit Blick auf die Maßnahmen gegen das Virus rechnen die Ökonomen für das laufende Jahr nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent, wie Konjunkturexperte Claus Michelsen am Donnerstag sagte. Noch im Dezember sah das Szenario ein Wachstum von 3,8 Prozent vor. „Wir gehen davon aus, dass wir eine dritte Pandemiewelle erleben werden“, sagte Michelsen.

Auch aus Sicht des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) ist Deutschland mit einem Dämpfer ins neue Jahr gestartet: Das Institut geht wegen des Corona-Lockdowns von einem Minus von 2,7 Prozent im ersten Quartal aus. Mit Blick auf das Gesamtjahr sind die Kieler Ökonomen aber deutlich optimistischer: Die aktuelle Prognose geht für Deutschland von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,7 Prozent aus. Bislang hatten die Kieler Forscher ein Plus von 3,1 Prozent erwartet.

„Stop and Go“ für die Wirtschaft

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Grund ist demnach die Industriekonjunktur, die vom Auslandsgeschäft profitiert, wie das IfW am Donnerstag mitteilte. Für 2022 erwartet das Institut jetzt ein Wachstum von 4,8 Prozent. Auch das DIW schätzt die Lage für die deutsche Industrie besser ein, weil wichtige Exportmärkte in den USA und China wieder an Fahrt aufnehmen. Die Dienstleistungssektoren seien hingegen weiterhin schwer getroffen.

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Die Maßnahmen von Bund und Ländern sähen vor, Öffnungen und Schließungen von bestimmten Schwellenwerten bei der Sieben-Tages-Inzidenz abhängig zu machen. Diese gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich innerhalb einer Woche neu mit dem Coronavirus infiziert haben. Dieses Vorgehen führe zu einem „Stop and Go“ in der Wirtschaft, die sich alle paar Wochen neu auf Öffnungen und Schließungen einstellen müsse. „Das befördert Unsicherheit“, sagte DIW-Ökonom Michelsen.

Insolvenzen werden nachgeholt

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Das werde sich auch auf die Insolvenzzahlen auswirken. Die Aussetzung der Insolvenz-Anmeldepflicht im vergangenen Jahr habe das Insolvenzgeschehen bislang nur verschleiert.

„Wir erwarten auch für dieses Jahr, dass gewisse Insolvenzen nachgeholt werden, die letztes Jahr ausgeblieben sind, so dass wir davon ausgehen können, dass das Insolvenzgeschehen in der Größenordnung von 20 bis 30 Prozent nach oben gehen wird“, sagte Michelsen. Das Institut verwies darauf, dass es zuletzt nicht nur kleine Unternehmen, sondern auch größere Mittelständler mit vielen Beschäftigten vor allem im Modehandel traf.

Lieber längerer Lockdown

In Deutschland wurden Anfang März einige Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus gelockert. So wurde die Anzahl der Personen aus verschiedenen Haushalten, die sich treffen dürfen, vielerorts erhöht. Der Einzelhandel kann wieder vermehrt Kunden empfangen. Aus Sicht des DIW wäre es besser gewesen, mit den Lockerungen weiter zu warten und die Inzidenzzahlen weiter zu drücken. Ein ständiges Auf und Zu hätte so möglicherweise vermieden werden können.

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Das Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) geht wiederum davon aus, dass die Lockerungen zwar zu einem Anstieg der wirtschaftlichen Mobilität führten, aber auch der Neuinfektionen und Todesfälle. Der erwartete Anstieg der ökonomischen Mobilität um gut 10 Prozentpunkte dürfte die Zahl der Neuinfektionen und der Todesfälle in Deutschland um 25 Prozent erhöhen, hieß es in einer Mitteilung des Instituts am Donnerstag.

RND/dpa

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