Nach Corona-Fällen: Lauterbach fordert Masken in Diskotheken

  • In einem Aachener Club haben zwei Corona-Infizierte gefeiert, die 900 übrigen Gäste befinden sich in Quarantäne.
  • Ähnliche Fälle hatte es – trotz Schnelltests – auch schon in Hannover und Karlsruhe gegeben.
  • Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach fordert nun eine Maskenpflicht beim Feiern.
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Hannover. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach fordert angesichts der Corona-Fälle in Diskotheken strengere Maßnahmen. „Derzeit haben wir die Herdenimmunität noch nicht erreicht, deshalb rate ich, weiter vorsichtig zu sein“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das bedeutet, Diskothekenbesuche nur für Menschen, die geimpft, genesen oder getestet sind und nur mit Maske.“

Die Maskenpflicht sei notwendig, weil die Schnelltests noch immer vier von zehn Corona-Infizierten nicht fänden. „Mit Maske infizieren sich dann zwar immer noch einige aber nicht mehr viele.“

Virologe: Entkeimungsgeräte könnten helfen

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Auch der Virologe und ehemalige Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig, Uwe Liebert, hält Schnelltests in Diskotheken als alleinige Maßnahme nicht für ausreichend. „Geimpften und Genesenen sollte man den Zutritt nicht verwehren. Bei den anderen sind Schnelltests besser als nichts, aber oft nicht ausreichend.“

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Er weist daraufhin, dass die Qualität der Tests auch je nach Anbieter sehr unterschiedlich sei. „Diskothekenbetreiber sollten darauf achten, dass sie Schnelltests mit einer hohen Sensitivität nutzen. Außerdem könnten sie Entkeimungsgeräte aufstellen, die über UV- oder UVC-Strahlung die Keime in der Aerosolwolke abtöten.“

Infizierte in Clubs in Aachen, Hannover und Karlsruhe

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Zuletzt hatte es zwei Corona-Fälle in einer Aachener Diskothek gegeben. Die Infizierten feierten am 16. und 17. Juli zusammen mit jeweils etwa 450 weiteren Partygästen im Club Apollo. Zwar wurden auch hier nur Besucher eingelassen, die geimpft, genesen oder getestet waren. Einmal drin, konnte aber jeder unbeschwert ohne Abstand und Maske feiern. Auch in Hannover und Karlsruhe hatte es schon Corona-Infizierte in Clubs gegeben.

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Der Präsident des Verbands deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe, Knut Walsleben, kann dieses Infektionsgeschehen kaum nachvollziehen. „Wenn jeder Betreiber die Tests und die Impfnachweise vernünftig kontrolliert und sie auch fälschungssicher sind, dann dürfte es nicht zu solchen Fällen kommen. Es gibt viele positive Beispiele in der Branche, da feiern jedes Wochenende Tausende, und es gab noch keinen einzigen Corona-Fall.“

Aachen: Kontaktdaten waren nicht lesbar

Walsleben weist außerdem daraufhin, dass die Kontaktnachverfolgung unbedingt digital stattfinden sollte und nicht handschriftlich auf Papier. Genau das wurde nach dem Corona-Fall in der Aachener Diskothek zum Problem: Dort musste das Gesundheitsamt 900 Menschen kontaktieren und in Quarantäne schicken. Mindestens 150 Namen und Telefonnummern waren aber unleserlich.

Disco-Betreiber haben ein Jahr lang nichts verdient

Auf den meisten Diskotheken lastet ein hoher Druck wieder zu öffnen. Denn seit die Betriebe im März 2020 geschlossen wurden, haben sie kein Geld mehr verdient. Zwar bekommen die Diskotheken Überbrückungshilfen, damit würde aber nur ein Großteil der laufenden Kosten gedeckt. „Die Inhaber haben mehr als ein Jahr lang kein Gehalt bekommen“, sagt Walsleben. Die meisten könnten sich zwar mit Erspartem über Wasser halten, aber es habe auch schon einige Insolvenzen gegeben.

Ob die Diskotheken öffnen dürfen oder geschlossen bleiben, obliegt seit dem Wegfall der Bundesnotbremse den Bundesländern. Die entscheiden meist je nach Sieben-Tage-Inzidenz des Landkreises, in einigen Bundesländern wie in Bayern, Hamburg oder Bremen sind Diskotheken aber nach wie vor grundsätzlich geschlossen.

Partytourismus nach Niedersachsen

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Besonders locker sah es bislang Niedersachsen: Dort durften Clubs öffnen – bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von zehn sogar in voller Auslastung und ohne Maske. Allerdings ist auch hier ein vorheriger Schnelltest nötig, es sei denn die Feiernden sind geimpft oder genesen.

„Diese uneinheitlichen Regeln führen zu Partytourismus. Die Hamburger fahren eben nach Niedersachsen zum Feiern, und dort wird das große Geld verdient“, kritisiert Walsleben, der selbst eine Diskothek in Schleswig-Holstein besitzt. Diese darf er derzeit aber nur draußen bei leiser Musik und von 14 bis 21 Uhr öffnen. „Wir fordern deshalb, bundesweit alle Diskotheken für Geimpfte, Genesene und Getestete zu öffnen“, so Walsleben. Man müsse langsam zur Normalität zurückkehren.

Inzwischen hat die Staatskanzlei in Niedersachsen entschieden, einige Corona-Regeln in der kommenden Woche zu verschärfen, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtet. Bars, Clubs, Discotheken und Shishalokale müssen dann bereits bei einer Inzidenz von zehn in der jeweiligen Region wieder schließen, weil sie zuletzt erheblich zur Zunahme der Infektionen beigetragen hätten, erklärte die Staatskanzlei am Freitag.

Mobile Impfteams in den Partymeilen

Die Wissenschaftler Lauterbach und Liebert appellieren außerdem, dass das Impftempo weiter hoch gehalten werden müsse. Noch seien zu wenige in der Bevölkerung vollständig geimpft, um zur Normalität zurückzukehren. „Wir müssen jetzt alles dafür tun, dass mehr geimpft wird“, sagt Liebert. Auch vor Diskotheken und in den Partymeilen könnten mobile Impfteams stehen. „Um die Impfquote weiter hochzuhalten, müssen wir es den Menschen bequem machen“, sagt Lauterbach.

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