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Darum will ein Topökonom 10.000 zufällig ausgewählte Deutsche auf Corona testen

  • Es wird getestet und getestet – aber womöglich bleibt beim Coronavirus eine gewisse Zahl der Fälle unentdeckt.
  • In Deutschland liegt die Dunkelziffer nach Meinung von Experten zwar recht niedrig – trotzdem ist sie ein Problem, sagen Ökonomen.
  • IfW-Chef Gabriel Felbermayr fordert nun ein neues Testverfahren.
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Wie viele Menschen in Deutschland wirklich mit dem Coronavirus infiziert sind, ist letztendlich unklar: Denn es gibt eine Dunkelziffer – auch wenn diese, wie das Robert-Koch-Institut sagt, hierzulande womöglich recht niedrig ist. Dem Ökonomen Gabriel Felbermayr bereitet sie Kopfzerbrechen. “Die Datenlage ist unbefriedigend, sowohl was die deutschen als auch was europäische Daten betrifft”, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Denn wie groß die Dunkelziffer beim Coronavirus insgesamt ist, bleibt weitgehend unklar. Bekannt ist, dass Infektionen auch symptomfrei verlaufen können, ebenso wie längst nicht jede Covid-19-Erkrankung als solche erkannt wird, weil die Krankheit auch sehr milde verlaufen kann. Eine Studie des Imperial College in London etwa deutet darauf hin, dass bis zu 79 Prozent aller frühen Infektionen in China auf undokumentierte Fälle zurückgehen – was einer der Gründe ist, weshalb drastische Maßnahmen wie Kontaktverbote und Lockdowns derzeit das international gängige Mittel gegen die Ausbreitung des Virus sind.

Eindämmung ist teuer

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Kontaktverbote und Lockdowns sind allerdings auch teuer. Sehr teuer sogar, wie jüngst die Konjunkturprognose des Ifo-Instituts aus München verdeutlicht hat: Schlimmstenfalls könnte das Bruttosozialprodukt durch die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen um 20 Prozent sinken, hieß es am Montag. Das treibt auch Felbermayr um, der “immense ökonomische Schäden” befürchtet. Er plädiert deshalb dafür, auf zielgenauere Maßnahmen anstatt der aktuell flächendeckenden Einschränkungen zu setzen.

Doch das ist aus Felbermayrs Sicht wegen der Dunkelziffer kaum möglich: Derzeit würden die Corona-Tests “verständlicherweise” vor allem mit dem Ziel der Gesundheitsvorsorge gemacht. “Als Entscheidungsgrundlage für die Politik taugen diese Fallzahlen jedoch wenig”, meint Felbermayr. Ihm zufolge braucht es dringend auch belastbare Daten zur Gesamtbevölkerung, um die Wirksamkeit politischer Gegenmaßnahmen einschätzen zu können. “Nur dann können wir auf verlässlicher Basis entscheiden, ob mehr zu tun ist oder weniger ausreicht, um das Virus einzudämmen.”

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10.000 Deutsche regelmäßig testen

Allerdings schlägt Felbermayr nicht vor, jeden Deutschen auf das Coronavirus zu testen – was die Testkapazitäten in Deutschland wohl auf Jahre auslasten würde. Stattdessen will er, dass mindestens 10.000 Deutsche regelmäßig und kontinuierlich auf das Virus hin untersucht werden. “Für diese statistischen Zwecke können auch weniger aufwendige Tests mit höheren Fehlerquoten genutzt werden, die Laborkapazitäten schonen”, meint der Ökonom.

Er erhofft sich davon, ein “verlässliches Bild von den Veränderungen und den Effekten der Eindämmungsmaßnahmen zu bekommen” – was auch Sicherheit für Unternehmen und Verbraucher schaffe, weil diese aktuell aufgrund der vielen Unklarheiten nur schlecht in die Zukunft planen könnten, so Felbermayr. Zugleich spricht er auch davon, mit präziseren Daten einen “graduellen Ausstieg” aus den Eindämmungsmaßnahmen vorbereiten zu können.

Der liegt aktuell noch in weiter Ferne: Zwar zeigen die Eindämmungsmaßnahmen laut Robert-Koch-Institut erste Wirkung. Doch zeitnahe Änderungen an Kontaktverboten und Ausgangsbeschränkungen sind derzeit nicht geplant.

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