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Pandemie beschert Krisengewinner Siemens Healthineers ein Rekordjahr

Um fast ein Fünftel sind die Umsätze von Siemens Healthineers angeschwollen – auf nun rund 18 Milliarden Euro.

München.Bernd Montag wähnt sich in guter Gesellschaft. Zusammen mit dem von ihm geführten Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers gibt es nun sieben Gesundheitsversorger im jüngst auf 40 Unternehmen aufgestockten Börsenindex Dax. „Wir müssen Gesundheitsvorsorge politisch und gesellschaftlich aufwerten“, folgert er nicht nur aus der wirtschaftlichen Anerkennung per Aufstieg in den Dax.

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Immerhin gebe es mit dem Krebs noch eine andere, vergessene Pandemie. Die vom Coronavirus ausgelöste hat Siemens Healthineers im Geschäftsjahr 2020/21 (zum 30. September) neue Rekorde bei Umsatz und Gewinn beschert. Dreimal haben die Erlanger ihre Prognosen im Verlauf der Pandemie nach oben korrigiert. Nach starkem Endspurt haben sie jetzt auch die letzte Korrektur nach oben noch leicht übertroffen.

Die Gewinnmarge stieg von 15,5 auf 17,4 Prozent

Um fast ein Fünftel sind die Umsätze auf nun rund 18 Milliarden Euro angeschwollen. Corona-Schnelltests haben 1,1 Milliarden Euro beigesteuert. Der Gewinn nach Steuern wuchs parallel um fast ein Viertel auf knapp 1,8 Milliarden Euro. 340 Millionen Euro davon gingen auf das Konto von Schnelltests. Das mündet in einer binnen Jahresfrist von 15,5 auf 17,4 Prozent erhöhten Gewinnmarge.

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Das weltweit über 66.000 Beschäftigte starke Personal, davon knapp ein Viertel hierzulande, erhält eine Corona-Sonderprämie von in der Summe 56 Millionen Euro. Es sei eine besondere Leistung, dass man den Pandemiestress gemeistert und alle Lieferketten aufrecht erhalten habe, lobt Montag.

Aber auch ohne Corona-Sondereffekte wäre die Siemens-Abspaltung, an der die Mutter noch eine klare Mehrheit hält, auf Wachstumskurs. Das gilt vor allem für das Geschäft mit medizinischem Großgerät wie Computertomographen (CT), das unbeeinflusst von Pandemieeffekten mit einer Spitzenmarge von gut 21 Prozent allein die Hälfte aller Umsätze beisteuert.

Auf Anhieb auch ein bilanzieller Zugewinn war der Zukauf des US-Krebstherapiespezialisten Varian im Frühjahr 2021. Die Marge von Varian liegt mit 17 Prozent schon jetzt auf Siemens-Niveau und soll binnen drei bis fünf Jahren auf über 20 Prozent zulegen, kündigte Healthineers-Finanzchef Jochen Schmitz an.

Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2021/22 zeigt, dass die jüngste Rekordrunde kein einmaliger Ausreißer war. Obwohl die Umsätze mit Corona-Schnelltests dabei stark auf 200 Millionen Euro schrumpfen dürften, erwarten Montag und Schmitz bis zu 2 Prozent Umsatzzuwachs. Bereinigt um Corona-Effekte sollen die Umsätze um 5 bis 7 Prozent zulegen und die Gewinne je Aktie um bis zu 23 Prozent.

Gute Forschung zahlt sich für Siemens Healthineers aus

Treiber neuen Wachstums seien vor allem Innovationen, betont Montag und nennt ein Paradebeispiel. Das ist das weltweit erste quantenzählende CT-Gerät, das Siemensianer am Forchheim Healthineers-Erfinderzentrum nach 15 Jahren Forschung erfunden haben. Nicht nur in Europa auch in den USA ist die Weltneuheit schon behördlich zugelassen und kann ab sofort vermarktet werden.

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„Mit dem quantenzählenden Computertomographen öffnen sie neue Horizonte für die medizinische Bildgebung“, erklärt Montag die Bedeutung der Tat seiner Erfinder. Gegenüber heutigen CT-Geräten bietet die Innovation doppelt so scharfe Bilder, was Diagnosen eindeutiger und belastende Untersuchungen etwa mittels Herzkatheter oft überflüssig macht.

Zudem schafft die neue quantenzählende Technik, das Innenleben eines menschlichen Körper binnen knapp drei Sekunden detailgenau zu scannen, was bei sich bewegenden Organen wie Herz oder Lunge vorteilhaft ist. Heutige CT-Geräte benötigen 15 bis 20 Sekunden.

Mehrere Jahre Entwicklungsvorsprung

Auch reduziert die neue Technik die Strahlenbelastung um 40 bis 45 Prozent. Das verbreitert die Einsatzmöglichkeiten mit Blick auf Kinder und Jugendliche, aber auch um CT-Scans als Vorsorgeuntersuchung für Lungenkrebs einzusetzen. Gegenüber der Konkurrenz habe Siemens Healthineers damit mehrere Jahre Entwicklungsvorsprung, glauben die Techniker der Erlanger.

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Billig ist neue Technologie nicht. CT-Einsteigergeräte kosten 200.000 Euro und Spitzengeräte wie die Siemens-Innovation bis zu drei Millionen Euro. Weiteres Wachstum ist durch solche Erfindungen für sein Haus programmiert, glaubt Montag. „Wir haben die richtigen Produkte“, findet er. Seine Kunden denken bei gut 20 Milliarden Euro Rekordauftragsbestand offenbar ähnlich.

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