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Corona trifft indische Seeleute: Reedereien warnen vor Folgen für Lieferketten

Die Corona-Krise in Indien trifft auch die Schifffahrt hart. Weil indische Seeleute fehlen, kommen immer mehr Reedereien in die Bredouille. Der Verband deutscher Reeder warnt vor Folgen auch für die hiesigen Lieferketten.

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Den globalen Lieferketten droht wegen der Pandemie erneut Ungemach. Die Corona-Krise in Indien beschäftigt Reedereien weltweit, weil Staaten und Häfen für indische Seeleute und aus Indien kommende Schiffe dichtmachen. „Wenn es nicht gelingt, die Situation in Indien nachhaltig zu verbessern, drohen mit Blick auf die Schifffahrt Auswirkungen, die weit über den Subkontinent hinaus reichen – etwa, indem die globalen Lieferketten ähnlich wie beim Zwischenfall im Suezkanal vor Kurzem beeinträchtigt werden“, warnte Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR).

Zuvor hatten am Donnerstag zahlreiche Reedereien und Shipmanager in der „Financial Times“ Alarm geschlagen: In Indien steigen die Fallzahlen seit einiger Zeit rasant – und rund 240.000 der 1,6 Millionen Seeleute weltweit stammen von dem Subkontinent. Nun haben sie vermehrt Probleme bei internationalen Reisen zu den Starthäfen ihrer Einsätze. „Die geltenden Reisebeschränkungen für indische Staatsbürger erschweren es uns als Shipmanagern aktuell massiv, Schiffe zu bemannen und notwendige Crewwechsel durchzuführen“, berichtet etwa Ian Beveridge, CEO von Bernhard Schulte Shipmanagement aus Hamburg.

„Indien ist eine Seefahrernation, seine Seeleute sind weltweit im Einsatz auf Schiffen – sie werden dort gebraucht“, betonte auch Nagel gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Er spricht für die deutschen Reeder, die hiesige Handelsflotte ist die fünftgrößte weltweit. In der „Financial Times“ hatten sich auch Branchengrößen wie Mærsk aus Dänemark und der internationale Verband Intermanager zu Wort gemeldet. Die Blockade des Suezkanals im März sei „nichts im Vergleich zu dem, was die Störung der Lieferketten durch die ausbleibenden Crewwechsel mit sich bringt“, sagte dessen Präsident Mark O’Neil der „Financial Times“.

Seeleute kommen nicht zu Familien zurück

Dabei ringen Seeleute und Reedereien schon seit Ausbruch der Pandemie mit Reisebeschränkungen weltweit: Die Crews dürfen und sollen nicht zu lange an Bord bleiben, doch die Einreise in Staaten mit Häfen gestaltete sich für Hundert­tausende Seeleute zuletzt genauso kompliziert wie die Rückkehr zu den Familien im Herkunftsland. „Wir warnen davor, dass sich die Crewwechselproblematik für die Seeleute weltweit erneut erheblich verschärfen könnte“, sagte Nagel nun.

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Er betonte, dass es auch der „unermüdlichen Arbeit der Männer und Frauen an Bord“ zu verdanken sei, dass es bisher nicht zu größeren Lieferengpässen in Deutschland gekommen sei. „Als Beschäftigte in einer systemrelevanten Infrastruktur sollten sie deshalb einen bevorzugten Zugang zu einem Covid-19-Impfstoff erhalten“, so Nagel. Die Herkunftsländer vieler Seeleute, etwa Indien oder die Philippinen, schwimmen allerdings nicht gerade in Impfstoff. Und selbst können die meisten Reedereien nicht impfen. „Wir haben bislang keine Möglichkeit, das umzusetzen“, bestätigte ein Sprecher von Hapag-Lloyd.

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Weltweite Impfkampagne für Seeleute?

Der VDR fordert deshalb eine weltweite Priorisierung der Seeleute, was sich bislang aber schwierig gestaltet. Denn eigentlich wollte die Internationale Seefahrtsorganisation (IMO) der UN eine Lösung auf den Weg bringen, kommt aber kaum voran – was unter Reedern und Seeleuten für zunehmenden Frust sorgt.

Indes trägt laut VDR auch zu den Problemen bei, dass immer mehr große Häfen aus Indien kommenden Schiffen das Einlaufen verweigern. Unbegründet ist die Angst, dass Seeleute mit dem Virus infiziert sein könnten, offenbar nicht: Im südafrikanischen Durban traf jüngst ein Frachter vom Subkontinent ein. 14 Crewmitglieder wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Der Chefingenieur des Schiffs starb Medienberichten zufolge an einer Herzattacke.

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