Corona-Selbsttests für 95 Cent: Vom knappen Gut zum Ladenhüter?

  • Anfang März standen die Menschen vor Discountern Schlange, um einen der begehrten Corona-Selbsttests zu ergattern. Damals kostete ein Testkit rund 5 Euro.
  • Nun bietet die Drogeriemarktkette dm die Tests zur Eigenanwendung für 95 Cent pro Stück an.
  • „Ein ausgeweitetes Angebot führt nach den Gesetzen der Marktwirtschaft zu sinkenden Preisen. Das ist auch bei den Selbsttests zu beobachten“, sagt Martin Walger, Geschäftsführer des Verbands der Diagnostica-Industrie.
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Hannover. Es ist ein immenser Preisverfall: Als die ersten Corona-Selbsttests im März dieses Jahres in den Verkauf kamen, kostete das Stück fast überall 4,99 Euro. Nur drei Monate später sind es nur noch 95 Cent. Diesen Kampfpreis hatte die Drogeriemarktkette dm Mitte der Woche ausgegeben. Bei der Konkurrenz wurden die Laientests zuletzt zwischen 1,99 und 2,99 Euro gehandelt. Aber auch sie wird wohl bald weiter reduzieren müssen. Wie kam es zu dem Preissturz in Rekordzeit?

BfArM listete im März nur sieben zugelassene Tests

„Im ersten Quartal 2021 waren Selbsttests noch sehr knapp, da diese Produkte eine europaweite Zulassung oder nationale Sonderzulassung benötigen“, erklärt Martin Walger, Geschäftsführer des zuständigen Verbands der Diagnostica-Industrie. In Deutschland vergibt diese Zulassung das Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte (BfArM). Anfang März, als die ersten Testkits in Deutschland in den Verkauf kamen, listete das (BfArM) nur sieben zugelassene Antigen-Selbsttests.

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Seitdem hat sich die Zahl der Anbieter rapide erhöht. Mittlerweile führt das Bundesinstitut 73 und somit zehnmal mehr für die Eigenanwendung zugelassene Tests. Entsprechend hat sich auch die Versorgungssituation entspannt, heißt es beim Verband der Diagnostica-Industrie. „Ein ausgeweitetes Angebot führt nach den Gesetzen der Marktwirtschaft zu sinkenden Preisen. Das ist auch bei den Selbsttests zu beobachten“, bestätigt Walger.

Nachfrageboom hielt nicht lange

Aber auch die Nachfrage spielt eine Rolle. Anfang März waren die Testkits für viele der Schlüssel zu mehr sozialen Kontakten. Denn auch wenn die Antigen-Selbsttests weniger zuverlässig sind als PCR-Tests, versprachen sie etwas Sicherheit in einer lockdownmüden Gesellschaft. Kein Wunder, dass sich damals lange Schlangen bildeten, als die ersten Testkits in die Discounter kamen. Trotz begrenzter Ausgabemengen waren sie sofort ausverkauft, die Internetseite eines Discounters brach ob der hohen Klickrate sogar zusammen.

Doch der Nachfrageboom hielt nicht lange. Denn ungefähr zur gleichen Zeit, also Anfang März, gab die Bundesregierung bekannt, dass sich jeder nun einmal die Woche kostenlos in einem professionellen Testzentrum, bei einer Apotheke oder einem Arzt testen lassen dürfe. Die Testzentren schossen daraufhin aus dem Boden, ein Corona-Test war dort schnell gemacht, kostenlos und ermöglichte außerdem Besuche im Restaurant, beim Friseur oder im Einzelhandel. Die Selbsttests aber blieben immer häufiger in den Regalen liegen.

dm will „Vorteil weitergeben“

Außerdem nimmt jetzt das Impfen Fahrt auf. Fast jeder Zweite hat mindestens eine erste Impfdosis erhalten, fast jeder Vierte ist bereits vollständig geimpft. Zwar schützt eine Impfung nicht unbedingt vollständig vor der Weitergabe des Virus. Die Gefahr wird aber immer kleiner – dafür sorgen auch die stetig sinkenden Zahlen der Corona-Neuinfizierten. Die Corona-Selbsttests könnten deshalb bald zum Ladenhüter werden.

Der Geschäftsführer der Drogeriemarktkette dm, Sebastian Bayer, erklärt die 95-Cent-Offensive dagegen so: „Im März waren Selbsttests ein knappes Gut, entsprechend hoch waren die Einkaufspreise für den Handel und somit auch die Verkaufspreise. In wenigen Wochen hat sich dieses Bild stark gewandelt. Die Einkaufspreise sind gesunken, weshalb wir diesen Vorteil auch an unsere Kunden weitergeben möchten.“

Auch Testzentren werden immer leerer

In dieser veränderten, guten Corona-Lage werden auch die Testzentren immer leerer. Einige haben bereits wieder geschlossen. Oft wurden sie in stillgelegten Restaurants eingerichtet, die nun wieder öffnen dürfen. Außerdem bekommen die Betreiber ab 1. Juli ebenfalls wesentlich weniger Geld. Sie dürfen dann für die Durchführung eines Schnelltests nur noch 8 Euro abrechnen. Bisher waren es 15 bei ärztlichen und 12 Euro bei anderen Anbietern. Die Tests selbst dürfen künftig nur noch pauschal mit 4,50 statt mit bis zu 6 Euro abgerechnet werden.

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